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Westernflair an der Neiße

Westernladys und Westmänner zeigten ihre Gala-Kleidung
Westernladys und Westmänner zeigten ihre Gala-Kleidung FOTO: aha1
Neiße-Malxetal. Der Wilde Westen war am Wochenende beim 12. Hof- und Countryfest auf dem Ziegenhof Pusack beheimatet. Hunderte Besucher aus Brandenburg und Sachsen steuerten das Ziel am Oder-Neiße-Radweg an. Angela Hanschke / aha1

Einige besonders hartgesottene Westernfreunde nahmen bereits am Freitagvormittag auf den regendurchtränkten Wiesen Quartier, um das abendliche Konzert von "Zenker und Co" mitzuerleben. Doch der Samstag zeigte sich zur Freude der Organisatoren - den Ziegenhofbetreibern Karsten Glanck und Michael Wagner und dem Countryclub "Bordercreek", der seit Beginn dieses Jahres seinen Sitz dorthin verlegt hat - von freundlicher Seite. Echter Indianersommer in den derzeit lila blühenden Ausläufern des Muskauer Faltenbogens.

Indianer, Trapper, Landvermesser, Glücksritter, Südstaatler und Farmer gaben sich ein Stelldichein und ließen bei zurückgeschlagenen Zeltplanen die Neugierigen an ihrem Leben im Weißzeltlager teilhaben. Stark vertreten war der Verein "Die Cowboyhüte vom Kubitzberg" aus Schwarzkollm. "Wir wollen das Leben der europäischen Einwanderer vorm Sesshaftwerden so authentisch wie möglich darstellen", umriss der Vorsitzende Felix Berndt das Credo der Gruppe. Handys waren Fehlanzeige. Das Essen köchelte über offenen Feuerstellen. Bohnenkaffee dampfte in Emaillekannen. Gemütlich hielt Marshal Wyatt Earp alias Bernd Kobalz am Klapptisch seines Zeltes Hof. Ganz ohne Colt nur durch seine imposante Gestalt "beruhigte" er unlängst in Schwarzkollm einen Störenfried, wie er erzählte.

In Pusack leistete ihm Bardame Josie, im echten Leben seine Ehefrau Bärbel Kobalz, Gesellschaft. "Unsere Kleider sind zumeist selbst genäht", verriet sie. "Ich zeige das Leben einer Plainsindianerin", berichtete Martina Baginski. Ihr Ehemann Bernd Baginski, der mit ihr das Zelt teilt, ist hingegen Prärie-Landvermesser. Nur wenige Meter weiter schlug die blonde Apachin Nscho-Tschi das Zelt auf - gemeinsam mit ihrem Ehemann, der sie nach eigenen Angaben "für ein paar Biberfelle gekauft hat".

"Wir sind hier eine große Wildwestfamilie", berichtete Manfred Wünsche und zeigte bereitwillig das "Schlafzimmer". Doch die kalte Jahreszeit steht vor der Tür. Es ist deshalb in dieser Saison für den Verein das letzte Weißzeltcamp.

Bevor die lustigen Musikanten zum Frühschoppen aufspielten, wurde am Vormittag ein Hofgottesdienst gehalten. Kurze Zeit später verführte die Hoyerswerdaer Band "Mary´s Men" mit Folk, Pop und Countrysongs zum Tanzen auf dem Bretterpodest. Bei der Westernmodenschau des Schwarzkollmer Vereins trafen alle wieder aufeinander. Dort sorgte auch "Reverend" Wolfgang Brückner - ein "Berufskollege" der beiden echten Pfarrer für Aufsehen.

Der Ruheständler aus der Uckermark ist gemeinsam mit seinem Husky Caribu ganzjährig bundesweit mit dem Shelter samt Holzöfchen unterwegs. Und wo Wyatt Earp, der Marshal von Dodge City war, fehlte auch sein Freund, der Revolverheld und Zahnarzt Doc Holidays nicht. Ebenso Belle Starr, die einst zu den berühmtesten Räuberbräuten zählte.