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Veranstaltung
„Ich fühle mich wohl in Guben“

Stadtwächter Andreas Peter (rechts) im Gespräch mit Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer.
Stadtwächter Andreas Peter (rechts) im Gespräch mit Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer. FOTO: Ute Richter / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Udo Beyer gab im zehnten Stadtwächterstündchen mit Andreas Peter einen Einblick in sein Leben.

Zum bereits zehnten Stadtwächterstündchen hatte Stadtwächter Andreas Peter am Samstag den ehemaligen Kugelstoßweltmeister  und Olympiasieger Udo Beyer eingeladen. Und weil dazu mehr Gäste erwartet wurden, als das kleine Stadtwächterstübchen in der Frankfurter Straße fassen kann, wurde die Veranstaltung diesmal im Oldtimer-Museum bei Hoffmann-Möbel durchgeführt. Diese Entscheidung sollte sich als richtig erweisen, denn viele Gubener ließen sich den Abend nicht entgehen.

Die Figur des Stadtwächters hatte Andreas Peter einst erfunden. Unter anderem sei es auch eine Referenz an den Gubener Nachtwächter gewesen, erzählt er. Das erste Stadtwächterstübchen öffnete im Herbst 2009 seine Pforten, damals noch in der Alten Poststraße 67. Andreas Peter wollte eine Anlaufstelle für seine Stadtführungen schaffen und so zog er im Dezember 2010 dann in die Frankfurter Straße 12 um, um näher im Stadtzentrum zu sein. Es gibt dort jede Menge Geschichtliches vor allem über Guben und die Umgebung zu entdecken. Aber es finden dort eben auch Veranstaltungen statt und das rund durch alle Genre der Musik und der Literatur.

 Der Ursprung des Stadtwächterstündchens lag 2016 in der Einweihung der zweiten Station der „Märkischen Dichterstraße“. Natürlich hatte sich Andreas Peter damals eine positive Entwicklung dieser Reihe gewünscht. Doch am Ende hatte er immer wieder neue Ideen sowie Durchhaltevermögen und so konnten die Besucher nun schon zum zehnten Mal an einer Veranstaltung dieser Reihe teilnehmen.

 Mit Udo Beyer hat sich der Gubener Stadtwächter dabei einen kleinen Traum erfüllt. „Es ist ja ein kleines Jubiläum, dieses zehnte Stadtwächterstündchen und da wollte ich nicht nur etwas Besonderes, sondern etwas ganz Besonderes anbieten“, erzählte er. Ihm war gleich klar, dass die Veranstaltung dieses Mal einen größeren Rahmen benötigt. „Es hat sich gezeigt, dass es bei Veranstaltungen manchmal etwas eng im Stadtwächterstübchen wurde. So bin ich dankbar, dass ich in Hoffmann-Möbel-Chef Frank Pritzsche einen Partner fand, der in seinem Oldtimer-Museum auch etwas mehr Platz hat“, so Andreas Peter. Und tatsächlich waren die Neugier und das Interesse an dem einstigen Sportler Udo Beyer groß. Für ihn sei es wie ein Nach-Hause-Kommen, so der Olympiasieger im Kugelstoßen von 1976. „Ich fühle mich hier in Guben sehr wohl, wohnten doch meine Eltern einst hier“, gesteht der 1,85-Meter-Mann. Aufgewachsen ist er in Breslack Gut. „Das war das Dorf mit der größten Olympiasiegerdichte“, so Beyer schmunzelnd. Denn sowohl sein Bruder im Handball, als auch seine Schwester im Diskuswurf waren schon Olympiasieger.

 Der einstige Ausnahmeathlet erzählte ganz ungezwungen und sympathisch von seinen Anfängen, dass er eigentlich viel lieber Hammerwerfer geworden wäre. Er erzählt von seiner Zeit bei der BSG Stahl Eisenhüttenstadt und von seiner Zeit an der Sportschule in Frankfurt(Oder). Die Besucher erfuhren, dass er als Leistungssportler in der DDR in einer Scheinwelt lebte und heute froh darüber ist, dass es immer wieder Menschen gab, die ihn auf dem Boden hielten. Auch über Doping in seinen Erfolgsjahren spricht er heute ganz offen. Genau wie darüber, dass ihm sein Sportlehrer eigentlich keine sportliche Karriere zugetraut habe. Aber er ist dankbar für diese Zeit. Udo Beyer wirkt heute angekommen. Angekommen in seinem jetzigen Leben in Potsdam, wo er gemeinsam mit seiner Tochter ein Reisebüro betreibt. Auf die Frage, ob er denn nicht hätte als Trainer arbeiten können, antwortete er: „Hätte ich können, habe ich sogar versucht. Das war aber nicht mein Beruf.“

 Udo Beyer engagiert sich aktiv als offizieller Botschafter der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland für todkranke Kinder und deren Familien. Das hat einen traurigen Hintergrund, war doch 2001 seine damals elfjährige Tochter gestorben.

Und so hat das Stadtwächterstündchens mit der Talkrunde mit Udo Beyer einen würdigen Rahmen für sein kleines Jubiläum bekommen. Was auch die zahlreichen Besucher bestätigten.

Bereits am 28. Oktober gibt es das nächste Stadtwächterstündchen - dann wieder um 17 Uhr im Stadtwächterstübchen in der Frankfurter Straße 12. Als Gast wird dann der Spremberger „Nachtwächter Kulke“, alias Hagen Rittel, der vielen Gubenern bekannt ist, vor Ort sein.

(utr)