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Zarte Triebe auf dem Wolfshügel

Mitarbeiter Andreas Lehmann (l.) und Weinbauer Hubert Marbach nehmen den Austrieb in Augenschein. Der Frost hat den Knospen nicht geschadet.
Mitarbeiter Andreas Lehmann (l.) und Weinbauer Hubert Marbach nehmen den Austrieb in Augenschein. Der Frost hat den Knospen nicht geschadet. FOTO: Kunipatz
Jerischke. Noch ziemlich klein ist der frische Austrieb am Jerischker Weinberg. Und doch ist Hubert Marbach zufrieden. Katrin Kunipatz

So haben die Knospen und zarten Triebe in den kühlen Nächten keinen Schaden genommen. "Aber jetzt kann es warm werden", wünscht sich der Jerischker Weinbauer.

In dem vier Hektar großen Weinberg am Südhang der während der letzten Eiszeit vor 150 000 Jahren aufgeworfenen Jerischker Endmoräne stehen die Rebstöcke in exakten Reihen dicht beieinander. 2008 und 2013 hat Hubert Marbach den Wein gepflanzt. Er hat damit einen Weinberg wiederbelebt, der bis ins 19. Jahrhundert betrieben wurde und zum Vasallengut in Jerischke gehörte. Ausgewählt hat der aus dem mittelrheinischen Bacharach Stammende dafür eher spät reifende Sorten. Riesling, Johanniter, Regent, Cabernet Cortis und der Rote Riesling haben ihre Wurzeln tief in den Brandenburger Boden geschlagen. Dank der Endmoräne handelt es sich bei dem Südhang um gut gemischten Boden, der ausreichend Minerale und Nährstoffe enthält. Zur Bodenverbesserung musste Hubert Marbach aber noch jede Menge Kalk einarbeiten. Jetzt wird jedes Jahr mit Naturdünger - hergestellt aus Grünschnitt, Pferde- und Ziegenmist - gedüngt. Für die vierjährigen Weinstöcke gab es in diesem Jahr noch eine Extraportion frischen Humus. "Ich lege großen Wert auf ökologischen Weinbau", sagt Hubert Marbach. Seine Rebsorten sind pilzwiderstandsfähig, sodass er auf Herbizide verzichten kann. Drei- bis viermal im Jahr kommt der Um-Den-Stock-Räumer zum Einsatz: Messer schneiden kurz unter der Erdoberfläche das Unkraut ab.

Als Sohn eines Winzers ist er mit den immer wiederkehrenden Arbeiten im Weinberg und der Herstellung des edlen Getränks vertraut, entschied sich aber beruflich für einen anderen Weg. Erst im Ruhestand besann er sich zurück, erwarb Land und baute darauf seinen Wein an. Die Mühen der zurückliegenden Jahre machen sich jetzt bezahlt. 2015 und 2016 konnten 18 beziehungsweise 21 Tonnen Trauben geerntet werden. Rund sieben Tage dauerte die Weinlese, bei der Hubert Marbach auf die Hilfe von Freunden und den Menschen aus Jerischke zählen konnte. Im Weinberg selbst hat er zwei Mitarbeiter, die sich das Jahr über um die Rebstöcke kümmern. Den Wein lässt er in Meißen auf dem Weingut Schloss Prosch-witz verarbeiten. "Dies geschieht getrennt von anderen Weinen und nach meinen Vorgaben", betont Hubert Marbach.

Die ersten Flaschen des jungen Weins von 2016 sind gerade abgefüllt worden und in Jerischke eingetroffen. "Dank der beiden guten Jahre kann ich nicht mehr alles selbst trinken, sondern muss mir Verbündete suchen", sagt der Senior schmunzelnd. Und aus dem Hobby im Ruhestand wird doch ein Stück weit Verpflichtung. Doch Hubert Marbach freut sich auch. Erstmals kann er den Wein zweier Jahrgänge miteinander vergleichen. Bisher war meist schon im August - noch bevor der neue Wein überhaupt gelesen war - die letzte Flasche der vergangenen Saison verkauft.

Einen Blick auf den Weinberg können Interessierte am Samstag, 10. Juni, werfen. Beim Tag des offenen Weinbergs im Rahmen der Brandenburger Landpartie findet auch das zweite Jerischker Dorffest statt.

Zum Thema:
Auf dem Etikett der Weinflaschen von Marbachs Wolfshügel hält ein Wolf auf einem Berg stehend eine große Weintraube im Maul. Seinen Namen erhielt der vier Hektar große Weinberg nach dem Hubert Marbach die Wölfe hinter dem Weinberg heulen hörte. Seit etwa zehn Jahren sind die Wölfe in den Wäldern des Muskauer Faltenbogens zurück, und etwa einmal im Monat kann Hubert Marbach, wenn er als Jäger unterwegs ist, dem Wildtier begegnen. Er weiß auch, dass Wölfe mit Trauben gern ihren Speisezettel bereichern.