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| 02:44 Uhr

Wie die Zusammenarbeit in der Grenzregion verbessert werden soll

Die Präsidenten der Euroregion Spree-Neiße-Bober Czeslaw Fiedorowicz (l.) und Harald Altekrüger stoßen auf die beste Euroregion an.
Die Präsidenten der Euroregion Spree-Neiße-Bober Czeslaw Fiedorowicz (l.) und Harald Altekrüger stoßen auf die beste Euroregion an. FOTO: kkz
Spree-Neiße. Über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sprachen deutsche und polnische Verwaltungsmitarbeiter in dieser Woche im Kreishaus. Ausgetauscht wurden dabei Ideen, wie und wo die Kooperation in den kommenden Jahren noch enger werden kann. Thema waren außerdem gelungene und zukünftige Projekte. Katrin Kunipatz

Greifbar wird die deutsch-polnische Zusammenarbeit beim geplanten Projekt der Berufsschule im polnischen Nowa Sól. Diese sucht nach einem deutschen Partner, mit dem sich die polnischen Schüler und Lehrer austauschen können, erläutert Estera Lindner-Kuhlmann, Leiterin des deutsch-polnischen Austauschs beim Centrum für Innovation und Technologie (CIT) des Landkreises. Denkbar seien Treffen und Workshops zwischen Lehrern und Schülern, Praktika der polnischen Schüler in deutschen Unternehmen und vielleicht auch ein gemeinsames Projekt, bei dem Schüler beispielsweise ein Elektromoped gemeinsam entwerfen und bauen. Ein möglicher Partner der Berufsschule Nowa Sól könnte das Oberstufenzentrum I Spree-Neiße (OSZ I) sein.

Partner auf Konferenz überrascht

Dessen Schulleiter Konrad Rachow erfuhr auf der Konferenz erstmals von dem Anliegen und war überrascht. "Ich finde die Idee gut und stehe der Kooperation aufgeschlossen gegenüber", sagt er. Jedoch seien noch weitere Sondierungen nötig, damit die polnischen Partner wissen, was möglich ist und was nicht. Größter Unterschied sei beispielsweise die Art der Berufsausbildung, so Konrad Rachow. Am OSZ I findet die nur die theoretische Ausbildung statt. Den praktischen Teil erlernen die Schüler in den Betrieben. In Polen dagegen bilden Berufsschulen theoretisch und praktisch aus und haben deshalb auch schuleigene Werkstätten.

Vermittelt wurde der Kontakt zwischen OSZ I und der Berufsschule Nowo Sól bei der deutsch-polnischen Konferenz im Kreishaus Forst, die am Mittwoch stattfand. Anliegen dieser Runde, an der Landräte und Verwaltungsmitarbeit des Landkreises Spree-Neiße, der Nachbarlandkreise Zielona Góra, Krosno Odrzanskie, Zary und Zagan sowie des Marschallamtes Lubuskie teilnahmen, ist es die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg weiter zu intensivieren. Innerhalb der Euroregion Spree-Neiße-Bober passiere dies bereits seit 24 Jahren, betont der polnische Landrat und Präsident der Euroregion Czeslaw Fiedorowicz. "Die Menschen sind es, die die Euroregion und die Projekte ausmachen und wir müssen Gesicht zeigen und erklären, was die Euroregion schon geschafft hat", so Fiedorowicz. Noch mehr könne man erreichen, wenn man die deutsch-polnische Zusammenarbeit intensiviert.

Genau darüber wurde in vier thematischen Workshops gesprochen. Ein Schwerpunkt waren die Aspekte Gesundheitswesen, Infektionsschutz, Notfallmedizin und Rettungsdienst. Erörtert wurden die Themen Öffentlichkeitsarbeit, Tourismus und Vereine. Im Raum steht jetzt die Idee, sich als Euroregion Spree-Neiße-Bober auch gemeinsam und massenwirksam auf der Grünen Woche in Berlin zu präsentieren.

Zahlreiche gemeinsame Projekte

Im Bereich Straßenbau, Transport und Katastrophenschutz gibt es bereit vielfältige Zusammenarbeiten und Projekte. Landrat Harald Altekrüger verweist auf die Vereinbarung zum grenzüberschreitenden Katastrophenschutz und die beratende Tätigkeit des Straßenbauamtes beim Radwege- und Straßenbau auf polnischer Seite.

Im vierten Komplex standen Arbeitsvermittlung, Berufsausbildung, Jugend und Soziales im Mittelpunkt. Neben der ganz konkreten Suche nach dem Projektpartner für die polnische Berufsschule in Novo Sól sprachen die deutschen und polnischen Verwaltungsmitarbeiter auch über Kooperationen zwischen Musikschulen und Theatergruppen, aber auch über Projekte für Schulabbrecher und die Jobvermittlung auf beiden Seiten der Neiße.

In den nächsten Wochen werden die Workshops ausgewertet und die Verwaltungen werden konkret einzelne Themen angehen. Die persönlichen Kontakte zwischen den Verantwortlichen konnten im Rahmen der deutsch-polnischen Konferenz geknüpft werden. Aber in allen Fällen steht und fällt die weitere Zusammenarbeit vor allem mit dem Informationsaustausch über die Grenzen hinweg.

Nötig für direkte Kontakte seien vor allem Sprachkenntnisse, erläutert Carsten Jacob, Geschäftsführer der Euroregion Spree-Neiße-Bober. Mit dem neuen Projekt "Dialog" will man durch Sprachkurse, Kurzpraktika und interkulturelles Training die Verwaltungsmitarbeiter auf beiden Seiten der Grenze, aber auch ehrenamtlich Tätige schulen und so die Kooperationen innerhalb der Euroregion intensivieren. Geplant sei außerdem durch Schultouren, Messen oder eine Grenzgänger-App die Bevölkerung in den Prozess einzubeziehen, so Jacob. Die Euroregion erhält dafür Interreg-Fördermittel.