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Zahi Mashaels Welt dreht sich in Döbern

Zahi Mashael in seinem Büro in Döbern.
Zahi Mashael in seinem Büro in Döbern. FOTO: Beate Möschl
Döbern. Es ist einer dieser sonnig-warmen Tage in der Lausitz. Die Wiesen leuchten saftig-grün. Vögel zwitschern. Frühsommer-Idylle im Birkenhainweg in Döbern. Hier trifft sich Zahi Mashael derweil mit seinen Kunden aus aller Welt. Beate Möschl

Die digitale Kommunikationstechnik macht es möglich. Egal, wo der Diplom-Informatiker und IT-Unternehmer Zahi Mashael sich befindet, er kann immer für seine Kunden erreichbar und da sein. Seit Jahresbeginn hat er seinen Firmen- und Familiensitz in Döbern. Eine Entscheidung, die er aus Liebe getroffen hat, und das macht die deutsch-israelische Familie nun vollends glücklich.

"Meine Frau Anja hatte Sehnsucht nach ihrer Heimat. Sie stammt aus Döbern. Da war es nur ein logischer Schritt, hierher, zu ihren Wurzeln, zurückzukehren", sagt Zahi Mashael, der ein bekennender Familienmensch ist. "Als wir vor acht Jahren von München ins israelische Haifa übergesiedelt sind, hat meine Frau für mich das Gleiche getan, sie hat mich immer unterstützt." Auch die Kinder Rimon (13), Marie (11) und Noora (7) haben sich bereits gut eingelebt in Döbern.

Es ist gleich, wo man arbeitet

München, Haifa und nun Döbern - wie das? Der 43-Jährige schmunzelt nachsichtig bei der Frage. Sie wird ihm häufig gestellt, denn er bedient mit seiner Entscheidung für den ländlichen Raum keines der Klischees der IT-Branche. Deren Macher vermutet jeder in Berlin, Hamburg, London, München oder Dresden.

"Durch die Unabhängigkeit, die ein Unternehmen in der Informationstechnologie bietet, ist es gleich, von welchem Ort der Welt man arbeitet", weiß Mashael. Er ist seit 17 Jahren als Programmierer und IT-Dienstleister unterwegs, kennt den Markt in München, wo er sich nach dem Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität selbstständig machte, und in Haifa. Schmunzelnd erzählt er, dass er mit seinem Schritt, keine klassische IT-Metropole als Firmensitz gewählt zu haben, nun gerade bei der oft gepriesenen weltoffenen Flexibilität der Deutschen an Grenzen stößt: "Deutsche Kollegen stellen die Frage, wo Döbern ist, bei Ausländern wird der Tätigkeitsort überhaupt nicht in Frage gestellt."

Mashael will die Mark Brandenburg und das benachbarte Polen mit seiner starken und zunehmend an grenzüberschreitenden Kooperationen interessierten IT-Branche kennenlernen und mit seinen Software-Bausteinen und Dienstleistungen bedienen. Dafür sucht er Mitarbeiter. Die Arbeitsplätze sind bereits im Büro seines Hauses im Grünen eingerichtet. "Ich suche jemanden, der mich im Vertrieb unterstützt, beim Internetauftritt und bei andere Aufgaben. Das können auch Werksstudenten sein, die für zwei Tage die Woche Arbeit suchen. Je nach Qualifizierung wird das Aufgabenspektrum konkreter und weiter."

Der Name seines IT-Unternehmens, Mash-u-can, ist Programm - in Anlehnung an den Obamas Wahlkampf-Slogan "yes, we can!". Er entwickelt Softwarelösungen zur Datenverarbeitung und -verwaltung und fungiert als Outsourcing-Dienstleister für die IT-Branche. Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche in Deutschland gehören zu seinen Kunden. Sie lassen von ihm ihre Daten verwalten und die Software dafür pflegen. Einer seiner Kunden in Israel trägt sich mit dem Gedanken, die Zollabfertigungsformalitäten digitalisieren und von ihm verwalten zu lassen, erzählt der 43-Jährige. "Wenn die Verhandlungen zum Abschluss kommen, werde ich weitere Mitarbeiter brauchen."

