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Forst
Zweifacher Lesegenuss am Nachmittag

Dieter Kleemann las aus seinem Buch „Im Krieg gebroen“.
Dieter Kleemann las aus seinem Buch „Im Krieg gebroen“. FOTO: Margit Jahn
Forst. Erstmalig lesen gleich zwei Autoren bei einer Veranstaltung im Pavillon „Kunst & Genuss“ in Forst.

Der Pavillon war am Mittwochnachmittag zur besten Kaffeezeit gut gefüllt. Auf Einladung von Diana Podlesch las Dieter Kleemann aus dem Buch „Im Krieg geboren“, anschließend wählte Dagobert Schwarz Kurzgeschichten aus. „An Lesungen von Autoren habe ich mich noch nicht gewagt“, sagte Diana Podlesch in ihrer Begrüßung. Ihre Ängste waren aber völlig unbegründet, denn Interessierte gab es genug.

Dieter Kleemann, 1940 in Forst geboren, ist es „ein Bedürfnis, den Forstern das Buch vorzustellen“. Er wohnte in der Charlottenstraße, gegenüber dem damaligen Feldschlösschen, und hatte sich  ein paar ehemalige Freunde, vor allem aber alte Fliegerkameraden nebst Frauen mitgebracht.

Die Lesung begann mit Episoden aus dem Krieg, die Pieter Grassmann, so der Protagonist im Buch, von Kindheit an erlebt hat. Wenn man in drei Gesellschaftsformen gelebt hat, kann man viel erzählen. Es ging so im ersten Teil des Nachmittages um deutsche Geschichte und Erlebnisse aus der Sicht eines Militärfliegers, der Dieter Kleemann, als Synonym Pieter Grassmann genannt, war.

Kleemann sagte auch zur Schreibart des Buches, das man es so lesen muss, wie es erlebt wurde. „Wer anfängt zu werten, das kommt nicht an“. Er nahm seine Zuhörer mit in den Kessel von Halbe. Der Bombenangriff wurde aus der Sicht eines Fünfjährigen erzählt, der er damals war. Bei der Schilderung der sich nähernden Flugzeuge aus der Luft, wurde dem damaligen Kind erst viel zu spät klar, dass die kleinen schwarzen Punkte die man aus der Ferne sah, lebensgefährliche Bomben waren. Eine Zuhörerin schloss bei dieser Schilderung die Augen und nickte für sich, sie konnte sich als Zeitzeugin auch noch sehr gut an diese Zeit erinnern. Kleemann sagte im Verlauf der Lesung: „Ich habe versucht, die Zeit ernsthaft, aber auch humorvoll darzustellen.“

Wie in dem Teil der Geschichte, wo Pieter mit Freundin Cecilia sich aus Angst vor den Russen in einem kleinen See das Leben nehmen wollen. Als sie aber gehend das gegenüberliegende Ufer erreicht hatten, und dort immer noch im seichten, aber eiskaltem Wasser standen, mussten sie sich eingestehen, dass das Vorhaben gescheitert war. Zum Glück, denn ansonsten hätte es die Lesung über diese eigenwillige Episode nie gegeben.

Die Liebe zur Fliegerei wurde irgendwann zum Beruf umgewandelt, aber auch darüber hatte Kleemann viel zu erzählen. Die Zeit in Russland war so erlebnisreich, dass er darüber ein ganzes Buch schreiben könnte. „Machen Sie es doch“, warf Daniela Misch an dieser Stelle ein. Man darf gespannt sein, ob Dieter Kleemann es gehört oder überhört hat.

Nach der Pause wechselte dann Dagobert Schwarz, gebürtiger Gubener, an das Lesepult, und begann mit einem Gedicht von Diana Podlesch. Er sagte anschließend dazu: „Ich habe vorher ja nicht gewusst, dass hier eine Schriftstellerkollegin ist.“

Die überraschte Diana Podlesch war derart gerührt, dass sie erstmal um Fassung ringen musste. Manchmal gibt es doch noch unerwartete Überraschungen im Leben – auch bei einer Lesung.