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| 16:33 Uhr

Problem
Weniger Service durch Technik?

Forst/Spree-Neiße. Befürchtungen von Behinderten und Älteren sind laut Volksbank Spree-Neiße unbegründet. Von Steffi Ludwig

Die Volksbank Spree-Neiße plane ab Oktober die Einschränkung ihrer Serviceleistungen in den Filialen, bemerkte Doris Dreßler gegenüber der RUNDSCHAU. Als Gerichtsbetreuerin kümmert sich die Forsterin auch um Ältere und Behinderte, die dann kein Geld mehr am Schalter abheben könnten. Sie befürchte auch die Abschaffung von Beratungsschaltern. Für ihre Schützlinge, die ihre Bankgeschäfte teilweise alleine regeln, wäre das eine starke Beeinträchtigung. „Gerade ältere und behinderte Menschen brauchen eine gewisse Sicherheit und eine gute Betreuung vor Ort“, sagt sie.

Das bestätigt auch Felix Göbel. Der 69-jährige Spremberger ist blind. Er erledigt seine Bankgeschäfte alleine und fände es „ein starkes Stück“, wenn der Service in der Volksbank eingeschränkt oder gar abgeschafft werden würde. Momentan werde er sehr gut von den Mitarbeiterinnen in der Spremberger Filiale betreut. Schon jetzt hebe er sein Geld am Automaten ab – mithilfe einer Bankmitarbeiterin, die ihm beispielsweise den Zeitpunkt nennt, zu dem er die Pin eingeben muss. Kontoauszüge hole er selbst. Wenn jedoch diese persönliche Betreuung wegfalle, wäre das schlimm für ihn. Dann müsse sie als Gerichtsbetreuerin entscheiden, ob sie mit ihrem Mandanten die Bank wechsele, so Doris Dreßler.

Die Volksbank Spree-Neiße teilt auf Nachfrage mit, dass die Bank tatsächlich ihre Geschäftsstellen mit neuer Technik ausstattet – also mit Geldautomaten mit Ein- und Auszahlfunktion. An diesen Automaten sei es rund um die Uhr möglich, Geld abzuheben oder einzuzahlen. Die Geschäftsstellen werden bargeldlos, der Bargeldverkehr verlagere sich vollständig auf die Automaten, teilt Vorstand Frank Baer mit.

Grund sei einmal, dass dies den Mitarbeitern mehr Sicherheit biete. Andererseits solle das Augenmerk mehr auf die Beratungen gelegt werden, da sich hier auch die Kundenbedürfnisse geändert hätten. „Es hat sich gezeigt, dass eine Geschäftsstelle der Zukunft neue Funktionen erfüllen muss“, so Baer. Sie werde mehr und mehr ein Ort intensiver Beratung und könne sich zugleich auch der digitalen Zukunft nicht verschließen.

Ältere und Behinderte bräuchten deshalb keinerlei Befürchtungen haben, denn sie würden weiter jederzeit und individuell von den Bankmitarbeitern betreut – auch bei der Bedienung der Bankautomaten. Einsparungen beim Personal soll es laut Volksbank-Vorstand keine geben.

Einige Geschäftsstellen wie Guben, Bad Muskau und Weißwasser seien bereits mit der neuen Technik ausgestattet, bis Oktober sollen alle Geschäftsstellen folgen.

Für Felix Göbel ist das eine zufriedenstellende Aussage. „Hoffentlich bleibt es auch dabei“, ist ihm wichtig – ebenso wie seiner Gerichtsbetreuerin: „Es darf eben nicht sein, dass die Älteren und Behinderten alleingelassen werden im Zuge der neuen Technik“, sagt sie und führt das Bundesteilhabegesetz an – und den Fakt, dass bei der Sparkasse Spree-Neiße in den kritisierten Punkten alles beim Alten bleibe.

Das bestätigt Pressesprecherin Anja Schroschk. „Zu unseren umfangreichen Finanzdienstleistungen zählt selbstverständlich auch die Möglichkeit der Bargeldein- und Bargeldauszahlung in unseren Geschäftsstellen.“ Kassenschalter würden weiter vorgehalten. „Die Nähe zu unseren Kunden ist uns sehr wichtig.“

Bei der Commerzbank sind dagegen bereits seit einigen Jahren vielerorts die Kassenschalter abgeschafft worden: In den Filialen Guben und Spremberg gibt es seit 2005, in der Filiale Forst seit 2012 keine Kasse mehr. In der Filiale in Cottbus sei dagegen weiterhin eine Kasse vorhanden, teilt Sabine Schanzmann-Wey, Pressesprecherin Region Ost, auf Nachfrage mit. Hintergrund der Abschaffung der Kassenschalter sei, dass sich Bargeldtransaktionen zunehmend von der Kasse auf Geldautomaten verlagert hätten. Aktuell werden nach Auskunft der Pressesprecherin bereits mehr als 90 Prozent aller Bargeldgeschäfte über Selbstbedienungsgeräte getätigt. An den Standorten, an denen die Kasse abgebaut worden ist, sei gleichzeitig jeweils ein Geldautomat sowie ein kombinierter Ein- und Auszahlautomat installiert worden. Diese Automaten seien behindertengerecht, sodass zum Beispiel auch Rollstuhlfahrer sie bedienen könne. „Ältere oder behinderte Kunden, die Hilfe beim Umgang mit den Geräten benötigen, erhalten durch unsere Mitarbeiter eine Einweisung und die nötige Unterstützung“, versichert Sabine Schanzmann-Wey. Die Stärke der Filiale liege auch bei der Commerzbank vor allem in der persönlichen Beratung und in persönlichen Serviceleistungen.