ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:39 Uhr

Aktion
Mit gezückter Nadel  Bilder stechen

Tätowierer David Liebner (40) aus Dresden sticht der 53-jährigen Forsterin Susanne Currie ihr bereits zweites Tattoo – eine Herzschlaglinie.
Tätowierer David Liebner (40) aus Dresden sticht der 53-jährigen Forsterin Susanne Currie ihr bereits zweites Tattoo – eine Herzschlaglinie. FOTO: Anja Guhlan
Forst. Zweite Tattoo-Messe „Family Tattoo“ im Forster Manitu lockt zahlreiche Besucher an. Von Anja Guhlan

Ein elektrisches Surren erfüllte am Samstag die Räume des Manitus in Forst – und das Geräusch kam nicht von den Motoren der Autos, sondern von den Maschinen der Aussteller der bereits zweiten Tattoo-Messe. Tattookünstler aus Berlin, Cottbus und Dresden zeigten ihr Können an der Nadel. „Solch eine Messe ist sowohl für die Künstler für den Austausch gut, als auch für die Besucher zum Kennenlernen. Oder sie können sich gleich vor Ort ein Tattoo stechen lassen“, erklärt Organisator Frank Pfitzmann. Durch die unterschiedlichen Studios sind auf solch einer Messe immer verschiedene Stilrichtungen vertreten. Doch die vielen klassischen schwarz-grauen Tattoos sind der Renner auf der Messe.

So lässt sich die Forsterin Susanne Currie an diesem Vormittag ihr zweites Tattoo stechen. Schon zur ersten Forster Tattoo-Messe hat sie sich für ein erstes Hautbild überreden lassen. „Heute soll es eine Herzschlaglinie mit den Initialen meiner Kinder und Enkel werden. Alle meine Tattoos haben eine Bedeutung“, meint die 53-Jährige. Wahrscheinlich wird es ihr letztes Tattoo sein. Tochter Michelle Currie würde sich am liebsten auch stechen lassen. „Ich stille jedoch noch und da ist das nicht gewünscht. Leider“, sagt die 23-Jährige. Sie meint, dass noch sehr viele Stellen an ihrem Körper frei für Tattoos wären. Aber an diesem Tag schaut sie lediglich bei der Mama zu.

Etwas gespannt wartet Susanne Currie auf den ersten Stich, den Tätowierer David Liebner vom Dresdner Tattoo-Studio „Butterfly“ gleich an ihrem linken Unterarm ansetzen wird. „Der erste Stich ist noch nicht mal das Schlimmste. Am meisten schmerzen wird das Wischen, wegen dem Hautkontakt“, meint Liebner, der auch mehrere Hautbilder auf seinem Körper trägt. Er tätowiert seit ungefähr 17 Jahren. Am liebsten wendet er den Polka-Trash-Style an. Charakteristisch für diesen Stil sind Kombinationen aus natur- und fotorealistischen Motiven, verbunden mit grafischen Elementen. Diese Tattoos sind oftmals in Schwarz-Grau und Rot gehalten. „Doch zur Zeit gehen auch Mandalas, Schriftzüge, Aquarelle und Dotwork-Tattoos richtig gut. Bei letzterer Technik werden nur Punkte verwendet, die zusammen Formen und Linien bilden und auch zum Ausfüllen verwendet werden“, meint der selbstständige Tätowierer. Diese Technik macht es möglich, komplizierte Bilder detailgetreu darzustellen. Aquarelle hingegen erinnern an ein Bild aus Wasserfarben, die Motive sehen realistischer aus.

Von beliebigen Tattoos, Namenswidmungen für den Geliebten oder schlauen Lebensweisheiten raten die meisten Tätowierer ab. David Liebner tätowiert auch ungern etwas Politisches. Jeder Kunde wird vor dem Stechen ausgiebig beraten. „Das gehört zu einem professionellen Tätowierer dazu – genauso wie Hygiene, Handwerk, Kunstverständnis und Zuverlässigkeit“, sagt der 40-Jährige. Tatsächlich ist der Tätowierer kein Ausbildungsberuf oder geschützt. Jeder kann ein Studio aufmachen und sich als Tätowierer bezeichnen. In Deutschland gibt es laut dem ersten Tätowierer-Verband namens „DOT“ ungefähr 7500 Tattoostudios, Tendenz steigend. Aber etwa nur 20 Prozent davon seien wirklich professionell.

Einige Meter weiter erhebt sich eine Besucherin strahlend von einem Stuhl: „Ich habe mir heute endlich eine Pusteblume auf meinen rechten Oberarm stechen lassen und freue mich, dass es heute geklappt hat“, meint Melanie D. aus Forst. Sie hat bereits zwei Tattoos. Und lässt sich stets vom gleichen Studio stechen. „Die Gelegenheit, dass auch das Frontal-Studio aus Cottbus auf der Messe ist, wollte ich mir nicht entgehen lassen“, so die 28-Jährige. Aufregung oder Angst hat sie nicht verspürt. „Das tut nicht so weh, klar pikst es. Aber das ist auszuhalten. Am Ende zählt das Ergebnis“, sagt sie überzeugt. „Frauen sind irgendwie schmerzunempfindlicher“, meint der  selbstständige Tätowierer Maik Weiß. Der 37-Jährige sticht bereits seit 25 Jahren. „Ich bediene zu 80 Prozent Frauen. Die Männer verlangen nach meiner Erfahrung eher eine Pause als Frauen“, meint Weiß, der überhaupt nicht gerne Mandalas sticht. Auch sind zum Glück einige damalige Trends wie Arschgeweih und Tribal nicht mehr präsent. Maik Weiß hat sich eher auf die klassischen schwarz -grau Tattoos spezialisiert. Die Pusteblume auf Melanies Haut erstrahlt auch in Schwarz-Grau. „Ich bin richtig zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt sie mit glücklichem Blick auf ihr frisches Tattoo.

Tätowierer David Liebner (40) aus Dresden sticht der 53-jährigen Forsterin Susanne Currie ihr bereits zweites Tattoo – eine Herzschlaglinie.
Tätowierer David Liebner (40) aus Dresden sticht der 53-jährigen Forsterin Susanne Currie ihr bereits zweites Tattoo – eine Herzschlaglinie. FOTO: Anja Guhlan