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| 01:02 Uhr

Wenn Fischreichtum zum Problem wird

Forst.. Für Bruno Wohlfahrt ist die Sache klar: „Da soll was vertuscht werden.“ Der Hobby-Angler verweist auf ein „Fischsterben“ im abgelassenen Mühlgraben. Es sei zu wenig gemacht worden, um die Tiere zu bergen, meint er. Ein Vorwurf, der von Hartmut Sterz, Kreisgewässerwart im Landesangelverband, energisch zurückgewiesen wird. Die zuständige untere Fischereibehörde war über ein Fischsterben gestern Vormittag nicht informiert. Von Jürgen Scholz

Die Vorgeschichte scheint relativ klar: Alljährlich wird das Wasser im Mühlgraben abgelassen - unter anderem, damit dringend notwendige Instandsetzungs und Pflegearbeiten an dem Graben stattfinden können. Über die anstehenden Arbeiten wurde vom Landesumweltamt auch vorab informiert. Vor zweieinhalb Wochen standen mehr als ein Dutzend Angler des Angelvereins Forst-Nord bereit, um mit dem Absenken des Wasserspiegels möglichst viele Fische umzusetzen. Zwei Bottiche voll, etwa tausend Kilogramm seien das gewesen, erklärt Sterz. In den darauf folgenden Tagen sei die Bergung fortgesetzt worden, dann sollten Vereins-Angler, die am Mühlgraben wohnen, ein Auge auf das weitere Geschehen werfen und gegebenenfalls handeln, erklärt Sterz das abgestimmte Vorgehen. Ihm ist aber auch klar: „Man wird nie alle Fische herausbekommen.“
Henrik Schuhr, Sachgebietsleiter bei der Fischerbehörde in der Kreisverwaltung, hatte gestern Vormittag keinen Hinweis auf ein aktuelles Fischsterben erhalten.
Das zuständige Landesumweltamtes habe die Angler vorab informiert, die dann die Umsetzung starteten. Es habe im Nachhinein zwar Hinweise auf „ein paar tote Fische“ gegeben, so Schuhr, aber nicht in größerem Umfang. So umfänglich der vorübergehende Eingriff an der Fischerei- Ökologie im Mühlgraben sei - die Neiße führe dadurch einmal wieder etwas mehr Wasser. „Sollte es Hinweise auf ein Fischsterben geben, dann sollten wir oder das Veterinäramt verständigt werden“ , erklärte Schuhr. Man müsse sicherstellen, dass sich keine Krankheit ausbreite.
Konrad Prach wohnt am Max-Mattig-Weg - direkt neben dem Mühlgraben. Mit Joachim Kielon aus der gegenüber liegenden Gartengemeinschaft Wehrinsel habe er gestern die heran geschwemmten Fische aus dem Schlamm genommen, als die Bauarbeiten näher kamen und dabei die Restlöcher trocken geschoben wurden. „Etwa 1500“ seien es gewesen, die sie gewaschen und in Eimern mit dem Auto zur Neiße gebracht hätten, schätzt Prach. Aber: „Irgendwie ist das alles nicht rund gelaufen“ , meint er und betont zugleich, dass er als Mitglied im Angelverein Forst Nord gehandelt habe.
Hartmut Sterz, ebenfalls Mitglied bei den Forster Anglern, sieht allerdings kaum eine Chance, dass alle Fische umgesetzt werden können. „Am Ende profitieren aber auch wir von den Arbeiten.“ Wenn der Grabengrund nämlich wieder begradigt sei, könnten die Fische mit dem Wasser abfließen. Eine andere Variante habe man noch nicht anwenden dürfen. Derzeit würden sich etwa 25 bis 30 Mitglieder auf die B-Prüfung vorbereiten. Dann könne man versuchen, ob mit Elektro-Fischen mehr Tiere zu bergen wären. Aber in ausreichend tiefen Restlöchern die Tiere zusätzlich unter Stress zu setzen bringe auch nichts, meint Sterz.

Hintergrund Amt bittet um Hinweise bei einem Fischsterben
 Für den Fall, dass ein Fischsterben beobachtet wird, bittet die untere Fischereibehörde um eine Information (03562/986-18300 oder -18322), erklärt deren Sachgebietsleiter Henrik Schuhr. Auch das Veterinäramt sei ein Ansprechpartner (03562/986-13900). Man müsse immer ausschließen, dass eine Fischseuche existiere, die auf andere Bereiche übergreifen könne.