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Sucht
Zwei zusätzliche Suchtberater für Crystal-Meth-Abhängige

Die Forster Suchtberaterin Liza Kölling (l.) wird an einem Tag pro Woche bereits von Susan Sänger (M.) aus dem Cottbuser Tannenhof-Team unterstützt. Im November kommt mit Christin Heidrich eine zusätzliche Beraterin. Rechts Michael Leydecker, Abteilungsleiter Suchtberatung Cottbus und Spree-Neiße.
Die Forster Suchtberaterin Liza Kölling (l.) wird an einem Tag pro Woche bereits von Susan Sänger (M.) aus dem Cottbuser Tannenhof-Team unterstützt. Im November kommt mit Christin Heidrich eine zusätzliche Beraterin. Rechts Michael Leydecker, Abteilungsleiter Suchtberatung Cottbus und Spree-Neiße. FOTO: Steffi Ludwig / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Spree-Neiße. Land und Landkreis Spree-Neiße finanzieren zwei Stellen in Forst und Spremberg.

Ab 1. November starten im Landkreis Spree-Neiße zwei zusätzliche Suchtberater, die sich vor allem um die steigende Anzahl von Crystal-Meth-Abhängigen kümmern sollen. Damit werden die Suchtberatungsstellen des DRK-Kreisverbandes Niederlausitz in Spremberg und Tannenhof in Forst um je eine Stelle aufgestockt. Darüber informierte Ines Lober, Fachbereichsleiterin Soziales im Landkreis, am Dienstagabend im Sozialausschuss des Landkreises.

Möglich gemacht habe dies eine zusätzliche Förderung des Landes Brandenburg: Von den insgesamt 100 000 Euro, die das Land für 2017/2018 für Südbrandenburg ausreichte, hat der Landkreis Spree-Neiße 50 000 Euro bekommen. „Somit können wir die Beratungsstellen, in denen bisher meist nur eine Beraterin war, aufstocken, sodass auch eine Vertretung und zusätzliche Angebote möglich sind“, so Ines Lober. Gerade für Abhängige der synthetischen Droge Crystal Meth, die auch in der Region immer mehr werden, sollen beispielsweise Spätsprechstunden oder Terminerinnerungen über Whatsapp eingerichtet werden, da die Süchtigen kein richtiges Zeitgefühl mehr haben.

Das Geld reiche jedoch nicht, um die zwei Stellen für die anvisierten 15 Monate zu finanzieren, so Ines Lober. Deshalb werde der Landkreis 74 000 Euro für 2018 zusätzlich bereitstellen, so Sozialdezernent Hermann Kostrewa. Auch die bisherigen drei Suchtberater finanziert der Landkreis seit Jahren jeweils mit 49 000 Euro, das Land schieße insgesamt 43 000 Euro hinzu.

Im Jahr 2016 haben laut Ines Lober 679 Abhängige die Beratungsstellen in Forst, Spremberg und Guben genutzt. Hauptdroge bleibe weiterhin der Alkohol, obwohl sich dessen Anteil an den behandelten Süchten von 77 Prozent im Jahr 2006 auf 65 Prozent im Jahr 2016 leicht verringert habe. Dafür sei der Anteil beispielsweise an Crystal Meth gestiegen. Essstörungen oder Spielsucht seien im Landkreis Einzelfälle, berichtet die Fachbereichsleiterin.

Zwei Anträge zu diesem Thema vertagten die Mitglieder des Sozialausschusses in die nächste Sitzung am 21. November, bevor der Kreistag beschließt. So hatte die CDU-Fraktion beantragt, die Landesregierung zu beauftragen, ein Landesprogramm gegen Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität zu erarbeiten. Wie der sachkundige Einwohner Helmut Ließ jedoch mitteilte, gebe es bereits ein Landesprogramm zur Drogenprävention. Christina Schönherr (Freie Wähler SPN) schlug deshalb vor, den Antrag dahingehend zu präzisieren, dass das Landesprogramm verändert werde. Denn beispielsweise die zusätzlichen 50 000 Euro für den Landkreis seien ein Tropfen auf den heißen Stein und müssten zudem auch verstetigt werden.

Der Antrag der Linken-Fraktion fordert eine umfassende Beschäftigung des Kreistages mit der Problematik des Konsums illegaler Drogen. Ein Teil der Forderungen, wie der Fakt, Unterstützungsmöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene zu nutzen, werde bereits realisiert, sagte Hermann Kostrewa. Er wolle jedoch das Staatliche Schulamt befragen, ob alle Möglichkeiten der Prävention an den Schulen ausgeschöpft werden. Wichtig sei in jedem Falle, über das Thema zu sprechen und immer wieder zu hinterfragen, ob auch der Landkreis alles in seiner Macht stehende unternimmt, waren sich die Abgeordneten einig.

(slu)