| 02:36 Uhr

Zilles Stubentheater in den Kuckuck verlegt

Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin Zilles Stuben-Theater und entführte die Kuckuck-Gäste ins Milljöh Zilles.
Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin Zilles Stuben-Theater und entführte die Kuckuck-Gäste ins Milljöh Zilles. FOTO: Thoralf Hass/tfs1
Groß Jamno. Ein spezielles Programmangebot präsentierte die Kleinkunstbühne im "Kuckuck" am Sonntag: Wo sonst Kabarett, Comedy und Magie dominieren, gab es diesmal einen bunten Mix Alt-Berliner Melodien, "ollen Jeschichten" und Amüsantem aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts. Albrecht Hoffmann betreibt in Berlin "Zilles Stuben-Theater". Thoralf Haß / tfs1

Auf Empfehlung des Publikums engagierte Birgit Hendrischke den Zille-Darsteller für eine vergnügliche Zeitreise ins Berliner "Milljöh". Und während die Gäste bei Kaffee und Kuchen genüsslich lauschten, gab Vater Zille einige Anekdoten aus seiner Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Besten. So schwärmte er von seiner Gattin Hulda und amüsierte sich gleichzeitig über seine Nachbarin Mieze, "die mit dem Doppel-Ar...". Vom Leben in den Hinterhöfen erzählte Zille und dass "U-Bahn-Fahren wie Kabarett" sei. Sein Nachbar von Gegenüber sei gerade "zur Kur in Bad Plötzensee, was soviel bedeutet, als dass er im Knast einsitzt."

Selbst aktuelle Bezüge zur heutigen Zeit wurden hergestellt. So stellte Zille fest, "dass der Prenzlauer Berg inzwischen wieder eine SBZ ist. Nur steht diesmal SBZ für Schwäbisch Besetzte Zone!" Auch über Facebook machte sich der Zille-Darsteller lustig: "Heute ham' wa Internet, früher hatt'n wa Fensterbrett!" Doch es wurde nicht nur geplaudert und der eine oder andere schlüpfrige Witz erzählt, sondern auch gesungen. Bei Gassenhauern wie "In Rixdorf ist Musike", "Untern Linden" oder "Im Grunewald ist Holzauktion" dauerte es nur wenige Takte, bis das Publikum im "Kuckuck" eifrig mit einstimmte.

Lehrreich wurde es, als Pinselheinrich Zille einige Gegenstände aus seinem großen Koffer kramte. So kam die "Küchenharfe" zum Vorschein; ein Eierschneider. Auch eine uralte originale Wärmflasche "für vorne und für hinten" gehörte zum Inventar seines Koffers. Zu jedem gezeigten Gegenstand oder Bild erfuhren die Besucher Wissenswertes, so auch, dass die "Berliner Weiße" eigentlich aus Hamburg stammt, die Berliner nur cleverer waren und sich die Rezeptur als erste schützen ließen.

Albrecht Hoffmann erinnerte in seiner Rolle als Heinrich Zille auch an bekannte Zeitgenossen wie die Sängerin Claire Waldoff, den Erfinder Willy Abel, den Arzt Ferdinand Sauerbruch oder den Maler Max Liebermann. Und selbstverständlich durfte Otto Reuter nicht fehlen.

"Das ist die Berliner Luft" schallte es durch den "Kuckuck", bevor es "eine Hingabe statt einer Zugabe" gab. Hier philosophierte Zille über Gott und die Frauen. Zwar erschuf der liebe Gott das weibliche Wesen, aber keine Partnerin für sich selbst. Er wusste wohl schon, wer dann das Regiment führen würde. Ein Wink mit dem Zaunfall - oder warum formte Zille plötzlich die berühmte Merkel-Raute...