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| 18:33 Uhr

Wie die Löwen gekämpft

Stadtwehrführer Bernd Frommelt hat viele Einsätze geleitet und auch diese Ordner mit Förderanträgen für die Feuerwehrfahrzeuge gefüllt.
Stadtwehrführer Bernd Frommelt hat viele Einsätze geleitet und auch diese Ordner mit Förderanträgen für die Feuerwehrfahrzeuge gefüllt. FOTO: kkz
Forst. Am Freitag wird Stadtwehrführer Bernd Frommelt offiziell in der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. 28 Jahre lang war er Chef der Freiwilligen Feuerwehr Forst. Katrin Kunipatz

Weil seine aktive Dienstzeit an seinem 65. Geburtstag endet, übernimmt am 3. August Andreas Britze die Aufgabe des Stadtwehrführers. Er war bisher einer der drei Stellvertreter Frommelts.

Der Forster Feuerwehr wird Bernd Frommelt in der Alters- und Ehrenabteilung weiter treu bleiben. "Ich will die Geschichte der zwölf Ortsteilwehren aufarbeiten", erklärt er. Das Material dazu ist umfangreich. Auf Tischen und in Regalen stapeln sich Chroniken, Fotoalben und andere Dokumente. Nebenbei sei diese Arbeit nicht zu schaffen, so Frommelt.

Tatsächlich ist der leidenschaftliche Feuerwehrmann bis zum letzten Tag eingebunden. Im Moment gilt es, einen Blitzschaden zu reparieren. Neben der Telefonanlage, über die die Kommunikation mit der Leitstelle in Cottbus funktioniert, lassen sich auch einzelne Rolltore nicht mehr öffnen. Gerätewart Jörg Baumgart und die Stadt seien schon dran, den Schaden zu beheben.

Die Begeisterung und später der Einsatz für die Feuerwehr wurde Bernd Frommelt in die Wiege gelegt. "Mein Vater trat einen Monat nach meiner Geburt in die Feuerwehr Forst ein", berichtet er. Also wurde der Zehnjährige junger Brandschutzhelfer und durfte schon als 15-Jähriger in die aktive Truppe wechseln. "Natürlich war ich damals noch nicht im Gefahrenbereich im Einsatz, sondern habe schrittweise die Ausbildung absolviert", sagt Bernd Frommelt.

Noch heute erinnert er sich an viele Einsätze. Zum großen Teil waren es tatsächlich Brände, zu denen die Feuerwehr bis in die 80er-Jahre gerufen wurde. Feuer gab es überall: in Forster Textilbetrieben, Scheunen oder Wohnungen. Sogar vom Absturz einer MiG in den Euloer Konsum kann Frommelt berichten. In Raden verhinderte die Feuerwehr Forst, unterstützt von Berufsfeuerwehren des damaligen Bezirks Cottbus, die Explosion eines Erdgasförderturms. "Wir haben Wasser von weither herangeholt und den Turm gekühlt, den ausströmendes Gas erhitzte", so Bernd Frommelt. Aber auch große Waldbrände 1975 und 1979 oder das Neiße-Hochwasser 1981 sind im Gedächtnis geblieben: "Wir haben gekämpft wie die Löwen."

Vom einfachen Feuerwehrmann qualifizierte sich der Forster über den Gruppenführer zum Zugführer. Im Mai 1989 übernahm er die Aufgabe des Wehrleiters. Dafür musste Bernd Frommelt seinen Arbeitsplatz wechseln, um jeden Tag in Forst zu sein. Es folgte die Wende mit all ihren Wirrungen. Die neue Partnerschaft zur Feuerwehr Oberursel half ungemein. Detlef Gloeckner, damals stellvertretender Wehrleiter, knüpfte die Kontakte. Am Wochenende der Währungsunion waren die Kameraden aus Hessen zum ersten Mal in Forst. Bei zwei insgesamt sechswöchigen Besuchen in Oberursel lernte Bernd Frommelt die bundesdeutschen Regelungen und Gesetze kennen. "Von diesen Besuchen haben wir in Forst über Jahre gezehrt", schätzt er rückblickend ein. Die Einsatzschwerpunkte veränderten sich. Unfälle auf der Autobahn und Waldbrände häuften sich in den 90er-Jahren. Fast jeden Monat gab es einen Verkehrstoten. Den schwersten Moment erlebte Bernd Frommelt, als er der Frau eines Kameraden erklären musste, dass ihr Mann nicht mehr zurückkommen wird. Noch heute bekommt der gestandene Feuerwehrmann beim Gedanken daran eine Gänsehaut.

Gelungen ist in den 28 Jahren als Wehrführer auch jede Menge. Geholfen habe der enge Kontakt zur Stadt und dem Kämmerer. Frommelt zählt auf: das neue Feuerwehrgerätehaus Süd und die sanierten und erweiterten Gebäude der Ortsteilwehren. Über 20 Fahrzeuge wurden neu angeschafft, und trotzdem sind noch immer drei DDR-Fahrzeuge im Dienst - zwei Barkas B1000 und ein Robur. Die größte Herausforderung werde es in den kommenden Jahren jedoch sein, genügend Personal zu finden, so Frommelt.