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Reformation
500 Jahre Reformation in Guben

Zum Reformationsjubiläum gab es jede Menge Mitmachaktionen in der Kirche Des Guten Hirten in Guben.
Zum Reformationsjubiläum gab es jede Menge Mitmachaktionen in der Kirche Des Guten Hirten in Guben. FOTO: Paul Richter / LR
Guben. Wie das Jahrhundertereignis in der Neißestadt begangen wurde und wird. Von Angelika Sajak

Der Ökumenische Stadtkonvent hatte gestern anlässlich des Jubiläums 500 Jahre Reformation in die Kirche Des Guten Hirten zu einem gemeinsamen Gottesdienst der Christen aller christlichen Gemeinden in Guben eingeladen, bei dem die Lutherrose als Luthers Wappen thematisiert wurde. Anschließend hatten die Organisatoren ein buntes Programm für Jung und Alt unter dem Stichwort „Reformation erleben“ vorbereitet. Wer einmal mit Murmeln spielen, wie zu Luthers Zeiten, oder den Kreisel treiben wollte, für den gab es an einer der zwölf Erlebnisstationen die Gelegenheit. Ebenso fürs „Thesen klopfen“ oder das „Luther-Quiz“, aber auch für eine Kirchenführung. Jeder Winkel der Kirche wurde ausgenutzt, um die unterschiedlichsten Aktionen anbieten zu können. Im Keller beispielsweise konnten Gipsbilder und Buttons gebastelt und mit nach Hause genommen werden. Auf dem Innenhof der Kirche war ein kleines Labyrinth aufgebaut. Nach dem Singen von Lutherliedern in der Kirche wurde gemeinsam Mittag gegessen. Im Anschluss lief der deutsch-amerikanische Spielfilm „Luther“ von 2003. Als Höhepunkt des Tages läuteten genau um 15.17 Uhr in der ganzen Region die Glocken, auch in Guben. Deutschlandweit spielten Posaunenchöre an öffentlichen Plätzen den Lutherchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Wie in Guben auf das Reformationsjubiläum aber auch diesen Tag hingearbeitet wurde, erläutert Pastor Michael Voigt: „Seit zehn Jahren leben die evangelischen Kirchen in unserem Land mit der Lutherdekade auf diesen Tag hin. 2017 wurde sogar als Lutherjahr ausgerufen und es gab etliche Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums. Vom Ökumenischen Stadtkonvent und dem Rotary-Club Guben wurden sieben Vorträge vorbereitet, die die Auswirkungen der Reformation auf unsere Zeit und unser Denken in verschiedene Richtungen ausleuchteten.“

Doch was hat das mit heute zu tun? „Auch wir müssten heute vieles neu denken und sagen. Zum Beispiel, dass Gott und die Kirche nicht alt, verstaubt und von gestern sind, sondern menschliches Leben füllt und entlastet, gerade auch in schweren Abschnitten und angesichts des Todes. Im Leben eines Menschen ändert sich ebenso alles, wenn er wieder spüren kann, dass er geliebt und wertvoll ist, einfach so, jenseits aller Leistungen - egal ob gestresster Beamter, Arbeitsloser oder Kranker. Bei der Veranstaltung zum Reformationsgedenken ‚Reformation und Soziales’ Ende September stand dies beispielsweise im Mittelpunkt“, so der Pfarrer.

Dankbar waren er und alle Organisatoren am Dienstag auch über den großen Zulauf, die vielen Besucher am Reformationstag und über die Spende von Sigrid und Manfred Hoeber. Das Ehepaar hatte in ihrem Privatbesitz eine Medaille, die sie  als Mitglieder des Kulturbundes der DDR verliehen bekamen. Diese Medaille, die der Grafiker Oliver Weiss gestaltete, wurde 1983 anlässlich des 500. Geburtstages von Martin Luther geprägt.

Mit in die Vorbereitungen und Durchführung eingebunden war auch Pfarrer im Ruhestand Mathias Berndt. Er genoss diesen Tag und das Fest sehr, war er doch in den vergangenen zehn Jahren stets mit als Hauptakteur bei der Protestaktion an jedem Reformationstag in Atterwasch zu finden. Dieser lange Kampf von vielen Unterstützern und Akteuren gegen die Braunkohle und damit gegen die Abbaggerung der Dörfer Grabko, Atterwasch und Kerkwitz hat sich ausgezahlt, denn der Tagebau Jänschwalde/Nord wurde unter anderem auch wegen des beharrlichen Kampfes hier in der Region gestoppt. „Das ist eben auch Reformation und zwar eine richtig positive“, so Mathias Berndt.