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| 14:28 Uhr

Geschichte der Region
Zweisprachige Mittelalterfeste

Bei der Vertragsunterzeichnung im Schloss Kozuchow: der Bürgermeister von Kozuchow Pawel Jagasek, Aimo Bartel (alias Johann von Bieberstein), die Direktorin des polnischen Kulturzentrums Urszula Stochel-Matuschak und der stellvertretende Landrat von Spree-Neiße Hermann Kostrewa (vorn v.l.).
Bei der Vertragsunterzeichnung im Schloss Kozuchow: der Bürgermeister von Kozuchow Pawel Jagasek, Aimo Bartel (alias Johann von Bieberstein), die Direktorin des polnischen Kulturzentrums Urszula Stochel-Matuschak und der stellvertretende Landrat von Spree-Neiße Hermann Kostrewa (vorn v.l.). FOTO: Jörg Friebe, www.Lausitz-Bild.d / Jörg Friebe
Forst. Kurz vorm Start gibt es zwei große Veranstaltungen in Forst und dem polnischen Kozuchow. Von Steffi Ludwig

Die im Januar besiegelte Kooperation zwischen dem Forster Projekt „Monumentum Historica“ und dem polnischen Kulturzentrum Kozuchow wird immer mehr mit Leben gefüllt. Die zwei größten Veranstaltungen beider Vereinigungen stehen kurz vor dem Start. Am Wochenende vom 25. bis 27. Mai finden in Kozuchow die inzwischen 22. Ritterspiele statt.

Und am 9. und 10. Juni wird das inzwischen fünfte Johannes Gaudium in Forst veranstaltet. Bei beiden wird es einen großen länderübergreifenden Austausch geben, wie Aimo Bartel, Vater des Gedankens in Forst, berichtet.

So werde ein großer Tross von etwa 80 deutschen Vertretern zu den Ritterspielen nach Kozuchow reisen – in eine der ältesten Städte Polens,  rund 80 Kilometer östlich von Forst in der Wojewodschaft Lebus. „Das komplette Biebersteiner Lager wird dabei sein, aber auch Vertreter des Thüringer Ritterordens und unseres neuen Partners, der Berliner Rittergilde“, so Aimo Bartel. Ein historisches Kinderkarussell, eine Schweinebräterei, einen Schmied und verschiedene Handwerker werden die Forster zu dem großen Fest in Kozuchow mitbringen, bei dem die ganze Stadt auf den Beinen sei.  Auch das Ritterturnier am Samstag werden beide Städte zusammen bestreiten. Ein gemeinsames Wappen wurde entwickelt.

Zwei Wochen später besucht dann ein großer Tross aus Polen das Forster Mittelalterspektakel Johannes Gaudium am „Manitu“. Unter anderem eine Feuershow, einen Mittelalterzirkus und zwei Reitergruppen werden die polnischen Partner beisteuern. Auch Vertreter aus Politik und Kultur Polens seien eingeladen. Viele Überraschungen sind beim Johannes Gaudium geplant, unter anderem soll ein Überfall auf die alte Feste nachgestellt werden.

Erste Kontakte zwischen den Mittelalterbegeisterten beider Länder hatte es im Jahr 2015 gegeben, als die Forster erstmals die Ritterspiele in Kozuchow besuchten. Im Kulturverein Manitu hatte sich damals eine rund zehnköpfige Interessengemeinschaft „Letzte Vasallen derer von Bieberstein“ gegründet, die das Johannes Gaudium veranstaltete. Weitere wechselseitige Besuche folgten.

Inzwischen haben die Forster ihre Projekte unter dem Namen „Monumentum Historica – Geschichte der Niederlausitz“ zusammengefasst. Und inzwischen werden die Projekte  im Rahmen des Geschichtstourismus über das deutsch-polnische Kooperationsprojekt „Euregionet“ gefördert. Seit April 2017 bilden die Forster und Kozuchower Mittelalteraktivitäten ein Kulturprojekt der Euroregion „Spree-Neiße-Bober“.

Denn viele weitere Aktivitäten sind hinzugekommen: So fand vor Kurzem in Forst erstmals der Heerbann statt – Seminare für Mittelalterfreunde beispielsweise im Schwertkampf, Bogenschießen oder Bogenbauen. Eine zweite Auflage für den 21. bis 23. September ist laut Aimo Bartel bereits geplant, natürlich mit polnischer Beteiligung und mehr Mitwirkenden.

Nahezu ein Selbstläufer seien inzwischen die Gewandungstreffen, die seit eineinhalb Jahren jeden letzten Freitag im Monat in Forst im Wappensaal auf dem Kegeldamm stattfinden. Rund 30 bis 40 Teilnehmer aus der Region, aber auch aus Cottbus, dem Spreewald oder Weißwasser sind regelmäßig dabei.

Im Aufbau sei jetzt auch ein tänzerischer Austausch im Rahmen der grenzüberschreitenden Partnerschaft. Der historische Tanzkreis unter Führung der Gruppe Rondo Lusatia solle erweitert werden. Ein erster Workshop habe vor Kurzem in Kozuchow stattgefunden, ein weiterer folge im Herbst in Forst.

Ebenfalls in Arbeit ist ein weiteres Projekt, das die Berliner Rittergilde angeschoben hat. So soll eine alte Salzstraße, die von der ukrainischen Grenze über Kozuchow, Brody und Forst bis zur Ostsee führt, wiederbelebt werden. Das Fernsehen werde bei verschiedenen Zeremonien dabei sei.