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| 17:55 Uhr

"Zeit in Taiwan war wundervoll”

Judith Zuber (3.v.r.) in Taiwan – im Rahmen ihrer Arbeit informierte sie die Fischer über die Regeln am Hafen und über die Angebote des Centers.
Judith Zuber (3.v.r.) in Taiwan – im Rahmen ihrer Arbeit informierte sie die Fischer über die Regeln am Hafen und über die Angebote des Centers. FOTO: privat
Forst. Genau 16 Tage sind es noch, bis Judith Zuber (19) aus Taiwan in die Heimat zurückkehrt. Seit September 2016 arbeitete die Forsterin als Freiwillige des Berliner Missionswerks bei der Seemannsmission in Taiwan, hat in ihrem Blog fliptothetrip.

wordpress.com über ihre Erlebnisse berichtet. Wir stellten ihr per E-Mail einige Fragen.

Wie ist Ihre Gefühlslage so kurz vor der Rückkehr aus Taiwan, überwiegt die Freude auf zu Hause oder die Wehmut, fahren zu müssen?
Judith Zuber Beides trifft zu. Ich freue mich wirklich sehr auf meine Rückkehr, vor allem, weil ich dann endlich meine Familie und meine Freunde wiedersehen werde. Aber ich bin auch sehr wehmütig, das alles hier hinter mir lassen zu müssen. Ich habe auch hier viele Freunde gefunden und das ganze Land einfach sehr lieb gewonnen.

Wie haben Sie die Zeit erlebt?
Zuber Meine Zeit in Taiwan war wundervoll. Ich habe so viel gelernt, unter anderem über mich und über die Kultur hier. Ich bin sehr begeistert von dem Land, besonders von der landschaftlichen Vielfalt und von den sehr freundlichen und herzlichen Menschen. Ich habe aber auch viele Probleme kennengelernt, die einfachen Touristen meist verborgen bleiben. Natürlich gab es in dem Jahr Höhen und Tiefen, aber ich bin sehr dankbar für alles, was ich erleben durfte.

Wie hat es mit der sprachlichen Verständigung geklappt?
Zuber Bei meiner Arbeitsstelle und in meinem direkten Umfeld war das sehr einfach. Es gab ein paar Leute, die sehr gut Englisch gesprochen haben, und viele andere konnten es zumindest etwas. Ansonsten sprechen die Menschen im Süden Taiwans wenig Englisch. Sogar mit jungen Taiwanern war es für mich relativ schwer, in Kontakt zu kommen, weil sie sich oft nicht trauen, Englisch zu sprechen. Mein Mandarin hat sich anfangs leider nur langsam entwickelt, weshalb mir das kaum weitergeholfen hat.

Was haben Sie im Vergleich zur Heimat vermisst?
Zuber Besonders am Anfang habe ich das deutsche Essen sehr vermisst. Das Essen hier war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Außerdem habe ich den Verkehr in Deutschland vermisst, der mir viel übersichtlicher und weniger gefährlich erscheint. Auch spontane Ausflüge mit dem Fahrrad waren ohne Gefahr kaum möglich.

Und was war in Taiwan besser?
Zuber Ich empfand den Umgang der Menschen untereinander als viel freundlicher. Es ist toll, dass hier beim Einsteigen in öffentliche Verkehrsmittel Wartelinien gebildet werden. Wer zuerst kommt, darf zuerst einsteigen. Außerdem gibt es in Taiwan an fast jeder Straßenecke kleine Läden, die rund um die Uhr geöffnet sind und in denen man alles Wichtige kaufen kann.

Hatten Sie ein Erlebnis, was Sie besonders bewegt hat?
Zuber Bei der Arbeit im Seamen's & Fishermen's Service Center wollten wir zwei Schiffe besuchen, deren Besatzung uns schon von Bord freudig zugewunken hatte. Wir wollten an Bord und auch diese Männer informieren und ins Center einladen. Allerdings wurde uns das vom Besitzer der Schiffe verboten. Wir konnten nur winken und mussten gehen. Man erklärte mir, dass der Besitzer wahrscheinlich Angst hatte, dass wir die Umstände auf dem Schiff menschenunwürdig vorfinden könnten. Die Besatzung darf das Schiff nicht verlassen und mit keinem Kontakt aufnehmen. Das hat mich sehr getroffen.

Wie stark haben Sie die Verbindung in die Heimat gehalten?
Zuber Nicht so stark, wie ich es erwartet hatte. Besonders in den ersten Monaten habe ich mich wohl nur sehr selten ohne Nachfrage zu Hause gemeldet, weswegen ich manchmal ein schlechtes Gewissen hatte. Später habe ich hin und wieder eine Nachricht geschrieben, aber eher selten telefoniert.

Wie geht es in Deutschland weiter, studieren Sie wie geplant Instrumental- und Gesangspädagogik?
Zuber Ich habe mich jetzt gegen die Instrumental- und Gesangspädagogik entschieden und strebe ein Psychologiestudium an.

Die Fragen an Judith Zuber stellte Steffi Ludwig.