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| 16:39 Uhr

Gefälschte Klamotten und mehr
Was der Zoll in Forst (Lausitz) so alles findet

 Andreas Metzler, Leiter des Zollamtes in Forst, betrachtet ein Paket, das zur Kontrolle ansteht. Sind da wirklich Original-Markenschuhe drin?
Andreas Metzler, Leiter des Zollamtes in Forst, betrachtet ein Paket, das zur Kontrolle ansteht. Sind da wirklich Original-Markenschuhe drin? FOTO: LR / Bodo Baumert
Forst. Lausitzer müssen damit rechnen, für Pakete aus dem Ausland zum Zollamt Forst fahren zu müssen. Ein scheinbares Schnäppchen kann dann schnell zum teuren Ärgernis werden. Bei den Kontrolleuren landen aber auch einige kuriose Dinge. Von Bodo Baumert

Ein unscheinbarer Zweckbau unweit der Autobahn A 15 in Forst. Links geht es zur ortsansässigen Spedition, rechts zum Zollamt. Wer hier hin will, ist entweder im Import/Export tätig – oder er hat eine Schreiben in der Post gehabt.

„Sehr geehrter Postkunde, wir konnten eine an Sie gerichtete Postsendung, mit Herkunft außerhalb der EU, nicht beim Deutschen Zoll zur Verzollung anmelden. Ihre Sendung wurde daher bei folgendem Zollamt für Sie hinterlegt.“ Lausitzer, die ein solches Schreiben bekommen, müssen nach Forst, Finsterwalde oder Görlitz fahren

In Forst treffen sie auf Andreas Metzler und seine Kollegen. Hinter einem Schalterfenster warten die Beamten in zivil und klären zunächst einmal den Fall. Gründe dafür, dass ein Paket aus dem Nicht-EU-Ausland hier im Zollamt und nicht beim Empfänger gelandet ist, kann es viele geben.

 Zollamt Forst: Pakete die zur Kontrolle beim Zoll gelandet sind. Ob da wirklich ein Fahrrad drin ist?
Zollamt Forst: Pakete die zur Kontrolle beim Zoll gelandet sind. Ob da wirklich ein Fahrrad drin ist? FOTO: LR / Bodo Baumert

Handelt es sich beispielsweise um eine Warensendung, an der die Inhaltserklärung und Rechnung fehlt? Dann lässt sich der Fall meist schnell klären – vorausgesetzt der Empfänger hat die auf dem Schreiben des Zolls aufgeführten Hinweise beachtet und einen Zahlungsbeleg oder ähnliches vorzuweisen.

Auspacken im Zollamt Forst unter Aufsicht

Es sind aber nicht nur fehlende Informationen, die zu einem Besuch beim Zollamt führen. Die Beamten müssen nämlich noch auf einiges mehr achten – beispielsweise auf den Markenschutz. Zahlreiche Unternehmen haben beim Zoll einen entsprechenden Schutz vor Produktpiraterie angemeldet. Der Zoll muss deshalb einschreiten, wenn gefälschte Markenturnschuhe oder ähnliches in einer Postsendung auftauchen.

 2016 wurde im Plastinarium in Guben ein Walherz plastiniert. Die Forster Zollbeamten müssen über Ein- und Ausfuhr wachen.
2016 wurde im Plastinarium in Guben ein Walherz plastiniert. Die Forster Zollbeamten müssen über Ein- und Ausfuhr wachen. FOTO: Halpick

Das zu erkennen, erscheint auf den ersten Blick unmöglich. Denn die Zollbeamten dürfen die Pakete nicht öffnen. „Das muss der Empfänger in unserem Beisein selbst tun“, erklärt der Leiter den Zollamtes, Andreas Metzler. Die Beamten gehen dazu mit dem Empfänger in einen separaten Raum, wo dieser das Paket in Augenschein nehmen und entscheiden kann, ob er es öffnet.

Öffnet er es nicht, kann das Paket zurück an den Absender gehen. Der Empfänger bekommt dann seine Ware zwar nicht, ihm entstehen aber auch keine zusätzlichen Kosten, etwa für den Zoll und Steuerabgaben.

Ist das Paket einmal offen, geht das nicht mehr. Dann bleiben nur noch zwei Wege: Entweder der Fall lässt sich klären, notfalls durch Zahlung der fehlenden Steuern und Abgaben, oder die Ware wird eingezogen und vernichtet.

