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Fotostudio
Rückkehr nach Forst mit Neustart

Christian Swiekatowski mit Studiohund Kaio in seinem Fotostudio in der Forster Bahnhofstraße.
Christian Swiekatowski mit Studiohund Kaio in seinem Fotostudio in der Forster Bahnhofstraße. FOTO: Steffi Ludwig
Forst. Er ist einer von denen, die es nach der Schule weit weg verschlagen hat – und die dann wieder zurück in die Heimat gekommen sind: Christian Swiekatowski (31). Er fühle sich einfach in Forst am wohlsten, liebe das Kleinstädtische, wo es leichter ist, Kontakte zu knüpfen und zu halten, sagt er in einer Pause in seinem Fotostudio. Steffi Ludwig

Hier in den Räumen in der Bahnhofstraße gibt es viel Platz. Birkenstämme säumen von innen die Fenster, einige seiner besten Fotoarbeiten zieren die Wände. Er liebt es gern etwas ausgefallen, auch bei seinen Shootings, schmunzelt der Fotograf, und berichtet von einer Frau, die gern dabei fotografiert werden wollte, wie sie nach langem Scheidungsprozess ihr Brautkleid verbrennt. "Das war wohl mein bisher heftigstes Shooting, aber es hat ihr und mir viel Spaß gemacht", so der Rückkehrer.

Sein Stil kommt offenbar an, denn momentan kann sich der Fotograf nicht über Arbeitsmangel beklagen: Beinahe jedes Wochenende ist er unterwegs und fotografiert Hochzeiten oder Firmenjubiläen. Zu seinem Kundenkreis zählen auch Versicherungen, mittelständische Unternehmen sowie die Staatliche Kunstsammlung in Dresden. "Es läuft gut. Ich habe mir einen Traum erfüllt und meine Rückkehr nicht bereut", sagt er.

Im Februar 2016 hatte er sein Fotostudio eröffnet - nach mehreren beruflichen Stationen. Denn eigentlich kommt der 31-Jährige aus dem Handwerk. Da seine Mutter nach seiner Schulzeit nach Baden-Württemberg zog, zog er mit und begann dort eine Tischlerausbildung. "Es war eine sehr gute Ausbildung, die mir heute in vielen Bereichen meiner Arbeit hilft. Mit den Schwaben bin ich aber nicht so richtig warm geworden", erklärt der Forster. Deshalb ging er zurück in die Heimat, arbeitete zwei Jahre lang in der Tuchfabrik an der Bar, da es mit einer versprochenen Tischlerstelle in Forst nicht geklappt hatte. Es folgten drei Jahre als Tischler in Spremberg, bis Christian Swiekatowski sich eingestand, dass er etwas anderes machen möchte, etwas mit Menschen. Er begann ein Praktikum in einem großen Dresdner Fotostudio. Denn seine Freunde hatten zu seinem 21. Geburtstag zusammengelegt und ihm eine Spiegelreflexkamera geschenkt. "Denen habe ich eigentlich alles zu verdanken. Sonst wäre ich heute nicht da, wo ich bin." Nach einiger Zeit machte sich der Forster als Mediengestalter selbstständig und eröffnete mit einem Geschäftspartner in Dresden ein gemeinsames Fotostudio. "Doch wir haben uns dann arbeitstechnisch in zwei Richtungen entwickelt - und ich bin sowieso fast jedes Wochenende nach Forst gefahren, da meine ganzen Freunde hier leben." Auch Dresden war ihm zu anonym, er kam nicht richtig an.

Und so schaute er in Forst, fand die Räume, baute sie mit Freunden und der finanziellen Hilfe eines Gründerkredites und Eigenkapital um. "Durch meine Bar-Zeiten habe ich ein großes Netzwerk und habe meine Arbeit auch viel über soziale Netzwerke wie Facebook verbreitet." Dass die ersten Monate schwierig werden würden in einer wirtschaftsschwachen Region, sei ihm klar gewesen. Aber dann sei es relativ schnell gegangen, Kunden aus Forst, aber auch aus Cottbus oder Dresden kamen. Im letzten Jahr gab es sogar ein paar internationale Aufträge aus Israel und England. "Ich kann davon leben", sagt er heute. Dass er viel Zeit investiert und das Studio oberste Priorität hat - das akzeptiert auch seine Familie.

Zum Thema:
Konkrete Zahlen, wie viele Menschen in die Heimat zurückgekehrt sind, haben weder der Landkreis Spree-Neiße noch die Städte. In Spremberg gibt es über den Wirtschaftsförderer ASG spezielle Aktionen für Rückkehrer. In Forst und Guben gibt es keine eigenen Aktionen. Die Wirtschaftsförderung Forst arbeite laut Egbert Lamm eng mit dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur, der Wirtschaftsförderung Brandenburg und dem privaten Arbeitsvermittler Steffen Sickert zusammen. Auch auf den Rückkehrertag in Cottbus werden die Firmen aufmerksam gemacht.