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| 13:12 Uhr

Veranstaltung
Zahlreiche Überraschungen bei „Kunst und Krempel“ in Forst

Geschirr als heimatgeschichtliches Erinnerungsstück. Anna Buder hat es gerettet und den Zuschauern vorgestellt.
Geschirr als heimatgeschichtliches Erinnerungsstück. Anna Buder hat es gerettet und den Zuschauern vorgestellt. FOTO: Angela Hanschke
Forst. Händler stellen Zufallsfunde von Dachböden vor und zeigen lang gehütete Schätze. Veranstaltung verlangt nach einer Wiederholung.

Die TV-Sendung „Kunst und Krempel“ hat sich im Laufe der Jahre zur Kultsendung entwickelt. Die gleichnamige Veranstaltung des Geschichtsstammtisches am Donnerstagabend im Sperlingsstüb’l auf dem Sportplatz Eulo hat ebensolches Potential. Sie sorgte für viele Überraschungen.

Wer seine geschichtlichen Kenntnisse vertiefen wollte, konnte sich am Stand des Gubener Verlegers Andreas Peter informieren, der weiterführende Literatur vom „Niederlausitzer Verlag“ vorstellte.

Händlerkarten vergab Organisator und Moderator Frank Henschel nicht, denn die rund 70 Geschichtsinteressierten wollten sich nicht von ihren Besitztümern trennen, sondern ihre Zufallsfunde von Dachböden und Kellern oder lang innerhalb der Familie gehütete Schätze vorstellen, mehr darüber zu erfahren und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Er selbst machte den Anfang mit einem nach 1945 entstandenem mehrfarbigen Holzschnitt vom Kegeldamm – signiert vom Forster Holzschnitzer Gottfried Junghanns, der unter anderen die Krippenfiguren für die Forster Stadtkirche schuf. Als Gegenstück präsentierte er ein Glas mit echten Musketenkugeln – Krempel als Souvenir für die Besucher. Einen historischen Bierkasten aus Familienbesitz hatte der stadtbekannte Gastronom Franz Worrich mitgebracht. Ebenso einen Wanderpokal der Versorgungswirtschaft, der im Jahre 1977 seinem Vater Kurt Worrich und ein Jahrzehnt später an ihn selbst verliehen wurde.

Rund 1600 Jahre älter und erheblich gewichtiger waren einige Mitbringsel von Kristian Schmidt: Schlackstücke von germanischen Rennöfen, die er zwischen Domdorf und Groß Schacksdorf barg sowie „neuzeitliche“ – im 18. und 19. Jahrhundert gegossene - Schlacke-Steine sowie bläuliche Hochofenschlacke.

Lutz Nerlich, auf dessen Anregung der Abend stattfand, präsentierte betagte Dokumente von Forster Jugendweihen und Werbeschilder. Der Gast mit dem weitesten Anfahrtsweg war Michael Max aus Merzdorf. Er erforscht die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers aus Merzdorf, in dem zwischen 1914 und 1921 überwiegend russische Gefangene untergebracht waren. Mitgebracht hatte er ein kupfernes, mühe- und kunstvoll graviertes Kochgeschirr aus jener Zeit, welches er 100 Meter neben seinem Haus ausgrub. Neben Karlsbader Oblaten gab es einst auch solche aus Forst von Paul Gröger. Das bewiesen entsprechende Verpackungen, darunter auch eine mit Samt ausgeschlagene aus dem Besitz von Jens Mühle.

Ingrid Ebert punktete unter anderen mit einem mit Patina versehenen Türklopfer in Löwenform aus der ehemaligen Löwenapotheke in der Mühlenstraße. „Früher besaßen wir zwei davon“, informierte sie. Einer habe nach den Arbeiten eines Dachdeckers gefehlt. „Wer weiß wo die Zweite ist?“, fragte die Forsterin.

100 Jahre alt ist die Einladung zu einem Vortrag in der Rosenstadt, etwas jünger ein hölzernes 3-D-Bild von der Thumstraße und aus jüngster DDR-Vergangenheit ein Schild von der Schiedskommission der Wohnbezirke 9 und 13 – alles aus dem Fundus von Dieter Gnade.  Die erste Ausgabe vom  „Forstner Wochenblatt“ aus dem Jahre 1832 – nicht zu verwechseln mit dem „Forster Wochenblatt“, hatte Gabriele Schmidt aufbewahrt. „Aus meinem Haushalt mitgebracht, immer noch benutzt und spülmaschinenfest“, beschrieb Anna Buder Geschirr, das neben der Signatur der Herstellerfirma Bavaria noch mit der des Forster Fachhändlers Carl Hammer aufweist.

„Ein wunderbares Stück Euloer Heimatgeschichte“, nannte Frank Henschel eine Tafel, die die Namen von Kämpfern und Gefallenen aus dem Stadtteil aufführt. Mitgebracht hatte sie Frank Owczarek. Ebenso einen Kupfer-Pokal, zum 25. Meisterjubiläum der Firma Hänsel und Co. Stefan Buss ist stolz auf eine uralte Damenabendtasche, vor Jahrzehnten aus dem Sprerrmüll in der Wiesenstraße geborgen. Einst gehörte sie Liesbeth Laugsch. Originale Betriebsausweis der Sprengchemie, Bierflaschen, Broschüren und eine ganze Fotosammlung.

Der Abend verlangt geradezu nach einer Wiederholung. Den Vogel schoss jedoch der Forster Herbert Schulze ab, der eine großformatige gerahmte Zeichnung zeigte. Originale Planungsarbeiten aus für den Wiederaufbau der Stadt Forst nach dem verheerenden Brand vom 12. Juli 1748. Ob in 250 Jahren die derzeitigen Unterlagen des Forster Bauamtes für ähnliche Begeisterung sorgen werden?

(aha)