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| 01:33 Uhr

Ziegelei behielt ihre Bedeutung bis in die 60er-Jahre

Die Fassade der alten Ziegelei wurde saniert. Innen soll ein Museum und Besucherzentrum entstehen, für das die Finanzierung aber noch nicht gesichert ist. Fotos: Angela Hanschke
Die Fassade der alten Ziegelei wurde saniert. Innen soll ein Museum und Besucherzentrum entstehen, für das die Finanzierung aber noch nicht gesichert ist. Fotos: Angela Hanschke
Klein Kölzig. Die alte Ziegeleibahn will ein im Oktober gegründeter Verein wieder fahren lassen. Die alte Ziegelei soll in den kommenden Jahren zu einem von drei Besucherzentren im Geopark Muskauer Faltenbogen ausgebaut werden. ah

Die alte Ziegeleibahn will ein im Oktober gegründeter Verein wieder fahren lassen. Die alte Ziegelei soll in den kommenden Jahren zu einem von drei Besucherzentren im Geopark Muskauer Faltenbogen ausgebaut werden. Dort soll auch auf die Geschichte des Industriestandorts verwiesen werden.

Erste Ziegelbrennöfen gab es in Klein Kölzig bereits ab 1840. Im Jahre 1870 errichtete der Unternehmer Carl Nowsch neben der Brikettfabrik im Ort eine Dampfziegelei. Zwischen 1892 und 1894 ließ dort die Aktiengesellschaft „Großer Kurfürst“ Berlin ein neues Ziegeleigebäude erbauen, dessen Herzstück ein Ringbrandofen mit 18 Brennkammern war. Der zur Ziegelproduktion benötigte Ton wurde in unmittelbarer Nähe gefördert. Bis zu 5000 gelbe Ziegel – kenntlich an ihrem „Markenzeichen“, einem schrägen dunklen Strich – wurden täglich produziert.

Das Ziegeleigebäude überstand beide Weltkriege. Doch besonders nach 1945 war die inzwischen verstaatlichte alte Ziegelei für den Wiederaufbau beziehungsweise den Neubau von Wohnhäusern und Industrieanlagen nicht nur für Klein Kölzig sondern für die gesamte Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Im Jahre 1961 wurde die Produktion eingestellt, ein Jahr später jedoch noch einmal aufgenommen, um die benötigten Ziegel für das Klein Kölziger Feuerwehrgerätehaus zu brennen. Dann war der Ofen endgültig aus.

Ab 1968 wurde das Ziegeleigebäude als Getreidespeicher für die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Gahry genutzt. Auch diese Funktion verlor das imposante Gebäude mit dem charakteristischen Fachwerk nach der Wende und stand bis zum Jahre 2000 leer.

Im gleichen Jahr wurde auch das Genehmigungsverfahren zur Rekonstruktion eingeleitet und Machbarkeitsstudien mit möglichen Träger- und Betreiberszenarien entwickelt. Erste Sicherungsmaßnahmen des verfallenden Gebäudes, des gesamten Grundstücks sowie eine Entkernung der Ziegelei begannen im Oktober des Jahres 2004. Auch das Fachwerk bedurfte einer Sanierung und teilweisen Erneuerung.

Während auf der Nord- und Südseite die alte Bausubstanz fast vollständig erhalten werden konnte, wurden die West- und Ostfassade fast vollständig erneuert. Das betraf die tragenden Teile, jedoch ebenso die Fenster, Türen und das Dach. Alle im Laufe der Zeit hinzugefügten Anbauten wie ein Schleppdach, Garagen und der Holzaufzug wurden entfernt. Instand gesetzt wurde damals auch der deformierte und teilweise zerstörte Fußboden im und um den Ringbrandofen im Erdgeschoss. Insgesamt flossen rund 720 000 Euro in die Maßnahme.

Im Juni 2006 wurden die Arbeiten abgeschlossen und ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. Das Konzept für das Besucherzentrum im Muskauer Faltenbogen sieht im Außenbereich auch einen räumlichen Bezug zu den einstigen Tongruben vor, die zum heutigen Reiz der Landschaft beitragen. Eingebunden werden sollen auch die letzten Zeugnisse der einstigen Ziegeleibahn, dessen teilweiser Rekonstruktion sich die Mitglieder des am 23. Oktober gegründeten Ziegeleibahn-Vereins verschrieben haben. ah