Wenn es Nacht wird in Rietschen, besser gesagt, wenn es Abend wird, dann rücken sie in Heerscharen an: Schnecken ohne Gehäuse, schwarze, braune, rote, in allen nur erdenklichen Längen. „Die längsten Exemplare sind zehn bis fünfzehn Zentimeter lang, wie kleine Schlangen“ , erklärt Frank Wichor der RUNDSCHAU.
Im Nu sei ein Teil des Gartens des Rietscheners von den ekligen, schleimigen Gesellen übersät. „Manchmal sind es mehrere hundert“ , schätzt Wichor. So geht es nun schon einige Zeit. Das Grundstück der Rietschener Familie wird von einer regelrechten Invasion der Nacktschnecken heimgesucht. „Ihr Auftreten ist abhängig von der Witterung. Warm muss es sein und feucht, dann kann man damit rechnen, dass sie etwa ab 18.30 Uhr ihre Wanderschaft in unseren Garten antreten. Sie kommen aus dem angrenzenden Feld, einer landwirtschaftlichen Stilllegungsfläche, die noch nicht gemäht ist“ , erzählt Frank Wichor.
So um 22 Uhr sei dann meist die Fläche voll und dann würde das muntere Treiben oder besser gesagt, das große Fressen, bis zum Morgen anhalten, bevor sich die Schnecken wieder in ihre Ver stecke im Feld zurückziehen.
Wichors haben noch keinen großen Schaden erlitten, denn sie haben die Beete, auf denen Gemüse wächst, extra gesichert, so dass sich die ungebetenen Gäste lediglich auf einem eher unbedeutenden Stück Grasland „austoben.“ Trotzdem scheint Wichors das Ganze nicht geheuer, denn an eine Plage in einer solchen Dimension können sie sich nicht erinnern.
„Es ist ja auch eine äußerst unappetitliche Angelegenheit. Wenn man nicht aufpasst, tritt man in eine eklige, schleimige Masse“ , sagt Frank Wichor.
Was unternimmt er gegen diese Invasion? „Es gibt viele gutgemeinte Ratschläge. Alte Bauern- und Gärtnerregeln werden empfohlen, beispielsweise die, ein Glas mit etwas Bier in den Garten zu stellen. Wir sammeln beispielsweise die Schnecken ein und werfen sie in einen Eimer mit Fitwasser“ , erläutert Wichor hierzu.
Er hat gleich noch einen Vorschlag parat: „Ich habe gelesen, dass die Störche in Brandenburg keine Nahrung mehr finden und deshalb ihre Jungen aus dem Nest werfen. Naturschützer könnten doch die Schnecken bei uns einsammeln – wir haben ja schließlich genug davon – und sie in der Nähe von Storchenhorsten ausschütten, da haben die Störche genug zum Fressen.“
Für Karin Riedel, Zootierinspektorin im Görlitzer Tierpark, keine ernsthaft zu diskutierende Idee. „Störchen kann man nicht das Futter wie auf einem Präsentierteller anbieten. Sie suchen es sich selbst. Was würden die Anwohner dazu sagen, wenn in der Nähe ihrer Häuser – dort befinden sich ja die Horste – Unmengen von Nacktschnecken ausgekippt werden? Außerdem: Dass Störche, wenn sie zu viele Jungen haben, das schwächste aus dem Nest stoßen, ist eine normale Erscheinung in der Natur. Dagegen helfen auch die Schnecken nicht“ , betont die Fachfrau aus dem Görlitzer Tierpark auf Nachfrage der RUNDSCHAU.
Karin Riedls Rat: „Der Mann sollte sich Laufenten anschaffen, die fressen die Schnecken sehr gern. Im übrigen muss man mit einer solchen Situation leben. Die Gärtner können auch Schneckenzäune aufstellen, um das Gemüse vor den Plagegeistern zu schützen.“

Zum Thema: So können Nacktschnecken bekämpft werden
 In einschlägigen Internetforen geben Kleingärtner zur Bekämpfung von Nacktschnecken u. a. folgende Tipps: Sägemehl um die Beete streuen; getrockneten Kaffeesud zwischen und unter die Salatblätter geben; Gläser mit etwas Bier aufstellen oder Schneckenkörner ausbringen (Vorsicht Gift).