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| 14:13 Uhr

Was ist Liebe?
„Und dann brachte Gollum die Ringe“

FOTO: Heike Hirmer
Forst. „Irgendwas mit Liebe“ lautet der Titel der neuen Serie der RUNDSCHAU-Volontäre. Ausgefallen, konservativ, anders? Facetten der Liebe stehen im Fokus. Zum Serienstart hat Josephine Japke mit einer Hochzeitsplanerin gesprochen. Von Josephine Japke

Der schönste Tag im Leben – wenn Paare sich trauen, soll alles perfekt sein: Ort, Atmosphäre, die Feier, das Kleid.  Auch Heike Hirmer stand schon vorm Traualtar. 2004 hat die Forsterin geheiratet. Der schönste Tag ihres Lebens war es allerdings nicht, eher das Gegenteil.

„Meine eigene Hochzeit war eine einzige Katastrophe“, sagt die Hochzeitsplanerin: Das Standesamt ist abgesoffen, Gäste haben sich gestritten, die Rosen im Brautstrauß waren welk, mit der Schleppe blieb sie im Fahrstuhl hängen und die ersten Eheringe landeten auf der Müllkippe. Auch die Hochzeitsreise in die Karibik konnte das Debakel nicht retten. „Alles lief so schief, da konnte ich nur Hochzeitsplanerin werden, um es besser zu machen“, sagt sie mit einem Mix aus Augenrollen und Lachen.

Natürlich habe sie aus Liebe geheiratet, sagt Heike Hirmer. Doch für die Partnerschaft sei eine Hochzeit nicht entscheidend. „Es gibt dem Partner ein Achtungszeichen und es ist wichtig, rechtlich zusammen gehören. Doch für das Herz ist der Trauschein irrelevant.“

Seit elf Jahren ist Heike Hirmer nun schon freie Rednerin und Hochzeitsplanerin. Vom Erzgebirge bis nach Eberswalde betreut sie Hochzeiten, hält freie Trauungen ab, führt Ehe-Jubiläen, Namensweihen und Eheversprechen-Erneuerungen durch. Für die Einzelunternehmerin aus Forst ein Full-Time-Job, in dem es keine Pausen gibt.

FOTO: Heike Hirmer

Eigentlich ist es kein Beruf, sondern eine Berufung“, erklärt Heike Hirmer. Die waschechten Gefühle am schönsten Tag des Lebens fremder Menschen hautnah aus der ersten Reihe mitzuerleben, ist für sie etwas ganz Besonderes.

Die Hände des Brautpaares zittern, sie sind nervös und zupfen an ihrer Kleidung, sie haben nur Augen für sich und blenden alles andere aus und die Stimme bricht oder schwindet, wenn sie erklären sollen, was sie am anderen lieben. „Das ist der emotionalste Moment der Zeremonie“, berichtet sie.

Oft sind es dann die banalen Dinge, die die Eheleute in diesen Momenten nennen: Ich liebe meinen Partner, weil er am besten den Kopf kraulen kann und die besten Eintöpfe kocht. Auch für Heike Hirmer zeigt sich Liebe im Alltag: „Liebe definiert jeder anders. Für mich ist es das Vertrauen zu meinem Partner, um mich so zeigen zu können, wie ich wirklich bin.“

Ein Trend zum Heiraten ist in Deutschland erkennbar. 2017 haben laut Statistischem Bundesamt 407 000 Paare den Bund der Ehe geschlossen. Das sind 3000 mehr als im Vorjahr. Liebe ist dabei die stärkste Motivation. Zumindest haben das 89 Prozent der Befragten im vergangenen Jahr in einer Forsa-Umfrage angegeben. Viele Ehen scheitern allerdings auch. 153 500 Scheidungen zählt die deutsche Bundesstatistik für 2017, 9000 mehr als 2016.

