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Zuwachs bei Feuerflitzer, Feuerteufel & Co.

Feuerwehr auch am Arbeitsplatz: Der amtierende Kreisjugendfeuerwehrwart Robert Buder arbeitet als Sachbearbeiter Zivilschutz in der Kreisverwaltung Spree-Neiße.
Feuerwehr auch am Arbeitsplatz: Der amtierende Kreisjugendfeuerwehrwart Robert Buder arbeitet als Sachbearbeiter Zivilschutz in der Kreisverwaltung Spree-Neiße. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Die Jugendfeuerwehren im Landkreis Spree-Neiße steuern seit Jahren gegen den Trend: Während die Zahl der erwachsenen ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden im Landkreis von 3316 im Jahr 2010 auf 2992 im Jahr 2014 immer weiter gesunken ist, haben die Jugendwehren immer mehr Zulauf. Steffi Ludwig

2014 gab es 123 Mitglieder mehr als 2010 - insgesamt hat Spree-Neiße damit 770 junge Floriansjünger. Darüber freut sich der amtierende Kreisjugendfeuerwehrwart Robert Buder (28) ganz besonders. Er ist selbst einer, der sich dem Löschen, Retten und der Kameradschaft verschrieben hat: Robert Buder war zehn, als er in die Jugendfeuerwehr des Forster Ortsteils Horno eintrat. "Mein Vater war auch in der Feuerwehr - und so bin ich da quasi reingerutscht. Fußballverein gab es keinen in Horno, und der Spielmannszug war nichts für mich", schmunzelt Robert Buder. Seit Jahresbeginn ist der 28-Jährige amtierender Kreisjugendfeuerwehrwart des Landkreises Spree-Neiße, nachdem der bisherige Amtsinhaber Karlheinz Krause zum Jahresende seine Funktion niedergelegt hat. Stellvertreter Robert Buder rückte nach - und vertritt seitdem die Interessen der Kinder und Jugendlichen sowie Jugendwarte in den Feuerwehren des Landkreises.

Die Nachricht, dass die Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehren auch 2014 gestiegen ist, lässt ihn aufatmen und hoffen, dass damit vielleicht auch der Nachwuchs der regionalen Feuerwehren gesichert ist. "Wir haben jetzt 770 junge Mitglieder in insgesamt 62 Ortsjugendfeuerwehren im Landkreis", hat er aufgeschlüsselt. Davon sind 215 zwischen sechs und zehn Jahre alt - und sind damit in den jüngsten Feuerwehrgruppen, die sich im Landkreis unterschiedlich nennen: In Forst sind es die Feuerwehrwichtel, in Guben die Feuerflitzer und in Döbern die Feuerteufel. "Hier werden sie spielerisch an die Feuerwehr herangeführt", so Robert Buder. Sie bekommen nicht nur an Rauchdemohäusern erklärt, wie sich Rauch im Brandfall im Haus ausbreitet, sondern es werden auch mal nur Plätzchen in Feuerwehrauto-Form gebacken. Wie er gelesen hat, zählt Feuerwehrmann noch immer zu den beliebtesten Berufswünschen kleiner Männer.

Ab dem Alter von zehn Jahren wechseln die Wichtel, Flitzer und Teufel in die Jugendfeuerwehr und bekommen da auch die Jugendfeuerwehrbekleidung. Dort stehen dann auch Wettkampftraining und das Lernen von Feuerwehr-Dienstvorschriften samt Anwendung auf dem Plan.

Wie er sich den Mitgliederzuwachs erklärt? "Wir versuchen, uns mit den Jugendwarten bestmöglich um den Nachwuchs zu kümmern und sprechen beispielsweise auch die Zeiten unserer Treffs mit anderen Trainings wie Fußball ab, damit es keine Überschneidungen gibt", so Robert Buder. "Die Jugendfeuerwehrtätigkeit findet in der Öffentlichkeit inzwischen auch mehr Akzeptanz, es spricht sich mehr herum."

Dafür sind auch Veranstaltungen wie das Kreisjugendlager verantwortlich, bei dem sich zu Pfingsten die Jugendfeuerwehren an wechselnden Orten treffen - in diesem Jahr immerhin schon zum 18. Mal, und diesmal in Forst.

40 ehemalige Jugendfeuerwehrmitglieder sind in Spree-Neiße im vergangenen Jahr in die Einsatzabteilung der Feuerwehr übergegangen. "Leider steigt diese Zahl nicht, um den Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen zu stoppen", so Robert Buder. Wegen Ausbildung und Beruf ziehe es viele Jugendliche aus der Region weg. "Wenn sie dann nach 15 Jahren wiederkommen sollten, ist ein Wiedereinstieg in die Feuerwehr möglich", überlegt der Kreisjugendfeuerwehrwart. "Hier müssten sich die Unternehmen vor Ort und die Kommunen auch dahingehend orientieren, dass sie bevorzugt Mitarbeiter einstellen, die bei der Feuerwehr sind. Denn diese sind zudem ja besonders teamfähig und zuverlässig." Außerdem plädiert er dafür, Unternehmen, die Feuerwehrkameraden beschäftigen, bei öffentlichen Vergaben zu bevorzugen. "Zudem sollten für diese auch steuerliche Vergünstigen möglich sein."

Bei ihm hat es mit der Arbeit in der Heimat geklappt: Der 28-Jährige wurde nach der Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter in der Kreisverwaltung übernommen und arbeitet - passenderweise - als Sachbearbeiter Zivilschutz im Sachgebiet Brand- und Katastrophenschutz. Neben Arbeit und Feuerwehr hat er sich zum Diplom-Verwaltungsbetriebswirt weitergebildet und studiert momentan nebenbei Wirtschaftsrecht für Technologieunternehmen als Master an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Er will in der Region bleiben - und in der Feuerwehr sowieso.

Zum Thema:
Insgesamt wurden die freiwilligen Feuerwehren und die Einheiten des Katastrophenschutzes im Jahr 2014 zu 887 Einsätzen gerufen - darunter Gefahrenlagen für Leben und Gesundheit, Umweltgefahren, und allein 554 technische Hilfeleistungen. Bei diesen konnten 377 Menschen aus bedrohlichen Lagen befreit und gerettet werden. Für 19 Personen kam jedoch jede Hilfe zu spät - sie erlagen den Folgen ihrer Verletzungen noch an der Unglücksstelle.197-mal rückten die Feuerwehren zur Bekämpfung von Bränden aus. 19 Menschen wurden gerettet. Zwei Menschen starben in den Flammen oder erlagen einer Rauchgasvergiftung.