Bei Fälschungen entscheidet nicht der Zoll

„Wenn es sich um ein gefälschtes Produkt handelt, entscheiden das nicht wir sondern der Marken-Inhaber“, erklärt Andreas Metzler. Ein aktuelles Beispiel war eine junge Mutter, die kurz vor Weihnachten mit einem Paket bei ihm im Zollamt stand. Zwei Paar Turnschuhe hatte sie für ihre Töchter im Ausland bestellt – zu einem so günstigen Preis, dass die Zollbeamten natürlich stutzig wurden. Die Schuhe stellten sich dann tatsächlich als gefälscht heraus.

 Sieht aus wie ein Paar Kult-Turnschuhe, ist aber eine billige Fälschung.
Sieht aus wie ein Paar Kult-Turnschuhe, ist aber eine billige Fälschung. FOTO: Bodo Baumert

„Wenn der Preis deutlich unter dem liegt, was man hierzulande für ein Markenprodukt bezahlt, sollte das schon ein klarer Hinweis sein, auch für den Käufer“, sagt Andreas Metzler. Im schlimmsten Fall kann der Markeninhaber den Empfänger eines solches Pakets sogar auf Schadensersatz verklagen.

„Das ist dann eine zivilrechtliche Sache. Damit haben wir als Zoll nichts zu tun“, erklärt Andreas Metzler.

Zusatzzölle der USA auch im Zollamt Forst

Doch auch beim Zoll kann eine Warenlieferung aus dem Ausland schnell teuer werden. Derzeit sind die USA beispielsweise ein heikler Fall. Im Handelskrieg zwischen Europa und Amerika hat die EU auf eine Reihe amerikanischer Produkte Zusatzzölle erhoben. In Forst ist kürzlich ein solcher Fall eingetreten. Ein Lausitzer hatte Textilien aus den USA bestellt, die unter den Zusatz fielen.

 Das Zollamt Forst
Das Zollamt Forst FOTO: LR / Bodo Baumert

Der Warenwert lag nach der Umrechnung von Dollar in Euro bei 135 Euro – und damit knapp unter der Grenze, ab der neben der Einfuhrsteuer auch Zollgebühren anfallen. Die liegt bei 150 Euro – wohlgemerkt inklusive Transport-, Verpackungs- und sonstiger Kosten.

Alles, was im Paketwert darüber liegt, muss verzollt werden. „Das wäre dann richtig teuer für den Empfänger geworden“, so Metzler. 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, zehn Prozent Zoll und noch einmal 25 Prozent Zusatzzoll – da wird aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein teures Vergnügen.

Auch Whiskey- und Motorradfreunde sollten deshalb genau hinschauen, wenn sie sich etwa für ihre Harley Ersatzteile aus den USA bestellen. „Nicht jedes Teil fällt unter die Zusatzabgaben – das muss von Fall zu Fall geprüft werden“, erläutert der Leiter des Zollamtes.

Im Zollamt Forst sind vollständige Angaben wichtig

Beraten darf er die Bürger nicht, aber Hinweise geben. Wer im Nicht-EU-Ausland bestellt, sollte neben dem Preis auch auf Siegel achten, und auf eine vollständige Dokumentation bestehen. Denn ohne die kann der Zoll Waren nicht ins Land lassen.

 Die nächsten Pakete warten im Zollamt Forst schon auf die Kontrolle.
Die nächsten Pakete warten im Zollamt Forst schon auf die Kontrolle. FOTO: LR / Bodo Baumert

Wenn beispielsweise Funkfrequenzen bei technischen Geräten nicht angegeben sind, kann das Produkt in Deutschland nicht eingeführt werden.

Metzler bringt das Beispiel einer nagelneuen Drohne, die beim Zoll ankam. „Technisch war die hochwertig verarbeitet“, erläutert der Zollbeamte. Nur in welcher Frequenz sie sendete, war nicht angegeben. Der Empfänger hatte das Nachsehen.

Kleinkariert? Nein. „Die Frequenzbereiche sind bestimmten Funktionen zugeordnet“, erläutert Andreas Metzler. Wenn Haushaltsgeräte plötzlich in anderen Frequenzbereichen senden, kann das zu großen Problemen führen. Metzler verweist auf den Flughafen in Berlin, der vor Jahren einmal Funkaussetzer im Tower hatte. Mit Funkpeilung wurde aufwändig nach der Quelle der Störungen gesucht. Als man sie schließlich fand, war es eine Fernbedienung für einen Videorekorder aus Fernost.

