Von Sven Hering

Kaputte Spielgeräte, ohrenbetäubender Lärm im zum Sportbereich umfunktionierten Flur, ein ständig defekter Fahrstuhl. Die Mängelliste in der Kita „Talitha kumi“, die Volker Puder am Montagabend präsentierte, war lang. Der Forster, dessen Enkel demnächst das Kita-Alter erreicht, nutzte die vom SPD-Ortsverein organisierte Veranstaltung, um seinem Ärger Luft zu machen. Er sparte dabei auch nicht an Kritik in Richtung der Veranstalter. „Mir kommen Jugend und Kinder bei der kommunalpolitischen Arbeit zu kurz“, sagte er. Von den politischen Entscheidungsträgern in der Stadt erwarte er deutlich mehr Einsatz. Nicht nur in Wahlkampfzeiten.

Auch in der Folge hielten sich Kita-Leiterinnen oder Erzieherinnen mit Kritik nicht zurück. „Wir wollen Anregungen für unsere zukünftige Arbeit aufnehmen“, hatte Hermann Kostrewa, Chef des SPD-Ortsvereins zuvor erklärt.

Elf Kindereinrichtungen gibt es in Forst, informierte Kostrewa. Die gut 1100 Plätze sicherten den Bedarf ab, wenngleich nicht jedes Kind auch seinen Platz an der Wunscheinrichtung bekomme. Das bestätigte Sarah Zimpel, SPD-Stadtverordnete, in dieser Funktion auch Chefin des Ausschusses für Kultur, Bildung und Soziales – und selbst Mutter. Sie habe die Wartezeit, bis ein Platz an ihrer Wunschkita frei geworden sei, mithilfe einer Tagesmutter überbrückt.

Hermann Kostrewa hatte in Vorbereitung der Gesprächsrunde einige Kindereinrichtungen in Forst besucht. „Es wird überall eine sehr gute und engagierte pädagogische Arbeit geleistet, wenn auch die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind“, fasste er seine Erkenntnisse zusammen.

Doch mitunter stößt selbst die noch so engagierte Arbeit an Grenzen. Angela Wisniewski, Leiterin der Evangelischen Integrationskita „Talitha kumi“, schilderte schonungslos offen die Probleme an ihrer Einrichtung. Die Außenanlagen müssten erneuert, auch das Gebäude selbst saniert werden. Der Zustand der Küche sei schon zweimal von der Hygiene beanstandet worden. Ein mit der Stadt abgestimmtes Gesamtkonzept für die Sanierung liegt ihren Angaben zufolge auch schon vor. „Die Situation unseres Hauses ist bekannt, nur wirklich passiert ist bislang nichts“, ärgerte sie sich.

Zumindest eine verbindliche Vereinbarung konnte die Kita-Leiterin an dem Abend mit nach Hause nehmen. Die Stadtverordneten, so sicherten es SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Stenzel und Sarah Zimpel zu, wollen schon bald eine Ausschusssitzung in der Kita abhalten und sich vor Ort über die Probleme informieren.

Rosi Maaß, langjährige Chefin der Kita Kinderland, schilderte weitere Defizite. „Unser größtes Problem ist der unzureichende Personalschlüssel“, erklärte sie. Eine Regelung der Politik mahnte sie auch zum Thema Essensversorgung an. So gebe es an ihrer Einrichtung immer wieder Eltern, die das Essengeld für ihre Kinder nicht bezahlten. Als Konsequenz würden sie dann ihre Kinder sogar komplett aus der Einrichtung nehmen. „Das kann nicht sein“, sagte sie.

Gefordert wurde von den Erzieherinnen zudem, dass der eigene Beruf attraktiver werde, damit sich mehr junge Leute dafür entschieden. Eine Schnellbesohlung von Quereinsteigern sei keine Alternative. Hermann Kostrewa griff das Thema auf: „Die Stadt muss sich Gedanken darüber machen, die Zahlen für die Kita-Entwicklung sind bekannt“, forderte er.

Am Ende der Veranstaltung wurde deutlich: Trotz mitunter sehr schwieriger Rahmenbedingungen schaffen es die Forster Kindertagesstätten, ein gutes Angebot für die jüngsten Einwohner der Stadt zu unterbreiten. Angela Wisniewski verriet ihr Erfolgsgeheimnis: „Wir sind einfach ein unheimlich gutes Team.“