Der IT-Unternehmer hat ein eigenes Produkt für den Markt entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Programmier-Gerüst - der Fachmann spricht von "framework" - auf dessen Basis innerhalb von ein bis zwei Monaten ein individuelles Datenverarbeitungsprogramm geschrieben und installiert werden kann. "Der Kunde kann das Programm von mir entwickeln und pflegen lassen. Er kann aber auch nur den Baustein kaufen und seine Software selbst programmieren." Es ist unter der Marke "Mashucan Basic" geschützt.

Erste Kundenkontakte im neuen Marktumfeld im Herzen Europas hat er über die Zukunfts-Agentur Brandenburg und das IT-Netzwerk des Landes Brandenburg SIBB bereits knüpfen können.

Mit offenen Armen empfangen

"Ich bin hier mit offenen Armen empfangen worden. Hier gibt es Unterstützung und Förderung, wie wir sie in Israel nicht kennen", schwärmt er. Das habe ihm den Neuanfang leicht gemacht.

Anknüpfend an seine guten Erfahrungen mit der Internationalisierung von IT-Projekten, sieht er hier auch gute Chancen für Kooperationen mit polnischen Partnern. Von der geographischen Lage her ist er schon viel näher dran als andere. "Döbern bietet mir auch insofern eine gute Ausgangsposition für die weitere Entwicklung meiner Firma."

Die Familie ist das Wichtigste

Nur eine Stelle gab es, an der es nicht glatt ging, die Telekommunikation. "Hier musste ich mit langem Atem erleben, dass sich die Telekommunikationsunternehmen nicht für ländliche Regionen interessieren. Mein Eindruck ist, dass sie nur das Big Business wollen. Aber auch das kann gerade hier nur dann angesiedelt werden, wenn die Infrastruktur stimmt", äußert Zahi Mashael. Ein halbes Jahr lang hat er sich mit der Telekom aus einandersetzen müssen, um einen profanen DSL-Anschluss zu bekommen. Inzwischen ist er ausgerüstet und nutzt die internationale Datenautobahn intensiv, um Kunden von der Analyse bis zur Planung und Realsierung von Softwareprojekten zu begleiten und neue eigene Programmiersysteme zu entwickeln, die den Nutzern das Leben leichter machen. Auch das ist Lebensqualität für den international tätigen Geschäftsmann: Zeit gewinnen und gwinnen lassen für das Wesentliche. Für Zahi Mashael ist das Wesentliche die Familie.

"Das Leben ist eine lange Reise mit vielen Entwicklungen", sagt er zu seinen Stationen in München, Haifa und Döbern und betont: "Wichtig ist, dass die Familie hinter solchen Entscheidungen steht und sich wohl fühlt. Dann kann ich auch wirtschaftlich erfolgreich sein."

Zum Thema:
Im Netzwerk Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), Medien und Kreativwirtschaft der Hauptstadtregion Berlin und Brandenburg bietet die Region nach Angaben der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) 45 400 Unternehmen mit 228 900 Beschäftigten. Das Spektrum reicht von Medienunternehmen und -dienstleistern über Verlage und Werbeagenturen bis zu Telekommunikationsanbietern und Softwareentwicklern. Im Bereich der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK) waren 2003 knapp 1000 Unternehmen in der Branche tätig. Ende 2013 waren es mehr als 1360. Starke Zuwächse an Unternehmen gab es beim Handel mit IKT-Technik, Softwareentwicklung und Datenverarbeitung, Hosting (Unterbringung von Internetprojekten) und der Entwicklung von Webportalen. Einen Rückgang von fast 18 Prozent gab es bei Call-Shops und Call-Centern.