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| 13:16 Uhr

Preschen
Ein Gedenkstein zieht um

 Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Mit zwei Radladern wird der Stein des Preschner Weltkriegs-Denkmal in Position gebracht.
Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Mit zwei Radladern wird der Stein des Preschner Weltkriegs-Denkmal in Position gebracht. FOTO: Sven Hering
Preschen. In Preschen hat das jahrzehntelang verschollene Kriegerdenkmal einen neuen Standort gefunden. Um den Stein zum neuen Standort zu transportieren, war viel Fingerspitzengefühl gefragt. Von Sven Hering

Wilfried Kaltschmidt hat es fast geschafft. Sein Denkmal-Projekt, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Einwohner des Ortes Preschen erinnern soll, steht kurz vor der Fertigstellung. Der schwierigste Teil des Vorhabens, der Transport des tonnenschweren Gedenksteins zum neu angelegten  Fundament, wurde jetzt abgeschlossen.

Die Fotokamera hatte Wilfried Kaltschmidt natürlich dabei, um diesen besonderen Augenblick festzuhalten. „Damit man sich später auch noch daran erinnern kann“, betonte der 83-Jährige.

 Sieben Namen stehen auf der Tafel des Preschener Weltkriegs-Denkmal. Junge Männer, gestorben im Krieg. Jahrzehnte war das Denkmal verschüttet. Hier wird der Gedenkstein für den Transport zum neuen Standort vorbereitet.
Sieben Namen stehen auf der Tafel des Preschener Weltkriegs-Denkmal. Junge Männer, gestorben im Krieg. Jahrzehnte war das Denkmal verschüttet. Hier wird der Gedenkstein für den Transport zum neuen Standort vorbereitet. FOTO: Sven Hering

Da hatte sich der Radlader bereits in Bewegung gesetzt. Im Schritttempo rückwärts fahrend transportierte er den mit Schlingen eingefassten Stein zum etwa dreihundert Meter entfernten neuen Standort direkt neben dem alten Feuerwehrgerätehaus.

Denkmal-Projekt in Preschen ist ein großer Erfolg

In den vergangenen Wochen war dort ein Fundament errichtet worden. Zuvor hatte Kaltschmidt etwas getan, was er bisher noch nie gemacht hatte, wie er verriet. „Ich bin  Klinken putzen gegangen im Ort. „Zum ersten Mal in meinem Leben“, erzählte er.

Mit seiner Aktion hatte er großen Erfolg. Einwohner steckten den einen oder anderen Schein in die Spendenbox.  Firmen spendierten sogar etwas größere Beträge. Ein Planungsbüro kümmerte sich um die Statik.

Firmen aus der Region wie die Agrargenossenschaft Gahry, das Unternehmen Döhler aus Döbern und natürlich die Firma Kaltschmidt stellten die Technik zur Verfügung – und die Leute, die diese bedienen können. Das taten diese dann auch meisterhaft.

 Unter den Augen von Wilfried Kaltschmidt (l.) wird der Gedenkstein in Preschen vorsichtig angehoben.
Unter den Augen von Wilfried Kaltschmidt (l.) wird der Gedenkstein in Preschen vorsichtig angehoben. FOTO: Sven Hering

Der Höhepunkt der Aktion hätte einen Auftritt bei „Wetten dass“ verdient gehabt, wenn es denn die Show noch gäbe: Mit zwei Radladern wurde der Gedenkstein auf dem neuen Fundament millimetergenau in Position gebracht.

Wilfried Kaltschmidt hatte zuvor auch noch zusätzlich seine Videokamera eingeschaltet, um auch dieses Ereignis festzuhalten. Am Ende lief alles wie am Schnürchen. Die Wasserwaage lieferte schließlich den Beweis: der Stein passt.

Offizielle Einweihung von Denkmal in Preschen geplant

Was jetzt noch fehlt ist die offizielle Einweihung. Die soll es auf jeden Fall noch in diesem Jahr geben, betont Kaltschmidt. Einige der Nachfahren der auf der Tafel verewigten Soldaten haben ihr Kommen bereits zugesagt.

 Wilfried Kaltschmidt nimmt noch einmal Maß am Denkmal. Es ist fast vollbracht. Der Preschner ist zufrieden.
Wilfried Kaltschmidt nimmt noch einmal Maß am Denkmal. Es ist fast vollbracht. Der Preschner ist zufrieden. FOTO: Sven Hering

Sieben Namen stehen auf der Tafel. Alles junge Männer, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal zerstört, die Tafel einfach vergraben, der Steinsockel zertrümmert.

Wilfried Kaltschmidt hat sie wieder hervorgeholt. Als Mahnung, alles für eine friedliche Welt zu tun. So steht nun ein ehrgeiziges Projekt vor dem Abschluss, das für den kleinen Ort Preschen eine so große Bedeutung hat.