Da sitzt er nun. Bernd Beyer hat Platz genommen zwischen den zurechtgerückten Regalen der Stadtbibliothek Forst, nimmt einen Schluck aus seinem Glas und spricht zu den vor ihm platzierten Gästen: "Es geht noch nicht los. Ich setze mich trotzdem schon mal hin, damit Sie sehen, wie ich aussehe, und während der Vorlesung die Augen schließen können." 40 Leute sind gekommen, um zu Beyers Worten ihre Phantasie spielen zu lassen.

Bibliotheksleiterin Gudrun Dockter eröffnet die Veranstaltung und freut sich über den besonderen Anlass. "Eine Buchvorstellung gehört schließlich nicht zum Alltag." Dann hat der Hauptakteur wieder das Wort und beginnt damit, ausgewählte Stücke aus seinem Manuskript vorzutragen. Er nennt sie "Kurzgeschichten unterschiedlicher Intention". Manche sind tragisch, manche komisch.

Den Leuten aufs Maul schauen

Die eine handelt von einer jungen Frau, die keinen Zugriff auf ihr Leben bekommt und Männer nur aus dem Fernsehen kennt. Eine andere nimmt die amüsanten Konversationen eines entfremdeten Ehepaars auf die Schippe. Wenn sich Beyer versehentlich verliest oder in der Zeile verrutscht, sprudelt es fast schon zwangsläufig aus ihm heraus: "Uuups." Spätestens jetzt scheint auch dem Letzten klar zu werden, warum Bernd Beyer seinem Buch jenen nichts und doch so vielsagenden Titel gegeben hat. "Mir ist aufgefallen, dass die Leute dieses Wort recht häufig gebrauchen." Seine schelmischen Handlungen sollen in die Irre führen. Sie sind wie Witze, deren Pointen man bis zuletzt nicht kommen sieht.

Kein Wunder, dass sich Beyer von den Großmeistern der Komik inspirieren lässt. "Ich habe mir Comedy-Serien angesehen, vor allem Loriot oder Harald Juhnke, und habe mich gefragt, ob man aus Witzen auch Geschichten stricken kann?". Man kann. Wenn man wie Beyer eine ausgeprägte Beobachtungsgabe besitzt und wahre Begebenheiten mit erfundenen Passagen anzureichern im Stande ist. Dennoch ist das Gros seiner Ausführungen "erdichtet, erfunden und erlogen".

Den Faible für das geschriebene Wort hat der 56-jährige Forster schon früh für sich entdeckt. Über seine Mutter kam der junge Beyer in den 70er-Jahren zum Dichten, wurde zu DDR-Zeiten sogar mit Preisen dekoriert. "Wenn du älter wirst, hast du aber andere Sorgen und Familie", versucht er zu erklären, weshalb das Schreiben in seinem späteren Leben maximal eine Nebenrolle einnahm. Beyer erlernte stattdessen den Beruf des Elektrosignalmechatronikers. Nach weiteren Studienabschlüssen verdiente er sein Geld als Ordnungshüter im Polizeihauptkommissariat, ehe er im Landesamt für Soziales und Versorgung Brandenburg eine Anstellung fand.

Schreiben für die Gesundheit

Nun aber ist er froh, sich wieder seiner frühen Leidenschaft gewidmet zu haben. "Schreiben ist das, was mich gesund hält", sagt er nicht ohne Pathos. Bernd Beyer ist zudem nicht nur Vorstandsmitglied des Freien Deutschen Autorenverbandes in Brandenburg, sondern auch Gründungsmitglied des Brandenburger Autorenstammtisches und Leiter der Brandenburger Autorenwerkstatt. Als solcher kümmert er sich um die Entwicklung der regionalen Literatur und möchte auch andere anregen, ihre Gedanken mit Worten zum beschreiben und festzuhalten.

Ein Buch über Polizei-Anekdoten, von denen Bernd Beyer gewiss eine Menge auf Lager hat, wird es allerdings nicht geben, da ein Kollege bereits an einem ähnlichen Werk arbeitet. "Da möchte ich nicht in Konkurrenz treten." Ein Zwist um das bessere Buch wäre wohl das nächste "Uuups"-Erlebnis gewesen.