Von Ute Richter

Halb Guben war am Sonntagvormittag auf dem Weg ins Sportzentrum an der Kaltenborner Straße. Doch kein Handball- oder Fußballspiel lockte, sondern der 90. Geburtstag des Gubener Urgesteins Hildegard Petter. Zu einer Geburtstagsfeier in kleiner Runde, quasi ganz in Familie, hatte die Gubenerin in den Chemietreff eingeladen. Was sich in der Turnhalle nebenan abspielte, ahnte sie nicht. Denn da trafen sich Wegbegleiter, aktive sowie ehemalige Athleten, Trainer der Sportschulen des Landes sowie Übungsleiter und Funktionäre aus den verschiedensten Vereinen, Vertreter vom Stadtsportbund Cottbus sowie Leichtathletikverband Brandenburg, um dieser ganz besonderen Frau zum Geburtstag zu gratulieren. Ahnungslos trat die Jubilarin im Laufe des Vormittags in die Sporthalle und war überwältigt angesichts der vielen Geburtstagsgäste von Jung bis Alt.

Bürgermeister war ebenfalls mit dabei

Einer der ersten Gratulanten war Bürgermeister Fred Mahro. „Ich verneige mich vor Ihnen“, so das Gubener Stadtoberhaupt. Und meinte damit den immer noch währenden Einsatz dieser fitten und engagierten Frau. „So etwas gibt es nicht oft, dass jemand in dem Alter immer noch aktiv beim Kinder- und Jugendsport mitwirkt“, so Mahro. Denn Hildegard Petter war nicht nur einst selbst erfolgreiche Sportlerin – anfangs als Turnerin, dann als Handballerin und später als Leichtathletin. Sie verhalf durch ihre Ausbildung vielen Gubener Kindern auch zu unzähligen Erfolgen auf sportlicher Ebene. Und das bis heute.

Schon früh hatte sich das sportliche Talent von Hildegard Petter gezeigt. Ihren ersten Wettkampf bestritt die Ausnahme-Trainerin damals barfuß auf Aschenbahn. Von den anderen belächelt, lief sie sich so auf den ersten Platz. 100- und
200-Meter-Läufe waren ihr Metier, später die 400- und 800-Meter-Strecken. Bezirksrekorde und ein sechster Platz in der Bestenliste der DDR waren ihre größten
Erfolge.

Mit ihrem Studium zur Lehrerin ging ihr Engagement später in Richtung Nachwuchsförderung. Hunderte Mädchen und Jungen hat Hildegard Petter in den über 60 Jahren ihrer Trainerschaft ausgebildet. Manche mit mehr, andere mit weniger Erfolg. Aber immer mit Herzblut. Denn Kinder – und zwar jeden Alters und unabhängig von der Herkunft – liegen Hildegard Petter bis heute am Herzen Sie baute 1959 die Abteilung Leichtathletik bei Fortschritt Guben auf. Gleiches gelang ihr abermals nach der Wende 1989 beim SV Chemie Guben. Viermal pro Woche trainiert die 90-jährige Ehrenbürgerin der Stadt Guben und leitende Stützpunkttrainerin noch immer Kinder und Jugendliche im Sprint, Weitsprung, Hochsprung und Langlauf. Und damit das auch auf aktuellem Niveau passiert, bildet sich Hildegard Petter regelmäßig weiter, verlängert bis heute stets ihren Trainerschein A.

Hochachtung von vielen Gästen

Und genau das ist es auch, was Kai-Uwe Meier, Leitender Landestrainer Brandenburg, an der 90-Jährigen so schätzt. „In dem Alter noch die Kinder zu begeistern, ist einfach großartig“, sagte er am Sonntag. Auch Klaus-Dieter Kroll, Trainer beim SV Electronic Neuendorf, lobt seine Trainerkollegin in höchsten Tönen. „Ich kenne sie als liebevollen Menschen und als sehr herzliche, aber bestimmte Trainerin bei ihren Schützlingen“, erzählt er aus seiner 17-jährigen gemeinsamen Zeit. „Sie ist einmalig“, ergänzt er mit Hochachtung und wünscht ihr, wie alle anderen Gäste auch, dass sie noch recht lange so fit bleibt, wie sie es immer war und ist.

Hochachtung und ganz viele Umarmungen hatten auch die unzähligen Gäste am Sonntag mit im Gepäck. Es war wie ein großes Treffen aller Generationen, denn viele Sportler hatten sich seit Jahren nicht gesehen. Alte Geschichten wurden erzählt, sich an viele schöne sportliche Momente erinnert und zahlreicher Siegerehrungen über 60 Jahre hinweg gedacht.

Übrigens: Hildegard Petter hat alles, was es an Auszeichnungen in der Stadt Guben als auch auf Landesebene im sportlichen Bereich gibt, bereits erhalten. Erst vor einem Monat bekam sie den Goldenen Apfel der Stadt und das bereits zum zweiten Mal.