Hans Dobbert, wies in seinen Einführungsworten darauf hin, dass in Forst 1945 mit dem Ende des Weltkrieges viel Material verloren gegangen sei, das für eine historische Aufarbeitung der Stadtgeschichte nützlich sei. Dobbert rief dazu auf, Zuhause nach alten Unterlagen und Fotos zu stöbern. Andererseits sollten Zeitzeugen ihre Erinnerungen aufschreiben und somit das Wissen für die späteren Generationen sichern.
Mit dem Jahrbuch 2006 sei ein zweiter Schritt gemacht worden, hin zu einer Buchreihe, die künftig die Geschichte der Stadt gut widerspiegele, sagte Dobbert. Lediglich 1956 und 1957 habe es schon einmal in Forst einen Anlauf für ein Jahrbuch gegeben. Andere Städte wie beispielsweise Guben hätten sich eine Schriftenreihe mit mittlerweile über 50 Bänden geschaffen. Ähnliches wünsche er sich für Forst, sagte Dobbert.
Das 260-seitige Jahrbuch für 2006, das ab sofort für 7,50 Euro im Textilmuseum zu haben ist, war am Dienstag gerade noch rechtzeitig zur Präsentation eingetroffen. Mehrere Autoren berichteten darüber, wie sie auf ihr Thema gekommen und das Material zusammenbekommen hatten.
Herausgekommen ist ein lesenswertes Kompendium zur Forster Stadtgeschichte, das durchaus noch Lust auf mehr macht. „Es gibt bereits Anfragen für die nächste Ausgabe“ , sagt Hans Dobbert, der sich vorerst keine Sorgen über den Fortbestand macht und sich sicher ist, eine langjährige Buchreihe auf den Weg gebracht zu haben.
Genauso wie der erste Band hat auch der zweite eine Auflage von 800 Exemplaren. „Das ist sehr knapp kalkuliert“ , sagt der Chef des Museumsvereins, der als Herausgeber des Buches fungiert. 650 Exemplare müssen verkauft werden, um die Auslagen wieder rein zu bekommen. Diese Kalkulation sei nur möglich gewesen, weil sämtliche der 17 Autoren ihre Beiträge ohne Honorar erstellt hätten.
Das Buch widmet sich sehr grundsätzlichen Aspekten der Stadthistorie, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass es sich erst um den zweiten Band handelt. Dadurch wird ein sehr komprimiertes Wissen über Forst angeboten und dürfte Leser über ein Spezialinteresse hinaus finden. Andererseits sind die Jahre 2005 und 2006 mit zahlreichen Jubiläen gespickt - zu nennen sind hierbei 60 Jahre Kriegsende sowie 100 Jahre Radrennbahn und Elektrizität in der Rosenstadt.
Ein Beitrag von Katharina Owaczarek und Hans Dobbert widmet sich den Veränderungen bei den Einwohnern sowie den zugehörigen Ortsteilen in den vergangenen 190 Jahren. Ein sehr grundsätzlicher Beitrag ist auch von Frank Katzula enthalten, der sich dem Bestattungswesen in Forst widmet.
Eine Sammlerleidenschaft beweist dagegen Hagen Pusch, der von der Inflation Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts berichtet. Ein mit 40 Milliarden Reichsmark frankierter Briefumschlag, der in Forst aufgegeben wurde, ist genauso abgebildet wie zahlreiche in Forst gedruckte Geldscheine. Der Vierfarbdruck des gesamten Jahrbuches kommt hier sehr schön zum Tragen.
Der Umschlag des reich bebilderten Buches ist ein Gemälde des Forster Künstlers Erwin Kurtze, über den Ingrid Ebert einen Beitrag für das Jahrbuch verfasst hat.
Das Buch besticht durchaus durch die vielen mit Akribie zusammengetragenen Texte und Bilder. Einige von ihnen halten durchaus wissenschaftlichen Maßstäben stand. So berichtet Jürgen Scholz über den Ausländereinsatz in den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 und belegt dies an zahlreichen Quellen. Auch andere Autoren weisen gesondert daraufhin, wo sie ihre Informationen herbekommen haben. „Dies ist durchaus unser Anspruch“ , sagte Dobbert. (brs)