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Zehn-Meter-Turm als Pfund

Vertreter aus den sechs anderen Städten des Stundenschwimmens besichtigten das Freibad Forst.
Vertreter aus den sechs anderen Städten des Stundenschwimmens besichtigten das Freibad Forst. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Mit vollem Karacho segelt der Badegast von der Plattform in zehn Meter Höhe, sorgt beim Eintauchen ins Becken für eine ordentliche Wasserfontäne und schwappende Wellen. Er bietet das Anschauungsmaterial zu den Fakten, die Andreas Kaiser, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales von Forst, gerade zum "Schmuckkästchen der Stadt" gemacht hat: Entstanden 2003 mit Interreg-Fördermitteln, sei es eines der wenigen Bäder in der Region mit einem Zehn-Meter-Sprungturm. Steffi Ludwig

Nur Finsterwalde könne noch einen aufweisen, dann fallen dem dortigen Bäderleiter Torsten Marasus und dem Forster Bäderleiter Lutz Berbig bis Berlin keine mehr ein. Er sei also durchaus ein Alleinstellungsmerkmal, so Berbig, ein Pfund, mit dem Forst wuchern könne.

Es sind Vertreter aus den sechs anderen Städten, die neben Forst am Stundenschwimmen teilgenommen haben, die Andreas Kaiser und Lutz Berbig nach der Siegerehrung durchs Forster Freibad führen. Und die Finsterwalder, Calauer, Vetschauer, Luckauer, Altdöberner und Großräschener staunen nicht schlecht: Denn einerseits hatte die Rosenstadt in diesem Jahr beim Stundenschwimmen die meisten Kilometer geschafft und den bisherigen Gewinner Finsterwalde abgehängt, andererseits kann sich die 14 Jahre alte Bad-Anlage durchaus sehen lassen.

Seit 1959 habe es an dieser Stelle ein Bad gegeben, berichtet Lutz Berbig. Das erste Bad sei bis 2001 hier betrieben worden, bevor es abgerissen wurde. Im Sommer 2003 sei dann das neue Bad eröffnet worden, das mit 4,7 Millionen Euro Fördermitteln errichtet wurde.

Es sei sogar für den Europäischen Bäderpreis nominiert gewesen - doch dafür fehlte die Riesenrutsche, so Berbig. Laut dem Bäderleiter habe das Fördergeld nicht für die Rutsche gereicht, nur der Auslauf war mit eingebaut worden. Erst sieben Jahre später sei die Riesenrutsche errichtet worden, nach Auskunft des Zentralen Gebäudemanagements der Stadt finanziert über das Konjunkturpaket.

Zur Wiese hinter der Rutsche kann der Bäderleiter noch eine Anekdote erzählen: Hier seien nach dem Krieg Trümmer abgeladen worden. "Der Maulwurf bringt jetzt noch manchmal Nagelscheren oder andere Dinge hervor", schmunzelt Lutz Berbig.

Wo im nächsten Jahr die Siegerehrung des Stundenschwimmens stattfinden wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall solle es die Veranstaltung wieder in den sieben Städten geben. "Denn wir wollen die schönen Freibäder der Region in den Blick der Öffentlichkeit rücken", sagt Werner Suchner, Bürgermeister von Calau, wo das Stundenschwimmen einst begonnen hatte, bevor weitere Städte einstiegen.

Das Forster Freibad hofft nach dem warmen Mittwoch - an dem die Wassertemperatur am Mittag 23 Grad betrug - auf viele weitere heiße Sommertage am Stück, gerade jetzt in den Sommerferien. "Denn wenn der 18. Juli der erste richtig warme Tag im Monat ist, ist das schon traurig", sagt Bäderleiter Berbig. Mit dem Mai und Juni diesen Jahres sei das Freibad dagegen zufrieden gewesen. Es gebe auch viele polnische Badegäste.

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Attraktionen: Das Bad punktet neben dem Sprungturm, der Plattformen in Höhe von einem Meter sowie drei, fünf und zehn Metern hat, unter anderem mit einer Riesenrutsche, einer Breitwasserrutsche, einem Sportschwimmbecken und einem Nichtschwimmerbecken. Vier Brunnen speisen das Bad. Besucher: Im Jahr 2016 wurden im Freibad 32 000 Besucher gezählt - es galt als "normales" Jahr. Im vergleichsweise warmen Jahr 2015 kamen dagegen 46 000 Gäste.Öffnungszeiten: Das Bad hat im Juli und August täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.