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Forst
Wesemann räumt seinen Stuhl

Philipp Wesemann – hier an seinem Arbeitsplatz im Rathaus – ist am Freitag von seinem Amt als Bürgermeister zurückgetreten.
Philipp Wesemann – hier an seinem Arbeitsplatz im Rathaus – ist am Freitag von seinem Amt als Bürgermeister zurückgetreten. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Forster Bürgermeister ist ab Samstag nicht mehr im Amt. Neuwahlen sind frühestens Ende März möglich. Von Katrin Kunipatz und Steffi Ludwig

Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) gilt mit Ablauf des Freitags als abgewählt. Wie Stadtverordnetenvorsteher Dietmar Tischer (CDU) am Freitagvormittag sagte, habe Wesemann ihm mitgeteilt, dass er auf eine Entscheidung über seine Abwahl durch Bürgerentscheid verzichtet. Am Mittwoch hatten 21 der 28 Stadtverordneten für die Abwahl des erkrankten Bürgermeisters gestimmt. Die Linken-Fraktion hatte den Antrag eingebracht. Wesemann stand die Frist von einer Woche zu, darauf zu reagieren.

Leicht sei ihm diese Entscheidung nicht gefallen, erklärt Philipp Wesemann in einem exklusiven Telefonat gegenüber der RUNDSCHAU. Seine Ärzte hätten ihn bei dem Entschluss begleitet. Der 28-Jährige befindet sich im Moment bei einem Reha-Aufenthalt in der Röhn und nutzte eine Behandlungspause für das Gespräch. „Ich befinde mich auf einem guten Weg, die Heilung tritt ein“, sagt er. Wesemann vermutet jedoch, dass es ihm nach der Rückkehr schwerfallen dürfte, sichere Mehrheiten zu erreichen, wenn zwei Drittel der Stadtverordneten für seine Abwahl gestimmt haben. Projekte könnten nicht vorangehen und die Stadt würde nur noch auf der Stelle treten.

„Zum Wohl der Stadt Forst trete ich zurück und mache den Weg für einen Neuanfang frei“, sagt der scheidende Bürgermeister. „So ein Tohuwabohu hat Forst nicht verdient.“ Weiterhin dankt er den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die ihm mit ihren Solidaritätsbekundungen viel Kraft gegeben haben. „Ich bitte um Entschuldigung, dass ich das Vertrauen nicht ganz erfüllen konnte.“ Auch die Verwaltung, die Vorstände und vor allem der stellvertretende Bürgermeister Jens Handreck haben in den vergangenen Wochen alles getan, um „das Schiff am Segeln zu halten“.

„Für die SPD-Fraktion ist sein Rücktritt schmerzlich“, sagt Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Stenzel. „Aber für Philipp ist es gesundheitlich die beste Entscheidung.“ Stenzel kündigt an, dass die SPD zur Neuwahl einen eigenen Kandidaten aufstellen werde. Gemeinsam würden Fraktion und Ortsverein in den nächsten Wochen darüber beraten. Egal von welcher Partei er sei, werde die SPD den nächsten Bürgermeister tatkräftig unterstützen. „Wir haben so viel zu tun“, so Stenzel. „Gemeinsam müssen die Abgeordneten, egal welcher Partei, die Stadt voranbringen.“

Linken-Fraktionsvorsitzender Ingo Paeschke ist mit der Entscheidung von Philipp Wesemann zufrieden und hält sie für einen vernünftigen Schritt auch aus Wesemanns Sicht, um abgesichert sein weiteres Leben zu gestalten. „Für die Stadt beschleunigt es die Gelegenheit, klare Verhältnisse zu schaffen“, so Paeschke.

Über mögliche Kandidaten für einen potenziellen Bürgermeister habe man bei den Linken noch nicht gesprochen, auch nicht bei der CDU. „Damit haben wir so lange gewartet, wie der Bürgermeister im Amt ist“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Jens-Holger Wußmann. „Aber jetzt werden wir darüber beraten.“ Wußmann hält es auch für notwendig, dass sich die Fraktions­chefs nochmal zusammensetzen, damit ein möglichst guter Bürgermeister-Wahlkampf gelinge. Die Entscheidung Wesemanns schätzt auch Wußmann als positiv ein. „So hat er eine Chance, wieder gesund zu werden. Das wäre mit der Bürde des Amtes so nicht möglich gewesen.“

Auch Lothar Lischke, Fraktionsvorsitzender der FDP/Freie Bürger, begrüßt die Entscheidung Wesemanns. Diese zeuge von menschlicher Größe. Seine Fraktion werde jedoch keinen Kandidaten stellen, so Lischke. Wolfgang Starick (Wir für Forst) hält die Entscheidung für zwingend nötig, da die Stadt dringend ein handlungsfähiges „Oberhaupt“ brauche.

Wie geht es nun weiter: Die Kommunalaufsicht des Landkreises Spree-Neiße müsse nun einen Termin für eine Neuwahl festlegen, so Dietmar Tischer. Dafür werde die Stadt einen Vorschlag machen. Voraussichtlich werde dieser Termin Ende März oder Anfang April liegen. Bis Ende Januar oder Anfang Februar müssen laut Tischer die Kandidaten der Parteien feststehen.