Zwischen 3500 und 4000 Gänse sowie etwa 75 Schwäne haben es sich auf den Feldern nahe der Neiße zwischen Sacro, Briesnig und Mulknitz bequem gemacht. Und nicht nur das: Was der Dauerfrost noch von der Wintersaat übrig gelassen hat, das fraßen die Gänse. „Die fressen sich bis an die Ackerkrumme ran“ , klagt Rattei. Und der Boden ist momentan 80 bis 90 Zentimeter tief gefroren. Ob die Wintersaat die schneefreie Frostzeit überstanden hat, ist noch nicht sicher: „Wir kriegen die Pflanzen ja noch nicht einmal aus dem gefrorenen Boden, um zu sehen, was von den Wurzeln übrig geblieben ist.“ An anderen Stellen staute sich das Schmelzwasser.
Schön für die Gänse und Schwäne, schlecht für die Landwirte: Die Saat ist teilweise verfault. Ob es eine Neusaat geben wird oder nicht, das entscheidet neben dem Wetter auch die wirtschaftliche Überlegung. Manchmal sei es eben sinnvoller, Einbußen bei Menge oder Qualität zu riskieren, bevor man in neues Saatgut investiere, meint Rattei, der die Ausfälle bei Wintergerste auf bis zu 40 Prozent schätzt, dabei aber einräumt, unwissenschaftlich vorzugehen, weil man die Wurzeln ja nicht untersuchen könne.
Das schlimmste sei der Kahlfrost gewesen. Kein Schnee schützte den Boden, der dauerhaften und lange Minusgraden ausgesetzt war. Einen Winter, der so lange so kalt war, habe es etwa seit 1963/1964 nicht mehr gegeben, schätzt Rattei. Meist habe man zwischendurch die Sommersaat bestellen können. Doch selbst das war in diesem Jahr noch nicht möglich. Bis Ende März bleibt noch Zeit.
Dass die Landwirte angesichts dieser ungünstigen Umstände den Rest ihrer Wintersaat nicht unbedingt mit den Gänsen teilen wollen, scheint verständlich. Dazu kommt Ratteis Einschätzung: „Wir gehen davon aus, dass sich der Gänsebestand erhöht hat.“ Hier mehr Gänse, woanders mehr Rotwild oder Schwarzkittel, aber auch mehr Greifvögel und andere Räuber. Das zeige sich bei den Versammlungen der Jagdgenossenschaften wie bei den Zahlen der Landwirte. Rattei sieht als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Spree-Neiße deshalb auch auch die Untere Jagdbehörde beim Landkreis gefordert, mit der er noch einen Termin ausmachen will.
Alternativen gegen die Invasion der grauen Gäste haben die Forster Landwirte kaum. Genutzt werden Ablenkungsmanöver, indem beispielsweise Nachbarflächen mit Mais und anderen Lockmitteln die Gänse von der Wintersaat ablenken sollen. Oder es bleiben Landwirten und Jägern nur noch Knalleffekte wie Vergrämungsschüsse. Doch die haben mittlerweile eine andere unerwünschte Nebenwirkung: Sie schreckten Einwohner des Sacroer Nachbarortes Janiszowice auf, wie die Tageszeitung 20 cent unter Berufung auf die Gazeta Lubuska berichtete.
Auf der anderen Neißeseite hätten besorgte Polen schon die Vermutung geäußert, dass die Deutschen ihre Schwäne wegen der Vogelpest über den Fluss scheuchen wollten. Doch das hielt selbst der polnische Kreisveterinär für abwegig.