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Wertvoll erst nach dem Verrotten

Die Berge mit den Grünabfällen müssen mit dem Radlader aufgeschichtet werden. Den überwiegenden Teil bringen Bürger mit ihren Pkw zur AGNS.
Die Berge mit den Grünabfällen müssen mit dem Radlader aufgeschichtet werden. Den überwiegenden Teil bringen Bürger mit ihren Pkw zur AGNS. FOTO: kkz
Forst. Lindenzweige, Reste vertrockneter Koniferen und Wurzelstücke lädt Jörg Krenczek von seinem Autoanhänger ab. Etwa alle zwei Monate bringt er eine Fuhre Grünabfall zum Recyclinghof in Forst. Katrin Kunipatz

Und so wie er tun es noch viele andere Grundstücks- und Gartenbesitzer aus Forst und Umgebung. An diesem Montagvormittag reißt der Strom der Anlieferer nicht ab. Bärbel Schubert aus Tschernitz ist froh, wenn sie hier alles los wird. Der Forster Roland Schuppe ergänzt: "Billiger kann man es gar nicht haben."

"Die Menge der Grünabfälle nimmt seit Jahren zu", sagt Sachbearbeiterin Abfallmanagement Doreen Zschemisch-Graßme. Rund 5500 Tonnen werden pro Jahr an den fünf Recyclinghöfen der Abfallentsorgungs-Gesellschaft Neiße-Spree (AGNS) angeliefert. Das meiste tragen tatsächlich die Bürger des Landkreises zusammen. "Bei Grünabfällen handelt es sich um Baum- und Strauchschnitt mit bis zu zehn Zentimeter starken Ästen, Unkraut und Rasenschnitt", so die Sachbearbeiterin. Problematisch seien grundsätzlich Neophyten wie Ambrosia, Riesenbärlauch oder Kreuzkraut. Meist weisen die Abliefernden daraufhin. Diese Abfälle gelangen über die Umladestation direkt in die Verbrennung.

Die anderen Grünabfälle verwandelt die AGNS in Kompost. Dazu wird das Material geschreddert und vermischt. Die größere Oberfläche lässt den Rottungsprozess schneller in Gang kommen. In der Kompostanlage setze die AGNS allein auf natürliche Prozesse ohne Zusatzstoffe, betont Doreen Zschemisch-Graßme. Unter freiem Himmel, in der sogenannten offenen Miete, reift das Material langsam. Je nach Außentemperatur braucht es zwischen sechs und zwölf Monate, bis daraus tiefschwarz-brauner Kompost geworden ist. In der Zwischenzeit werden die Mieten drei bis viermal umgesetzt, eventuell geschreddert oder gesiebt, denn Sauerstoff beschleunigt den Rottungsprozess. Außerdem wird so gewährleistet, dass das Material locker liegt und nicht fault. Die Mitarbeiter nehmen Proben und überwachen die Temperatur in der Miete. Sie muss an mindestens 14 Tagen über 55 Grad Celsius liegen, damit unerwünschte Krankheitserreger und Unkrautsamen unschädlich gemacht werden. "Wir erreichen meist 70 Grad Celsius", sagt Doreen Zschemisch-Graßme. "Das Ergebnis ist ein gutes Produkt." Was übrig bleibt - nicht verrottete Äste oder Reste von Müllsäcken - wird energetisch verwertet. Meist nutzt die AGNS Kontingente bei Spreerecycling in Spremberg.

Die AGNS will sich in den nächsten Jahren um die Vermarktung ihrer Komposterde bemühen. Bisher war es nicht nötig, weil das Material bei der Sanierung der verschiedenen Deponien in Spremberg, Forst und Guben eingesetzt wurde und wird. Nur kleinere Mengen haben bisher Bürger abgeholt. Auch Jörg Krenczek und Roland Schuppe probierten die Komposterde. Im Garten waren sie davon weniger begeistert. "Daraus wuchsen Unkräuter, die kannte ich noch nicht", so Krenczek. Deshalb düngt er die Beete lieber mit seinem Kompost.

Zum Thema:
In Forst, Zur Deponie 1, ist an sechs Tagen je Woche geöffnet: Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr und Samstag von 8 bis 13 Uhr. Deshalb kommt hier der meiste Grünabfall zusammen. In Guben im Wilschwitzer Weg öffnet der Recyclinghof Dienstag und Samstag von 8 bis 17 Uhr. In Spremberg befindet sich der Recyclinghof im Buckower Weg, geöffnet ist Mittwoch und Samstag von 8 bis 17 Uhr. In Welzow am Steinweg und in Werben in der Cottbuser Straße 35 haben die Recyclinghöfe nur Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.