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77 Jahre und fit wie'n Turnschuh

Siegfried Primke in seinem Element beim Staffellauf Cottbus – Zielona Gora am Wochenende.
Siegfried Primke in seinem Element beim Staffellauf Cottbus – Zielona Gora am Wochenende. FOTO: Ute Richter/utr1
Guben. Zum 25. Mal gingen am Samstag Läufer beim Staffellauf Cottbus – Zielona Gora auf die 100 Kilometer lange Strecke von Rathaus zu Rathaus. Ute Richter / utr1

Dieses länderübergreifende Laufspektakel hat eine lange Tradition, zu dem sich in diesem Jahr 69 Teams aus Deutschland und Polen angemeldet hatten. Sie starteten am Rathaus in Cottbus, liefen über Peitz, Tauer, Bärenklau nach Guben über die Neißebrücke und weiter durch das polnische Gubin nach Dzikowo, Brzozka, Dabie, Gronow, Radomia zum Zielort in Zielona Gora.

Der Gubener Siegfried Primke stieg bei Kilometer 45,1 in das sportliche Geschehen ein. Der heute 77-Jährige lief bereits zum zehnten Mal bei diesem Staffellauf mit. Drei Streckenabschnitte von 8,7, 5,4 und sieben Kilometer ist der Senior am Samstag gelaufen.

Seine Kondition kommt nicht von ungefähr, denn Laufen ist ein Teil seines Lebens. Siegfried Primke hat schon an vielen Marathons und Halbmarathons teilgenommen und immer beste Plätze erreicht. "Eigentlich war ich nie schlechter als der fünfte Platz", erzählt er bescheiden. Dabei hat er erst im Rentenalter angefangen mit dem Langstreckenlauf. "Ruhe und gutes Essen haben mich damals zum Laufen gebracht. Da musste ich was für mich und meinen Körper tun", berichtet er. Seitdem zieht es ihn mindestens dreimal in der Woche auf die Piste. Seine Trainingsstrecken führen ihn durch Wiesen und Felder rund um Guben. In den Dörfern Kerkwitz und Schlagsdorf wird er stets freundlich gegrüßt. Etwa 2500 Kilometer legt er im Jahr laufend zurück. Im Juni 2017 waren es allein 250 Trainingskilometer. Um Fitnessstudios macht er gern einen Bogen, er braucht die Natur.

Nachdem man ihn im Jahr 2003 zu seinem ersten Staffellauf Zielona Gora - Cottbus überredet hatte, kam die Lust, sich an Serienwettkämpfen zu beteiligen. Eine Reihe von Siegerpokalen konnte er in den folgenden Jahren mit nach Hause bringen. Im Jahr 2005 entschloss er sich, im Spreewald seinen ersten Marathon zu laufen. Als er dabei den ersten Platz belegte, war nicht nur er, sondern seine ganze Familie sprachlos. Es sollten noch sechs weitere in dieser schönen Landschaft folgen, bei denen er mit drei Stunden und 25 Minuten seine beste Zeit lief. Bis 2009 war er dabei, um anschließend auf den Spreewald-Halbmarathon umzusteigen. Dort nahm er ebenfalls fünfmal teil und belegte jeweils den ersten Platz.

Aber auch Marathons in Dresden, München, Mallorca, Mainz, Berlin, Frankreich, Hamburg und zuletzt beim Halbmarathon im Schlaubetal sind vor Siegfried Primke nicht sicher. 2010 belegte er bei der Europameisterschaft der Senioren in Ungarn den dritten Platz. "Es macht mir einfach Spaß, und oftmals haben wir meine Läufe mit einem Urlaub verbunden", erzählt er. Mit "wir" meint er seine Frau, die ihn nicht nur an den Wegstrecken stets anfeuert und betreut, sondern auch Buch über seine sportlichen Erfolge führt. Seine Urkunden füllen inzwischen ganze Ordner. Die Interessantesten zieren den Flur in der Wohnung.

Mittlerweile ist der Gubener Ausnahmeläufer öfter auf dem Treppchen für den ältesten Teilnehmer bei Wettbewerben zu finden. Und trotz seines Alters läuft er so manchem jungen Läufer heute noch davon. Vielleicht auch deshalb waren die Cottbuser Parkläufer Ü-50 am Samstag auch stolz, Siegfried Primke in ihrem Team zu haben. Gemeinsam mit drei anderen Männern und einer Frau, die zusammen 302 Jahre alt sind, bewältigten sie abwechselnd die einhundert Kilometer. Der Wettkampfmodus besagt: 14 Staffelwechsel nach Teilstrecken müssen sein, sie dürfen zwischen 2,8 und 14,1 Kilometer lang sein. Jeder Läufer muss mindestens zweimal eingesetzt werden. Die Cottbuser Parkläufer Ü-50 mit dem Gubener Siegfried Primke sind alle dreimal auf der Strecke gewesen und haben glücklich das Ziel erreicht.