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Wenn die Kirche zur Bühne wird

"Zwischen uns" hieß das Thema für die Tänzer Anna Fingerhuth (Berlin) sowie Ioannis Avakoumidis vor dem Altar. Begleitet wurden sie von Peter Wingrich aus Cottbus an der Orgel.
"Zwischen uns" hieß das Thema für die Tänzer Anna Fingerhuth (Berlin) sowie Ioannis Avakoumidis vor dem Altar. Begleitet wurden sie von Peter Wingrich aus Cottbus an der Orgel. FOTO: Margit Jahn/mjn1
Forst. Einen künstlerischen Hochgenuss haben die Besucher am Sonntag von der Tanzkompanie Golde Grunske in der St. Nikolaikirche geboten bekommen. Margit Jahn / mjn1

Die Tage der Musik für Orgel, Stimmen und Instrumente haben mit einer Kombination aus Tanz und Orgel auch Station in Forst gemacht. "Zwischen uns" thematisiert die Distanz und die Nähe zwischen Menschen und macht dabei Kirche und Altarraum zur Bühne.

Gleich zu Beginn füllten die beiden Tänzer Anna Fingerhuth (Berlin) sowie Ioannis Avakoumidis (Berlin) den Kirchenraum mit ihrer Präsenz, näherten sich von den Seiten langsam der Bühne.

Distanz war das erste und eindeutige Thema. In völlig gegenläufigen Parallelen umrundeten die beiden Tänzer unzählige Male ihren eigens geschaffenen Raum. Absolut parallel, auch ohne sich anzuschauen, tanzten die beiden. In der einen Stunde, völlig ohne Worte, entführten sie die Zuschauer in eine andere Welt. Mimik und Gestik wurden so überdeutlich eingesetzt, dass es keiner Worte bedurfte.

Als dann nach stillem Tanzbeginn irgendwann die intensiver werdende Musik dazu kam, schauten sich die Zuschauer einfach nur noch gebannt das emotionale Zwischenspiel der beiden in dezent schwarz-grau-violett gekleideten Künstler an. Mal leise, dann wieder fordernd laut, tanzte auch Peter Wingrich gekonnt über die Tasten der Eule-Orgel mit ihren 37 Registern. Sehr eindringlich und in durch die Form des Kirchenschiffes guter Akustik, thronte die Musik über den ausdrucksstarken Tänzen von Anna Fingerhuth und Ioannis Avakoumidis. Es erklangen unter anderem Musikstücke von Philip Glass, Simeon ten Holt und Johann Sebastian Bach.

Nach der anfangs eindeutigen Distanz wurde langsam Nähe aufgebaut. Respekt, Vertrauen, Geborgenheit, aber auch Verletzungen, Schwerelosigkeit und Zerrissenheit brachten die beiden Tänzer so eindringlich rüber, dass man zwischendurch kaum zu atmen wagte - besonders in den Zwischenzeiten, in denen ohne jegliche Musik getanzt wurde. Alles war ein fließender Übergang, immer jemand in Bewegung und auch in der scheinbar völligen Ruhe war kein Stillstand erkennbar. Es wurde ausgelotet, wem der Raum gehört. Mein Raum? Dein Raum? Unser Raum?

Am Ende des Stückes war das Vertrauen soweit aufgebaut, das Fallenlassen und Verschlingungen im Vordergrund standen und die beiden Protagonisten sich voll ausleben konnten.

Sehr ausdrucksstark ist diese Inszenierung von Golde Grunske umgesetzt worden. Das Publikum gab stehend Ovationen. "Welch wunderbarer Abend", dankte Pfarrer Christoph Lange den Künstlern. "Eine Stunde, aber klasse!", raunte eine noch im völligen Bann stehende Besucherin ihrem Begleiter beim Rausgehen zu.

Am Sonntag, 21. Mai, gibt es um 17 Uhr in der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai nochmals die Gelegenheit, das Stück anzuschauen.