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| 01:30 Uhr

Zweig-Praxis als Lösung für Forst im Gespräch

Peter Vatter, Urologe in Spremberg. Foto: ani
Peter Vatter, Urologe in Spremberg. Foto: ani FOTO: ani
Forst. Die künftige ambulante urologische Versorgung von Patienten in Forst wird voraussichtlich durch die gemeinsame Zweigstelle von zwei niedergelassenen Urologen aus Guben und Spremberg gesichert. Ein entsprechender Antrag liegt nach Angaben des Sprechers der Kassenärztlichen Vereinbarung (KV), Ralf Herre, vor. In den vergangenen Wochen hatte der Verlust der ambulanten Ermächtigung für den Forster Chefarzt Dr. Torsten Schüler im Hintergrund für Dissonanzen gesorgt. Von Jürgen Scholz

Bisher hatte Dr. Torsten Schüler, Chefarzt der Urologie im Forster Krankenhaus, eine Ermächtigung, auch ambulant Patienten zu behandeln. Diese läuft nun aus, da die bisher offene dritte Urologen-Stelle für den Landkreis Spree-Neiße besetzt wurde.

Der aus Forst stammende und in Spremberg wohnende Urologe Peter Vatter hat sich als Mieter im „Haus der Gesundheit“ niedergelassen. Die Villa am Spremberger Krankenhaus soll, ähnlich wie das Medizinische Versorgungszentrum am Krankenhaus Forst, als eine Art Poliklinik entwickelt werden.

Durch den Verlust der ambulanten Ermächtigung nach Spremberg gab es aber Befürchtungen, dass auch Einweisungen von Patienten künftig am Krankenhaus Forst vorbeigehen könnten. Denn das Spremberger Krankenhaus ist zusammen mit dem Carl-Thiem-Klinikum Cottbus im „Prosper“-Verbund mit der Knappschaft und der DAK. Wenn auch Vatter, dessen Frau am Spremberger Krankenhaus als Ärztin tätig ist, im Prosper-Sinne tätig würde, könnten Patientenströme umgelenkt werden, war offenbar die Befürchtung.

In einem Brief an Spremberger Kreistagsabgeordnete, die dem dortigen Krankenhaus aus verschiedenen Gründen nahestehen, hat Schüler offenbar versucht, entsprechenden Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig hat es nach RUNDSCHAU-Informationen einen Widerspruch gegen die Zulassung Vatters gegeben, der aber im Zulassungsausschuss abgelehnt wurde. KV-Sprecher Herre will sich dazu nicht äußern, bestätigt aber, dass die Ermächtigung für Schüler per 31. Dezember abgelaufen ist. „Sie ist seit mehreren Jahren immer um ein Jahr verlängert worden.“ Durch die Niederlassung des dritten Urologen im Kreisgebiet hätten sich die Voraussetzungen geändert (Hintergrund). Um für die Patienten einen Übergang zu ermöglichen, sei die Ermächtigung um ein Vierteljahr verlängert worden.

Es könnte aber ein ortsnahe ambulante Lösung für die Forster geben. Gleichzeitig hätten zwei Urologen den Antrag auf eine gemeinsame Zweigniederlassung gestellt, so Herre, über den in den kommenden Wochen entschieden werde. Vatter erklärte gegenüber der RUNDSCHAU, weder dem Prosper-Verbund beitreten zu wollen, auch wenn ihm das vom Spremberger Krankenhaus angetragen worden sei, noch einer der beiden Antragsteller für die Zweigniederlassung in Forst zu sein. Die beiden anderen ambulant tätigen Urologen im Kreisgebiet sind der Spremberger Dr. Wolfdietrich Rönnebeck und der Gubener Patrick Charisius.

Das Krankenhaus Forst und dessen Urologie-Chefarzt Schüler wollten sich öffentlich noch nicht zum Thema äußern. In dem Schreiben an vier Spremberger Kreistagsabgeordnete, von denen drei auch in der Gesellschafterversammlung des Krankenhauses Spremberg sitzen, soll Schüler die Zahl von 1200 bis 1500 in Forst betroffenen Patienten genannt haben. Es sei aber niemanden daran gelegen, das Forster Krankenhaus zu schwächen, so Birgit Wöllert (Die Linke), die zum Adressatenkreis des Schüler-Briefes gehört. „Wir brauchen alle drei Krankenhäuser im Kreis“, so die Landtagsabgeordnete, die – wie Schüler – auch dem Kreistag angehört.

Das Wettbewerbsgesetz treibe in diesem Fall seltsame Blüten. Bei der Ermächtigung habe es sich aber um einen Zuverdienst gehandelt. Da die Verteilung sich nach aktuellem Stand ungünstig darstelle, sollte nach einer Möglichkeit gesucht werden, wie eine ambulante urologische Versorgung flächendeckend abgesichert werden könne. „Aber das muss fair und in Zusammenarbeit geschehen.“ In dem Brief hatte Schüler nach Angaben von Birgit Wöllert um Unterstützung gebeten, dass es keine Genehmigung für Vatter geben solle.