Nahezu lebensecht stehen sie auf ihren Ski und Schlittschuhen, die Noßdorfer Puppen, und lassen den vom Hochsommer erhitzten Besucher gleich um einige Grad abkühlen. "Bis in die 70er-Jahre konnten die Noßdorfer auf dem Mühlenteich ganz hervorragend Schlittschuh laufen", berichtet "Puppenvater" Günter Andreck vom Noßdorfer Wassermühlenverein, der seit den Wahlen vom Freitag auch dessen Vorsitzender ist. "Dann ist er leider eingeebnet worden." Zum Rodeln und Skifahren sei es in die Jamnoer Berge und die Keuneschen Alpen gegangen.

Die Wintersportler sind nur eine von vielen Szenen aus dem alten Noßdorf, die nun im neuen Domizil der Puppenausstellung in einer ehemaligen Kinderkrippe in der Biebersteinstraße aufgestellt sind. "Vorher waren alle 125 Puppen in einem Raum in der Karlstraße untergebracht", so Günter Andreck. Nun sind sie auf mehrere Räume über drei Etagen verteilt und zeigen die verschiedensten Facetten des damaligen Dorfes mit 1500 Einwohnern, "wo es immerhin fünf Tischler gab", bemerkt Günter Andreck.

Vor einigen Jahren hatte der 64-Jährige über das "Bündnis Tradition und Zukunft" angefangen, die Puppen selbst herzustellen. "Ich wollte Noßdorf ein Denkmal setzen." Die erste Puppe entstand komplett aus Styropor, bis Andreck eine Stelle fand, woher er zumindest die Plasteoberkörper und Kopfrohlinge beziehen konnte. Doch der Rest war weiter Handarbeit: Die Beine sind beispielsweise ausgestopfte Kunstdärme aus der Fleischerei, die Hände gefüllte Handschuhe, das Gestell wurde zusammengeschweißt. Das Wichtigste jedoch, die historische Kleidung und die Utensilien, hat Andreck fast ausschließlich von den jeweiligen Gewerken oder über Annoncen bekommen.

Da ist der alte Noßdorfer Tischler Max Feiertag, der noch seine alte Schürze und die Kappe beigesteuert hat. Oder der Fleischer Reinhard Bahlo und die Bäckerei Fumfahr, deren Puppen viele originale Kleidungsstücke tragen. Auch Teile der alten Noßdorfer Kegelbahn hat Günter Andreck gerettet und daraus eine Sport-Ecke gestaltet. Aber auch der ehemalige Kohlenhändler, die Federschleißerin, der letzte Nachtwächter oder die Mütterberatungsstelle sind dargestellt.

Neu ist im Vergleich zur Karlstraße, dass auch viele historische Bilder, Urkunden oder Utensilien zu sehen sind. So habe die Noßdorfer Schule beispielsweise Äxte zur Szene aus der Frühgeschichte beigesteuert, erzählt Günter Andreck.

Die Ausstellung wird am Freitag um 10 Uhr in der Biebersteinstraße 4 eröffnet. Sie ist jeweils dienstags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet, größere Gruppen sollten sich bei Günter Andreck anmelden unter Telefon 0160 97675520 oder 03562 983266.