„Wir haben als Wohnungsbaugesellschaft 2700 Wohnungen im Bestand, davon stehen 1000 Wohnungen leer. Das entspricht einer Quote von 35 Prozent“, erklärt Dagmar Klinke vor der Runde von etwa 35 Frauen.

Dagmar Klinke ist seit dem 2. Mai Geschäftsführerin der Forster Wohnungsbaugesellschaft FWG. Und die Frauen des ZAK e.V. Forst wollten bei ihrem jüngsten „Frühstücks-Gespräch“ von ihr erfahren, welche Ideen sie für die Entwicklung von Forst hat und was sie in ihren ersten Amtstagen auf den Weg gebracht hat.

Die FWG zieht um

„Für mich ging es jetzt natürlich zuerst einmal darum, eine Bestandsaufnahme zu machen“, sagt die Geschäftsführerin. Und auch den bevorstehenden Umzug der FWG in die Frankfurter Straße 2 vorzubereiten. „Das wird am 28. November passieren.“ Am neuen Standort wird es im Erdgeschoss ein Service-Center geben, wo Kunden direkt betreut werden. „Wir haben nicht die besten Bestände, da müssen wir im Service punkten“, meint Dagmar Klinke.

Das große Problem sei, dass die etwa 1000 leerstehenden Wohnungen nicht bezugsfertig auf dem Markt angeboten werden könnten, sondern eine Sanierung benötigen.

Die Einwohnerzahl sinkt

Bei Investitionen muss die FWG berücksichtigen, dass die Einwohnerzahl von Forst laut aktuellen Prognosen von jetzt etwa 18 000 auf 14 000 Menschen sinken wird. Zum anderen wird die Bevölkerung weiter altern. Das heißt, es werden weniger Wohnungen gebraucht, aber davon immer mehr altersgerechte. Das erfordert beispielsweise Investitionen in Fahrstühle, barrierefreie Zugänge oder auch andere Zuschnitte von Bädern. Zudem sind neue Detaillösungen für Dinge wie das Platzangebot für Rollatoren in Hausfluren gefragt.

Hoher Verlust bei Betriebskosten

Dabei müssen die Themen Neubau, Umbau und auch der Abriss von Wohnungen im Kontext angegangen werden. Denn bedingt durch den hohen Leerstand macht die FWG jährlich rund 700 000 Euro Verlust bei den Betriebskosten. Und statt zehn Millionen Euro Mieteinnahmen kommen nur sieben Millionen in die Kasse.

Am meisten ärgert Dagmar Klinke jedoch, dass die FWG noch auf 4,5 Millionen Euro Altschulden sitzt. Mit der Wende wurden die Kredite der DDR-Staatsbank aus dem DDR-Wohnungsbauprogramm eins zu eins der FWG übertragen. „Hier muss ein politische Lösung gefunden werden.“

Schwerpunkt ist die Innenstadt

In Anbetracht der finanziellen Situation der FWG können neue Vorhaben nur schrittweise umgesetzt werden. „Der Schwerpunkt wird auf der Innenstadt liegen“, so Dagmar Klinke. Unter anderem soll dem Block Cottbuser Straße 16 bis 20 neues Leben eingehaucht werden, genau wie dem angrenzenden Bereich der Berliner Straße.

„Wir brauchen einen Platz in der Stadtmitte, der lebt“, fordert die Geschäftsführerin. Dafür sei es auch notwendig, dass der Kaufland-Komplex von der Berliner Straße bzw. der Frankfurter Straße aus zugänglich gemacht wird. „Damit wir in der Stadt im Kreis laufen können.“ Zudem spricht sich Dagmar Klinke für ein Alkoholverbot in der Innenstadt aus. Das sei angebracht, um gerade die älteren Mieter vom Wohnen in der Innenstadt zu überzeugen.

Dienstleistungen für Ältere

Um das innerstädtische Carré für ältere Menschen attraktiv zu gestalten, ist – auch in Kooperation mit der Lausitz Klinik Forst – angedacht, niedrigschwellige Dienstleistungen anzubieten, wie Gesundheitsversorgung, Essensversorgung oder auch Fahrdienste.

Von der Innenstadt aus sollen natürlich auch weitere Wohnquartiere aufgewertet werden. Zu den perspektivischen Vorhaben gehört, die Blöcke in der Berliner Straße gegenüber dem Rewe-Markt um ein Geschoss zurückzubauen und dazwischen Teile herauszunehmen, so dass mehrere kleinere Blöcke mit verbessertem Wohnungsgrundrissen entstehen.

In der Diskussion stießen die FWG-Konzepte auf Zustimmung. Und ZAK-Vorsitzende Sigrid Hennig freute sich, „dass wir das so direkt von der Verantwortlichen erfahren konnten“.