FOTO: Heike Hirmer

Jede „ihrer“ Hochzeiten liegt der Forsterin am Herzen. Trauungen im Berliner Dom, auf der Moritzburg und am Senftenberger See gehören noch zu den weniger ausgefallenen Orten. Auch in Italien traute sie schon ein Paar, bei untergehender Sonne in den Weinbergen auf Ischia im Golf von Neapel.

Am Pariser Eiffelturm führte sie eine Eheversprechen-Erneuerung durch und in der Biosphäre Potsdam gestaltete sie eine Dschungel-Trauung. „Richtig verrückt wurde es auf einer ‚Herr der Ringe‘-Hochzeit auf einem Schiff, auf dem erst eine Schlacht nachgespielt wurde und später Gollum die Ringe brachte“, erklärt sie.

60 bis 130 freie Trauungen führt Heike Hirmer im Jahr durch. Vor allem im Juni und August trauen sich die meisten Paare. Dann tanzt sie, sprichwörtlich, auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig. Etwa 70 Prozent der Paare werden durch Weiterempfehlung auf sie aufmerksam. Alle wenden sich mit dem Wunsch „nach etwas Besonderem“ an sie.

„Der Rahmen im Standesamt ist sehr offiziell und traditionell. Bei einer freien Trauung ist alles viel individueller“, sagt die Einzelunternehmerin. Dann können abermals die Ringe gewechselt, Trauzeugen benannt und kann eine Heiratsurkunde unterschrieben werden. Sowohl die Rede, als auch das Programm gestaltet Heike Hirmer in Absprache mit dem Brautpaar.

Manche Paare haben so genaue Vorstellungen, dass sie eine ganze Mappe gefüllt mit Stichpunkten und Bildern mitbringen, die Heike Hirmer umsetzen soll. Der Großteil allerdings übergibt ihr bereitwillig die Leitung und lässt sich auf ihre Ideen ein. „Die Chemie zwischen den Paaren und mir muss stimmen, denn nur wenn wir uns gegenseitig vertrauen, können wir gut zusammenarbeiten.“ Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Trends der aktuellen Saison. Auf Youtube, bei Messen und in Fachzeitschriften findet Heike Hirmer Inspirationen. „Momentan geht der Trend ganz klar zum Vintage-Look, also zu Dingen, die wirken, als seien sie aus einer anderen Zeit“, sagt der Profi.

Auch Naturmaterialien, wie Baumstämme oder Holzscheiben, Moos, Gräser und Blumen sind stark gefragt. Statt zum klassisch-weißen Kleid griffen immer mehr Bräute zur cremefarbenen Variante. „Kaum noch im Trend sind Feuerwerke, klassische Sektempfänge und traditionelle Spiele, wie Holzsägen oder Laken ausschneiden“, so Hirmer.

Um alle Wünsche zu erfüllen, befinden sich in ihrem Hochzeitslager tausende Ausstattungs- und Deko-Materialien: 600 Hussen und Schleifen, verschiedene Traukulissen, Blumenranken, Kerzenleuchter, Koffer, Vogelkäfige und Ringkissen. Dazu kommen Möbel, Teppiche und Technik.

Sie selbst, sagt Heike Hirmer, ist keine Romantikerin und braucht kein Chichi. „Wenn ich selbst romantisch wäre, wäre das fatal, weil ich mich in Details verlieren und zu emotional werden würde“, sagt die 45-Jährige, die sich als Realist und Optimist bezeichnet.

Und weil jeder Liebe anders definiert, hat sie kein Problem damit zu sagen, dass sie auch für ihren Beruf Liebe empfindet. „Was ich tue, ist mein Baby. Ich könnte ohne meine Arbeit nicht mehr leben“, gesteht Heike Hirmer. Für ihre eigentliche Liebe hat sie noch einen Traum: „Irgendwann möchte ich, dass mein Mann und ich unsere Flitterwochen wiederholen und in der Karibik unsere Ehe-Versprechen erneuern lassen. Dann wird alles besser, als beim ersten Mal.“

FOTO: Heike Hirmer