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| 18:49 Uhr

Wirtschaft
Vetschauer sehen Zukunft in Forst

Die VIS-GmbH setzt Schweißroboter in der Fertigung ein. Sie fertigen Bauteile wiederholgenauer als es ein Mensch könnte.
Die VIS-GmbH setzt Schweißroboter in der Fertigung ein. Sie fertigen Bauteile wiederholgenauer als es ein Mensch könnte. FOTO: VIS
Forst . Der Metallverarbeiter ist vor sieben Jahren in die Rosenstadt gezogen. Kunden des Unternehmens sind unter anderem ABB, Bombardier, Siemens und Stadler. Von Katrin Kunipatz

Eine aus Metallplatten gebaute Skulptur ziert den Hof der Vetschauer Industrieservice GmbH (VIS). Entstanden ist das Einzelstück beim 2. Internationalen Kunstsymposium in Forst. Christoph Roßner brachte seine Idee auf einer Pappvorlage zur VIS. Hier setzte ein Programmierer die Idee in Maschinensprache um. Aus den in den Forster Werkhallen zugeschnittenen Teilen fügte der Künstler die Figur zusammen. Bis ihr endgültiger Standort vorbereitet ist, bleibt das Kunstwerk bei der VIS stehen.

Die Skulptur gibt damit einen kleinen Hinweis, womit sich die Firma in den Hallen an der Triebeler Straße beschäftigt. Verarbeitet werden bei der VIS unter anderem Blechtafeln und Walzmaterial aus Aluminium, Stahl, Edelstahl oder Messing. Brennen, Wasserstrahlschneiden, Stanzen, Lasern, Drehen, Fräsen und Sägen heißen die Bearbeitungsverfahren. Jedoch seien Einzelanfertigungen die Ausnahme, erklärt Michael Boche. Gemeinsam mit Steffen Müller gründet er vor 20 Jahren das Unternehmen – wie der Name vermuten lässt – in Vetschau.

Die Stadt, in der Drehgestelle für die Eisenbahn hergestellt wurden und werden. Nach der Wende begann auch dort eine Welle von Ausgliederungen. Müller und Boche arbeiteten in der Reparaturwerkstatt und im Werkzeugbau. Als die ausgegliederte Firma des Waggonbaus schloss, entschieden sich die gerade 26 und 27 Jahre alten Elektromeister für den Schritt in die Selbstständigkeit. In einer Garage fing alles an. Waggonausrüstungen Vetschau war zunächst Hauptkunde der neuen Firma, kleine ortsansässige Unternehmen kamen dazu. Die neuen Geschäftsführer holten ehemalige Kollegen zurück, unter ihnen auch einen Metallbaumeister. Schritt für Schritt wurde mit gebrauchten Maschinen die Werkstatt in Vetschau aufgebaut. Die Neuherstellung von Sandkästen für S-Bahnen brachte die VIS-Geschäftsführer in Kontakt mit Textima in Forst.

Die Zerspanung läuft computergesteuert. Dieser Fräsautomat kann sekundenschnell zwischen 60 Werkzeugen wechseln.
Die Zerspanung läuft computergesteuert. Dieser Fräsautomat kann sekundenschnell zwischen 60 Werkzeugen wechseln. FOTO: VIS

Hier stand eine Laserschneidemaschine, auf der aus Blechen die Einzelteile für die Kästen zugeschnitten wurden. Doch für Textima kam im Jahr 2000 die Insolvenz. Nach Absprache mit einigen Textima-Mitarbeitern entschied man sich, den computergesteuerten Laserschneider aus der Insolvenzmasse zu ersteigern, falls die Mitarbeiter überboten würden. „Es waren die teuersten Minuten meines Lebens“, sagt Michael Boche. Er behielt die Hand oben, bis die Maschine der VIS gehörte. Ehemalige Textima-Fachleute wechselten zur VIS und arbeiteten weiter an „ihren“ Maschinen. Mit der Blechverarbeitung in der Forster Albertstraße entstand ein neuer Betriebsteil der VIS. In Vetschau blieben die Dreh- und Fräsmaschinen, bis dort der Mietvertrag durch den Vermieter nicht mehr verlängert wurde.

Die Lösung lag auf der Hand: der vollständige Umzug des Vetschauer Industrieservice nach Forst. Unterstützt von der Wirtschaftsförderung der Stadt hatten Boche und Müller bereits 2009 nach einer neuen Halle gesucht und waren an der Weißwasserstraße fündig geworden. Und was damals riesengroß erschien, erweist sich heute als genau richtig, so Michael Boche. Dach und Fassade wurden gedämmt und Fußböden erneuert. Anfang 2011 verlegte die VIS ihren Firmenstandort komplett nach Forst. Immer wieder kamen neue Maschinen dazu. „Wenn man die geforderten Standards halten und effektiv arbeiten will, braucht man moderne Maschinen“, erklärt Steffen Müller. Entscheidend bei der Teilefertigung seien Geschwindigkeit und Wiederholgenauigkeit. Beispielsweise könne ein Fräsautomat sekundenschnell zwischen 70 Werkzeugen wechseln. Und ein moderner Schweißroboter, von denen bei der VIS drei im Einsatz sind, arbeitet schneller und gleichmäßiger als ein Mensch.

„Wir verstehen uns als Handwerksbetrieb, obwohl wir nach industriellen Standards arbeiten“, erklärt Boche. Entsprechend wachsen auch die Anforderungen ans Personal. Daher bildet man auch selber aus – im Verbund mit der „Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG“ den Anlagenmechaniker. Wunsch der beiden Geschäftsführer ist es, dass die Lehrlinge anschließend im Betrieb bleiben. Der Nachwuchs wird gebraucht, um die in Ruhestand gehenden Kollegen zu ersetzten und um weiter zu wachsen.

Außerdem gibt es bei Boche und Müller Überlegungen, ergänzend zur Metallverarbeitung auch die Farbgebung als neues Standbein aufzubauen. Dafür seien aber noch Gespräche nötig. Die Zukunft der VIS sehen beide Geschäftsführer in Forst.