Manche Fälschungen von Markenprodukten können aber viel banaler und trotzdem gefährlich sein. So wie die Billig-Handys, die man im Internet erwerben kann. „Äußerlich sehen die genau so aus wie das Original“, sagt Metzler. Nur der Akku ist dann Schrott, wird schnell heiß und kann Gefahren bis zum Wohnungsbrand auslösen.

Woran erkennt der Zoll Fälschungen?

Woran erkennt der Zoll solche Fälschungen? „Wir haben unsere Methoden. Anzeichen gibt es viele“, bleibt der Leiter des Zollamtes geheimnisvoll, nimmt dann aber doch eine aktuelle Lieferung aus dem Regal.

„Da sind vermutlich Turnschuhe drin“, sagt er. Was sich durch die dünne Verpackung auch leicht erahnen lässt. Markenhersteller würden ihre Schuhe allerdings nur im Originalkarton verschicken. Der Verdacht des Zolls ist geweckt. Der Empfänger wird in den kommenden Tagen in Forst vorbeikommen müssen.

Was gibt es noch für kuriose Sendungen, die den Zollbeamten im Gedächtnis bleiben? „Fische“, sagt Andreas Metzler und erinnert sich an eine Sendung aus Asien. Die Tiere waren zum Glück schon tot und verarbeitet. Nach einer Prüfung durch die zuständigen Behörden konnte der Zoll grünes Licht geben und der Empfänger seine Ware mitnehmen. Denn auch Lebens- und Futtermittel unterliegen strengen Richtlinien bei der Einfuhr.

„Ein aktuelles Thema ist auch der Pflanzenschutz.“ Aus Angst vor Schädlingen aus bestimmten Regionen der Welt gelten in Deutschland gewisse Einfuhrbeschränkungen. „So einen Fall hatten wir in Forst aber noch nicht“, sagt Andreas Metzler.

Anders sieht es bei Medikamenten und Aufbaupräparaten aus. Auch hier dürfen gefälschte oder nicht klar deklarierte Produkte nicht eingeführt werden. Im Zweifel müssen Gutachter klären, welche Inhaltsstoffe ein Präparat hat.

Vom Zollamt Forst ins Museum

Und dann ist da ja auch der Schutz wertvoller Kulturgüter. Ein Lausitzer, der historische Münzen aus dem Mittelmeerraum bestellt hat, landete damit im vergangenen Jahr beim Zoll in Forst. „Die waren nicht größer als ein Fingernagel“, erinnert sich Andreas Metzler. Aber sie waren alt und historisch.

Der Verkäufer hatte dem Empfänger zwar versichert, über die nötigen Ausfuhrerlaubnisse zu verfügen. Das war aber erstens gelogen. Und zweitens hätte es auch nicht gereicht.

„Der Empfänger braucht auch eine Einfuhrgenehmigung“, erläutert Metzler. Die lag nicht vor. Die zuständige Bundesbehörde musste klären, was mit den Münzen wird. „Wahrscheinlich wandern sie jetzt ins Museum“, vermutet Metzler.

Zollamt Forst: 3500 Warensendungen im Jahr

Rund 3500 Warensendungen sind es, die im Jahr durch die Räume des Zolls in Forst gehen. In 80 Prozent der Fälle geht die Ware nach der Klärung an den Empfänger.

Manchmal schütteln aber auch die Beamten nur noch mit dem Kopf. So wie bei dem Lausitzer, der ein Paar Krokodilleder-Stiefel aus dem Ausland geordet hatte. Die fallen unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Das wurde 1973 beschlossen, um bedrohte und gefährdete Tiere zu schützen. Auch Salben aus Tigerknochen oder vermeintliche Potenzmittel aus Nashorn-Horn sind solche Fälle.

Langweilig wird es beim Zoll in Forst deshalb nie. Denn neben den Paketen müssen die neun Mitarbeiter am Standort auch Speditionen und deren Ladungen abfertigen, Brennereien kontrollieren und Unternehmen bei der Ein- und Ausfuhr. Da ist dann auch mal ein Walherz dabei.