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Pflegende Angehörige
Keine Scheu vor Hilfsangeboten haben

Sozialberaterin Kathleen Massnick (r.) vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße mit der Forster Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige.
Sozialberaterin Kathleen Massnick (r.) vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße mit der Forster Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige. FOTO: Steffi Ludwig / LR
Forst. Welche Unterstützung sich pflegende Angehörige in Spree-Neiße holen können – der Pflegestützpunkt informiert die neue Selbsthilfegruppe in Forst. Von Steffi Ludwig

Wer seine Eltern oder den Partner pflegt oder diese vom Pflegedienst oder im Pflegeheim betreuen lässt, hat oft den Kopf voll und viele Fragen: zur Organisation der Pflege, zur Finanzierung des Ganzen und dazu, wie man persönlich seine Kräfte einteilen sollte. Im November ist in Forst die erste Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige gestartet, die sich diesen Fragen widmen möchte.

Um vor allem die finanziellen Aspekte zu klären, hatte die Selbsthilfegruppe am Mittwoch Sozialberaterin Kathleen Massnick vom Pflegestützpunkt Spree-Neiße eingeladen. Es gehe darum, Irrtümer aus dem Kopf zu bekommen, beispielsweise zu dem Thema, wie viel von der Rente übrig bleibe, sagte Hedwig Klingelhöfer, Initiatorin der Gruppe.

Kathleen Massnick informierte deshalb über die sogenannte Hilfe zur Pflege, die ein Teil der Sozialhilfe ist und beantragt werden kann, wenn das eigene Geld nicht ausreicht – für das Pflegeheim, aber auch für den Pflegedienst, der nach Hause kommt. „Haben Sie keine Scheu, die Gelder zu beantragen“, sagte die Sozialberaterin und nannte ein Beispiel: Wenn der Pflegegrad 3 bewilligt wurde, der Pflegedienst jedoch mehr machen müsse und deshalb auch mehr Geld verlange, ein Antrag auf Höherstufung jedoch abgelehnt wurde und die Gelder der Pflegekasse und die Rente nicht ausreichen, könnte solch eine Hilfe zur Pflege beantragt werden. Ab Pflegegrad 2 sei das möglich. Die Hilfe sei einkommens- und vermögensabhängig, deshalb werde der Betrag immer individuell berechnet.

Von der Rente stehe dem zu Pflegenden ein Barbetrag von 112,32 Euro zu, der beispielsweise für Hygieneartikel oder Friseur verwendet werden kann. Zweimal pro Jahr könne eine Kleiderbeihilfe beantragt werden. Die restliche Rente werde für die Pflege beziehungsweise für Unterkunft und Verpflegung im Pflegeheim verwendet. Auch Gespartes müsse erst aufgebraucht werden – allerdings könne ein sogenanntes Schonvermögen von 5000 Euro und zuzüglich noch einmal 5000 Euro für den Ehe- und Lebenspartner auf dem Konto bleiben, so die Sozialberaterin. Diese Beträge hatten sich zuletzt erhöht.

Kathleen Massnick versuchte auch, den Forstern die Angst vor dem Elternunterhalt zu nehmen, also dem Fakt, dass die Kinder für die Pflege der Eltern aufkommen müssen. Dies sei zwar so, jedoch seien die Selbstbehalte, die die Kinder haben können, so hoch, dass dies nur selten zum Tragen komme: Die Selbstbehalte liegen bei 1800 Euro bereinigtem Einkommen pro Monat, also von dem bereits fixe Kosten wie Miete, Kredite oder Versicherungen abgezogen sind, bei Verheirateten sind dies 3240 Euro. Enkel seien zudem nicht unterhaltspflichtig.

Wer eine Beratung zu diesen Themen brauche, könne gern im Pflegestützpunkt Spree-Neiße vorbeikommen. Dieser ist seit 2010 im Forster Kreishaus untergebracht – als einer von 19 Pflegestützpunkten in Brandenburg. „Wir geben eine neutrale und kostenlose Beratung, egal welche Krankenkasse der Betroffene hat“, so Kathleen Massnick. Denn getragen werde der Pflegestützpunkt von der AOK, der Knappschaft und dem Landkreis Spree-Neiße. Eine gut angenommene Außensprechstunde gibt es seit 2011 in Spremberg. Die meisten Ratsuchenden kämen bei Akutfällen, wo also eine Pflege unmittelbar bevor stehe oder schon laufe, und zum Thema Vorsorgevollmachten.

„Wir machen aber auch Hausbesuche“, so die Mitarbeiterin. Einzugsbereich sei der ganze Landkreis. Es kämen jedoch auch Hilfesuchende aus Weißwasser oder Schleife, da es in Sachsen keine Pflegestützpunkte gebe, sondern Pflegeberater bei den Kassen.