ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Zu Martini knusprig auf den Tisch

Drieschnitz.. Am Martinstag, dem 11. November, beginnt die Zeit des Gänsebratens. André Kurtas

Dabei müssen die direkt vermarktenden Landwirte wie Dietmar Glatzer in Drieschnitz in diesem Jahr auf einen Werbeeffekt verzichten: Die Gänse haben wegen der Gefahr der Vogelgrippe ihre Weiden verlassen müssen und hüten nun den Stall. „Das sind in diesem Jahr 150 Gänse, die wir seit Mai auch als Weihnachtsgänse groß ziehen“ , erklärt Glatzer. Für alle seine Tiere gelte: „Sie können wieder mit höchstem Genuss verspeist werden“ , so Dietmar Glatzer.
Ob Dieter Glatzer die Martinsgans-Legende kennt? Natürlich! Ein ungarischer Offizier des römischen Kaisers soll in einem kalten Winter des vierten Jahrhunderts auf einen jämmerlich frierenden Bettler gestoßen sein. Der Ehrenmann nahm sein Schwert, teilte seinen Mantel und gab dem armen Schlucker die Hälfte, damit er sich wärmen konnte. Der Soldat ließ sich später taufen und wurde zum Bischof von Tours.
Der Volksmund erzählt auch, dass der Martin, der dem Tag am Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres seinen Namen gab, versucht hatte, sich vor der Wahl zum Bischof zu drücken. Aus Bescheidenheit, da er sich des Amtes für unwürdig hielt, versteckte er sich in einem Gänsestall. Doch das Geschnatter der Gänse verriet ihn. Eine andere Überlieferung besagt, dass die Gänse einmal mit ihrem lauten Schnattern eine Predigt des heiligen Martin gestört haben. Wohl deshalb finden sie sich fortan zu Martini als knusprige Braten wieder.
Den Tiere wird übrigens seit alters her auch besondere Heilkraft zugeschrieben wird. Ihr Fett soll gegen Gicht helfen und ihr Blut gegen Fieber. Als Wundermittel gegen Epilepsie gilt eine Feder vom linken Flügel. Nach der Überlieferung muss sie verbrannt, mit Wein vermengt und anschließend getrunken werden. Wenn zwei versuchen, den v-förmigen Brustknochen der Gans zu zerbrechen, so geht demjenigen ein Wunsch in Erfüllung, der das größere Stück in den Händen hält. (ak)