ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:44 Uhr

Forst
Zwischen Abriss und Aufwertung

Uwe Engelmann, Geschäftsführer der FWG, im Bad einer kürzlich hergerichteten Wohnung. In der knapp 20 000 Euro investiert wurden.
Uwe Engelmann, Geschäftsführer der FWG, im Bad einer kürzlich hergerichteten Wohnung. In der knapp 20 000 Euro investiert wurden. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. FWG-Geschäftsführer spricht über Schuldenabbau, Investitionen und immer ältere Mieter. Von Katrin Kunipatz

Seit Jahren werden in Forst Wohnungen abgerissen. Im Herbst verschwand ein Block an der Ring-­straße. Im nächsten Jahr folgt ein Block Am Keunschen Graben. Seit 2003 wird in Forst – finanziert über das Teilprogramm Rückbau des Stadtumbaus Ost – zurückgebaut. Insgesamt 1695 Wohnungen werden so bis 2020 verschwunden sein. Uwe Engelmann, Geschäftsführer der Forster Wohnungsbaugesellschaft (FWG), sieht kaum eine Alternative, dem Leerstand zu begegnen. „Würde es die abgerissenen Leerwohnungen noch geben, wäre die FWG schon lange pleite“, sagt er.

Seit mehr als 25 Jahren bewirtschaftet die FWG den vormals kommunalen Wohnungsbestand. 2010 übernahm sie zusätzlich die Wohnungen der insolventen Forster Wohnungsgenossenschaft (FWO). Seitdem bewege sich der Leerstand bei über 30 Prozent, so Engelmann. Problematisch sei dies aus zwei Gründen. „Es fehlen Mieteinnahmen und damit Geld für Investitionen“, erklärt der FWG-Geschäftsführer. Schwieriger seien aber die Betriebskostenverluste, vor allem wenn Mieter bis zum Schluss in für den Abriss vorgesehenen Blöcken wohnen bleiben. Die Kosten für das Vorhalten der Systeme für Heizung und Warmwasser seien höher, wenn nur weniger Menschen die Anlage nutzen. „Unser Ziel ist es deshalb, die Menschen zum Umziehen zu bewegen“, sagt Engelmann. Annähernd komplett vermietete Blöcke seien für FWG und Mieter günstiger.

Den Stadtverordneten legte er kürzlich die finanzielle Situation der FWG dar. Die Betriebskostenverluste belaufen sich seit 2011 auf rund 3,76 Millionen Euro. Der Leerstand von über 30 Prozent schmälerte in den zurückliegenden sechs Jahren den Erlös um 17,8 Millionen Euro. Gleich geblieben sind trotz sinkender Einnahmen die Raten für die verschiedenen Darlehen. Uwe Engelmann berichtet, dass nach dem Zukauf der Forster Wohnungsgenossenschaft 2010 insgesamt 55,8 Millionen Euro Schulden in den Büchern der FWG standen. Bis zum Jahresende 2017 wurden davon 15,9 Millionen Euro getilgt. Damit verbleiben für die FWG noch rund 39,9 Millionen Euro Schulden.

Sorgen bereiten dem FWG-Geschäftsführer die Altersstruktur der Mieter. 2017 ist nur jede 40. Wohnung an einen Menschen vermietet, der jünger als 25 Jahre ist. Dafür sind über die Hälfte der Mieter über 65 Jahre alt. Wenn sie ins Pflegeheim ziehen oder versterben, komme meist kein neuer Mieter nach, so Engelmann. Außerdem sind die früher begehrten Wohnungen nicht mehr begehrt. Schon jetzt wohnen 65 Prozent der Forster in Ein- oder Zweifamilienhäusern.

Eine Möglichkeit, Mieter zu halten oder neu zu gewinnen, sind attraktive Wohnungen. „Deshalb hat die FWG hat in den Jahren 2016 und 2017 investiert. Für rund 580 000 Euro wurden 31 Wohnungen hochwertig hergerichtet“, sagt Uwe Engelmann. Nur eine ist jetzt noch frei und durch die führt der Geschäftsführer.

In der Küche und im Bad geben helle große Fliesen den Ton an. Wanne, Waschbecken und Toilette sind neu. Eine Leiste aus Mosaiksteinen lockert auf. Schwellen gibt es keine mehr, dafür einen Aufzug. Um die Ausgaben wieder einzuspielen, seien die Mieten höher als in anderen Objekten. „Wir haben uns an Mietpreise zwischen 5,50 und sechs Euro pro Quadratmeter herangearbeitet“, sagt Engelmann. „Zwischen vier und sieben Jahren dauert es, bis über die Kaltmiete die Investition wieder reinkommt.“

In den nächsten Jahren sollen weitere Wohnungen auf diese hochwertigere Weise hergerichtet werden. Für den gesamten Bestand sei dies nicht vorgesehen „Die FWG muss auch für Mieter mit einem schmalen Geldbeutel Wohnungen für 3,70  Euro pro Quadratmeter Kaltmiete anbieten“, sagt Engelmann. Größere Maßnahmen sollen nur in den Objekten Cottbuser Straße 94, Lindenplatz 13 und Spremberger Straße 18 umgesetzt werden. Nötig ist dafür Eigenkapital. Eine Möglichkeit, dies zu erhalten, ist der Verkauf von Wohnungen und ganzen Gebäuden, für die die FWG keine Entwicklungsmöglichkeiten sieht, so Engelmann. Bei der Auktion im Sommer sind alle Objekte verkauft worden. Die Erlöse stehen jedoch nicht ausschließlich für Investitionen bereit. Die FWG bezahle davon auch Maßnahmen, die umgesetzt werden müssen, oder Straßenausbaubeiträge, so der Geschäftsführer.