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Wie Motorradfahrer die Kurve kriegen

Nach der Predigt startet der Motorradkorso bei schönstem Sonnenschein.
Nach der Predigt startet der Motorradkorso bei schönstem Sonnenschein. FOTO: Hecht
Forst. Die Sonne kämpft sich durch die Wolkendecke, die Motoren knattern und lassen die Herzen der Hobbybiker höher schlagen. Mit einer unerwartet hohen Teilnehmerzahl fand am Ostermontag der erste Bikergottesdienst 2015 unter dem Motto „Die Kurve kriegen“ in der Forster Nikolaikirche statt. Candy Hecht

"Mein Mann und ich sind schon seit vielen Jahren mit dabei", sagt Barbara Basan aus Eisenhüttenstadt. Ihr Mann sei sogar bereits vom ersten Gottesdienst an dabei, betont sie. "Damals war Pfarrer Lange ja noch in Eisenhüttenstadt. Und seit er in Forst ist, kommen wir auch gern hierher gefahren", erzählt Basan weiter. Danach begibt sie sich schnurstracks mit ihrem Mann in die Kirche, um dem Gottesdienst der etwas anderen Art beizuwohnen.

Im Innern der Kirche ist kaum noch ein freier Platz zu finden. Etliche der Gäste müssen stehen. Selbst die oberen Plätze in der Nikolaikirche sind an diesem Tag besetzt. Es herrscht ein Gemurmel, bevor der Gottesdienst beginnt. Untermalt wird das Spektakel von passenden Rock-Songs wie "Crossroad", "Sweet home Alabama" und "Knocking on heavens door". Ein Kreuz aus Motorradhelmen ziert den Boden vor dem Kirchenaltar.

"In der Kirche riecht es wieder nach Leder", eröffnet Pfarrer Christoph Lange, der selbst zumindest zum Teil in Motorradkluft auf der Kanzel steht, den Bikergottesdienst.

"Ich wünsche Ihnen allen noch ein schönes Osterfest und freue mich sehr, dass es heute doch noch so voll hier geworden ist", sagt er weiter. Das heutige Thema "Die Kurve kriegen" betreffe jeden Motorradfahrer, aber auch jeden, der sonst häufig im Straßenverkehr unterwegs ist und sich der Gefahr aussetzt, einen Unfall zu haben, so Lange. Er erinnert an all jene, die im Straßenverkehr ums Leben gekommen sind oder auch jemanden verloren haben. Er wünscht allen, dass sie immer heil ankommen mögen und jede Kurve meistern.

"Einige freuen sich schon darauf. Andere ahnen schon Schlimmes. Ja, wir singen wieder", fährt der Pfarrer fort. Denn nicht nur Rock gehört heute zum Repertoire, sondern auch Lieder wie "Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel" und "Möge die Straße uns zusammenführen", gehören dazu.

Zwischendurch läuft auch ein Video auf der Leinwand, welches eine Motorradfahrt aus der Ego-perspektive zeigt und zudem noch musikalisch untermalt wird. Der Klang der rockigen Lieder hallt von den Wänden wieder. Selbst einige Sonnenstrahlen kämpfen sich bis in den Saal durch und erhellen den Gottesdienst zusätzlich.

"Und wenn wir uns mit unseren Mopeds in die Kirche, nein, in die Kurve legen", sagt Christoph Lange und lacht selbst über den kleinen Versprecher, "dann sollten wir dennoch vorsichtig sein, auch wenn es noch so viel Freude macht."

Es sei wichtig, dass man sich, bei allem Spaß auch der Gefahr auf den Straßen immer bewusst sei, betont er. "Das Thema ‚die Kurve kriegen‘ trifft jedoch auch viele von uns im Alltag zu. Sei es, wenn man etwas noch auf den letzten Drücker erledigt hat oder wenn jemand gerade noch so wieder auf die richtige Bahn gekommen ist", erklärt Christoph Lange weiter. Er ruft zum Glaubensbekenntnis auf, das ebenfalls speziell auf die Motorradfahrer abgestimmt ist. Kurz darauf wird der Gottesdienst beendet und alle Teilnehmer begeben sich hinaus in Freie.

"Lassen wir uns den Wind durch die Haare wehen, solange wir noch welche haben", sagt Pfarrer Lange abschließend und begibt sich selbst zu seinem Motorrad, mit dem er an dem Korso, der bis zur Bachkirche führen soll, teilnimmt.

Bei Motorenknattern und Benzingeruch machen sich alle gemeinsam auf den Weg und haben damit auch die diesjährige Motorradsaison eingeläutet.