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| 01:26 Uhr

26 000 Rebstöcke am Wolkenberg im Tagebau Welzow-Süd gepflanzt

Auf den Weinhang am Wolkenberg ein Gläschen Ortega, Brandenburger Landwein trocken. Sprembergs Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/l.) stößt mit seinen Amtskollegen Birgit Zuchold (SPD/2. v. l.) aus Welzow und Harald Altekrüger (CDU/M.) aus Drebkau und Vattenfall-Vorstandsmitglied Dr. Hartmuth Zeiß (r.) an. Foto: Vattenfall/Rauhut
Auf den Weinhang am Wolkenberg ein Gläschen Ortega, Brandenburger Landwein trocken. Sprembergs Bürgermeister Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU/l.) stößt mit seinen Amtskollegen Birgit Zuchold (SPD/2. v. l.) aus Welzow und Harald Altekrüger (CDU/M.) aus Drebkau und Vattenfall-Vorstandsmitglied Dr. Hartmuth Zeiß (r.) an. Foto: Vattenfall/Rauhut FOTO: Vattenfall/Rauhut
Welzow. Ein Weindetektiv auf den Spuren historischer Reben und der Klimawandel sorgen dafür, dass Spremberg (Spree-Neiße-Kreis) zum Brandenburgtag im Jahr 2014 auf der „Lausitzer Weinstraße“ einige edle Tropfen vom „Weinhang am Wolkenberg“ auftafeln kann. Stadtoberhaupt Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU) hat dafür am gestrigen Montag im Sanierungstagebau Welzow-Süd schon einmal kühn den Auftrag ausgelöst. Von Kathleen Weser

„Die Voraussetzungen sind gut“, sagt Reinhard Antes, ein erfahrener Winzer aus dem hessischen Heppenheim. Seine Reb-Schule hat die beiden roten und fünf weißen Weinsorten geliefert, die derzeit in Regie des Bergbauunternehmens Vattenfall im bereits rekultivierten Teil des Braunkohletagebaus in die vorbereitete Erde gebracht werden. Mit sechs Hektar Fläche entsteht in der Lausitz eines der größten Weinanbau-Areale Brandenburgs – mit einer Mischung aus traditionellen und modernen sowie historischen Rebsorten. Das ist auch Antes Werk. Der Klimawandel begünstige die Rückkehr des Weinanbaus in den Norden, sagt der Experte. 26 000 Reben sind innerhalb weniger Tage gepflanzt worden. „Der Wolkenberg ist als Weinanbaugebiet in einem Tagebau einzigartig“, erklärt Reinhard Antes.

Bodenlebewesen fehlen

Das bestätigt Uwe Zeihser vom Lehrstuhl Bodenschutz und Rekultivierung der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus. Der Forster hat die Versuchsfläche auf dem kargen Tagebauland mit knapp 200 Rebstöcken seit dem Jahr 2005 betreut und wissenschaftlich begleitet. Beim Anlegen des Weinhanges am Wolkenberg sei für einen verbesserten Substrataufbau Geschiebemergel, der aus Ton, Schluff und Sand besteht, verwendet worden. In optimaler Süd-Süd-West-Ausrichtung weist der Hang eine Neigung von elf Grad auf. Leicht sei der pH-Wert im Erdreich angehoben worden – auf 7,3, wie die Reben es mögen. Und: „In die Pflanzlöcher kommt kein Kompost mehr“, erklärt Uwe Zeihser. Denn die Reben hätten auf dem Versuchsareal nur innerhalb des Loches ordentlich gewurzelt, weil sie dort sofort Nahrung fanden. Die Stöcke müssen sich das Wasser auf dem kargen Land aber aus der Tiefe holen können, um kräftige Trauben zu bilden. In dem derzeit noch relativ toten Boden des Wolkenbergs werde zwar auch noch Leben initiiert. Denn Regenwürmer, die fehlten, trügen Sorge für die Belüftung des Erdreiches. Doch die Pflanzen müssten den Naturgewalten letztlich allein trotzen können und deshalb kräftig heranwachsen.

Insgesamt kommen sieben Rebsorten zum Einsatz, „die den klimatischen Bedingungen und der Gefährdung durch Spätfrost besonders gut angepasst sind“, so Zeihser. Dazu gehören die zwei Rotweinsorten Rondo und Cabernet Dorsa sowie die vier Weißweinsorten Kernling, Grauburgunder, Weißburgunder und Roter Riesling. Letztgenannter Wein ist der Vater des Weißen Rießlings, der deutschen Weinsorte überhaupt. Die roten Beeren, aus denen weißer Traubensaft gekeltert wird, dürfen bisher nur in Hessen, Sachsen und Brandenburg angebaut werden. Rheinland-Pfalz stehe auf der Warteliste, bestätigt Reinhard Antes.

Doch auch 47 historische Sorten, darunter so klangvolle Namen wie die Traube Madeleine Royale und die Perle von Csaba, wurden auf dem Weinhang am Wolkenberg bei Welzow gepflanzt. Der Rebsortenkundler Andreas Jung aus Lustadt hat für eine Forschungsarbeit, die in diesem Jahr veröffentlicht werden soll, in der Region etwa 80 als ausgestorben geltende Rebsorten wiederentdeckt und das genetische Material gesichert.

Rebsorte kehrt zurück

Bewahrt haben auch Ursula und Manfred Stange aus Spremberg eine alte Rebsorte. „Wir haben nur wenige hundert Meter von hier in Wolkenberg gewohnt, bis der Tagebau kam“, erzählt der Senior. Einige Rebstöcke der Sorte Roter Gutedel hatte das Paar beim Umzug in den neuen Garten nach Spremberg mitgenommen. „Das ist nun auch schon wieder 20 Jahre her“, erzählt der Ur-Wolkenberger. Jetzt sollen etwa hundert neue Setzlinge der alten Reben für den am gestrigen Montag frisch als „Wolkenberg“ getauften Weinhang veredelt werden. „Darauf freuen wir uns“, sagt Manfred Stange, der gemeinsam mit seiner Ehefrau den Spaten angesetzt und am Weinhang eigenhändig einige Rebstöcke gepflanzt hat.

Und auch der Spremberger Bürgermeister als Gastgeber des Brandenburgtages 2014 baut auf den guten Tropfen aus der Heimatrebe, den er der Potsdamer Landesregierung praktisch schon versprochen hat. „Der Kabinettsbeschluss zur Ausrichtung des Brandenburgtages steht noch aus“, sagt Klaus-Peter Schulze. Aber am Wein vom Wolkenberg kämen die Potsdamer Politspitzen nicht vorbei, zeigt er sich sicher. Der feine, trockene Wein von der Versuchsfläche sei schon die beste Empfehlung für das Landes-Volksfest. Davon können noch ein paar Flaschen entkorkt werden. In drei Jahren soll die erste volle Ernte eingefahren werden.