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Tarifstreit
Weitere Warnstreiks bei Falck im Landkreis Spree-Neiße

Spree-Neiße. Betroffen sein sollen nur die Krankentransporte. Das Unternehmen  kritisiert Aktion als überzogen.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH im Landkreis Spree-Neiße für Donnerstag und für Freitag von jeweils 8 Uhr bis 15 Uhr erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. Das Unternehmen wiederum nannte den Aufruf der Gewerkschaft einen Erpressungsversuch.  Dass Verdi trotz eines gemeinsam vereinbarten Gesprächs am 10. April in Berlin zu einem zweitägigen Warnstreik aufrufe, sei völlig inakzeptabel.

Wie schon beim ersten Warnstreik am 29. März sind laut Verdi-Verhandlungsführer Ralf Franke die drei Krankentransportwagen (KTW) vom Warnstreik betroffen. Für die zehn Rettungswagen (RTW) und die drei Noteinsatzfahrzeuge (NEF) gebe es einen Notdienst, sodass diese Rettungsmittel vom Warnstreik nicht betroffen seien. Eine Streikversammlung werden es am Donnerstag um 9 Uhr vor der Rettungswache in Spremberg geben.

Mit dem Warnstreik will die Gewerkschaft die Forderung bei den laufenden Tarifverhandlungen für die 131 Beschäftigten des Rettungsdienstes im Landkreis Spree-Neiße bekräftigen. Ziel sei die Angleichung der Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst im Landkreises Spree-Neiße an die Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst in der Stadt Cottbus, im Landkreis Elbe-Elster und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Ein Notfallsanitäter beim Rettungsdienst im Landkreis Spree-Neiße erhalte in den ersten drei Beschäftigungsjahren 21 Prozent  beziehungsweise über 6000 Euro weniger Entgelt im Jahr als ein Notfallsanitäter bei der Stadt Cottbus, beim Landkreis Elbe-Elster und in den DRK-Rettungswachen des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Ab dem vierten Beschäftigungsjahr betrage der Abstand immer noch mehr als 14 Prozent oder 4600 Euro im Jahr, so Franke, der prophezeit: „Der Abstand wird weiter steigen, sobald es im öffentlichen Dienst zu einer Tariferhöhung kommt.“ Wenn es  nicht gelinge, die Arbeitsbedingungen denen der Nachbargebiete  anzugleichen, „wird es zu erheblichen Personalengpässen im Rettungsdienst im Landkreis Spree-Neiße kommen“, so Ralf Franke. „Am 3. April 2018 ist in Forst der Krankentransportwagen auch ohne Streik stehen geblieben, weil nicht genügend Rettungsdienstpersonal zur Verfügung stand.“ Bislang erhalten laut Verdi die nach dem 1. Januar 2018 neu eingestellten Beschäftigten keine Jahressonderzahlung als Weihnachtsgeld und keine Altersversorgung.

Die Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH verurteilt den Aufruf der Gewerkschaft zu einem zweitägigen Warnstreik auf das Schärfste, teilte Unternehmessprecher Christoph Lippay mit. Der  zweitägige Warnstreik trotz feststehenden Verhandlungstermins sei völlig inakzeptabel und komme einem Erpressungsversuch gleich, um die Gehaltsforderungen in Höhe von 32 Prozent mit aller Gewalt durchzusetzen. Leidtragende seien die Patienten und eine verunsicherte Bevölkerung. Falck werde alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um den Krankentransport am 5. und 6. April aufrecht zu erhalten. Für alle kritischen Zwischenfälle und Wartezeiten sei dann einzig die Gewerkschaft verantwortlich.

Falck-Geschäftsführer Klaus Runggaldier bezeichnete die geforderte Gehaltserhöhung als völlig indiskutabel. Die Forderungen summierten sich auf eine Erhöhung von 32 Prozent. „Ein derartiger Forderungskatalog ist schlichtweg nicht finanzierbar und völlig utopisch.“ Dies wisse man bei Verdi sehr genau und handele veranwortungslos. Trotz „dieser völlig unnötigen Eskalation“ werde Falck  am 10. April weitere Gespräche mit Verdi führen. Gleichzeitig verwahre sich Falck „gegen Mutmaßungen des Betriebsratsvorsitzenden Uwe Greibig in der Presse, dass möglicherweise zum Jahresende Rettungsmittel nicht besetzt würden, weil aktuell 3,5 Stellen unbesetzt seien“. Die bevorstehenden Betriebsratswahlen dürften nicht dazu verleiten, „Gerüchte zu verbreiten“. Falck werde seinen Auftrag ordnungsgemäß erfüllen. Derartige Äußerungen und der aktuelle Warnstreik seien allerdings „dazu geeignet, arbeitswillige Bewerber abzuschrecken“, heißt es in der Mitteilung von Falck.

(js)