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| 09:33 Uhr

Zu schlau oder einfach zu wenig?

Spree-Neiße. Bereits im vergangenen Jagdjahr waren mit 170 Waschbären im Landkreis Spree-Neiße deutlich mehr geschossen worden als zuvor – vor zehn Jahren waren es gerade einmal zehn gewesen. Und im jüngsten Jagdjahr 2015/2016 – das jeweils von April bis März gerechnet wird – waren es sogar schon 219 Waschbären. Steffi Ludwig

"Die Tiere, die als sogenannte Neozoen gar nicht hier in die Gegend gehören, machen sich zügig breit", sagt Henrik Schuhr, Leiter der Unteren Naturschutz-, Fischerei- und Jagdbehörde des Landkreises Spree-Neiße. Teilweise sei der Mensch selber Schuld daran, unter anderem mit regelmäßig weggeworfenen Küchenabfällen.

In anderen Teilen Deutschlands gebe es bereits eine richtige Plage, das sei in Spree-Neiße noch nicht ganz so schlimm, so Schuhr. Dennoch wurden auch hier unter anderem tote Katzen gefunden. "Denn der Waschbär ist ein Raubtier und wehrhafter als eine Katze", weiß der Behördenleiter. Die Höhe der Bestände im Landkreis Spree-Neiße kenne man nicht, ein Anstieg lasse sich aber aus der Zahl der geschossenen Tiere schließen.

Die höchste Jagdstrecke, also die meisten erlegten Waschbären, wurden im Peitzer Teichgebiet verzeichnet. "Hier fühlt sich der Allesfresser wohl, weil es viele Gelege gibt", so Henrik Schuhr. Somit bedrohe der Waschbär dort auch die Bestände geschützter Wasservögel - er nehme Gelege aus den Nestern und fresse Fisch aus den Teichen. "Die dortigen Jäger betreiben demzufolge mit dem Abschuss Naturschutz, da sie die Gelege der Wasservögel schützen." Aus dem Teichgebiet rund um Forst sei der Waschbär als Plage nicht so bekannt, so Schuhr.

Deutlich gesunken ist in den vergangenen zehn Jahren dagegen die Fuchsstrecke. Wurden 2005/2006 noch 1934 Füchse in Spree-Neiße erlegt, waren es 2015/2016 nur 1126. "Hier wissen wir nicht genau, woran es liegt, ob der Fuchs gerade eine gewisse Entwicklung durchmacht", so der Behördenleiter. Ob es einen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und Abschusszahlen gebe, sei unklar.

Auch beim Rehwild wurde in den vergangenen Jahren deutlich weniger erlegt. Waren es 2005/2006 noch reichlich 4000, verzeichnet die Statistik 2015/2016 nur 2862 Stück. "Das kann einmal daran liegen, dass das Reh empfindlich ist, wenn es härtere Winter gibt", so Henrik Schuhr. "Wir vermuten jedoch auch den sich ausbreitenden Wolf als Ursache, da dessen Hauptnahrung Rehe sind." Zudem würden sich die Rehe durch den Wolf anders verhalten, was auch die Jäger zu spüren bekämen. Da sich die Rehe besser versteckten, müsse der Jäger länger suchen. Zudem trete das Reh wegen des Wolfes eher abends aus dem Wald, was den Abschuss erschwere. Die Verluste beim Reh könnten aber auch aus dem Zuschlagen von Fuchs oder Seeadler bei den Rehkitzen herrühren, so Henrik Schuhr.

Jagdbezirke und Jäger in Spree-Neiße
In Spree-Neiße gibt es inzwischen 197 Jagdbezirke. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren durch eigentumsrechtliche Angelegenheiten oder Gemeindezusammenlegungen immer mehr gestiegen, so Henrik Schuhr von der Unteren Naturschutz-, Fischerei- und Jagdbehörde des Landkreises. Dass die Jagdbezirke somit kleiner werden, sei ungünstig beispielsweise für das Schalenwild (Rehe, Hirsche, WIldschweine), das großflächiger bewirtschaftet werden müsste.

Derzeit haben 810 Jäger im Landkreis einen gültigen Jagdschein. Die Zahl sei leicht steigend, es gebe zunehmend jüngere Leute, die sich für die Jagd interessieren.

Die Zahl der Wildunfälle in Spree-Neiße ist im Jagdjahr 2015/2016 auf 1478 gestiegen. Im Jahr davor waren es noch 1409 Wildunfälle.