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Weiter offene Fragen zu Kinderärzten

Eine einvernehmliche Lösung ist vor allem den kranken Kindern in Forst zu wünschen.
Eine einvernehmliche Lösung ist vor allem den kranken Kindern in Forst zu wünschen. FOTO: Fotolia/goodluz
Forst. Ab dem 1. April will das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in der Forster Lausitz Klinik eine Außenstelle seiner Poliklinik einrichten, um in Forst eine Kinderarzt-Praxis zu betreiben. Gestern wies das CTK in einer Pressemitteilung darauf hin, dass dafür noch eine Sonderbedarfszulassung der Kassenärztlichen Vereinigung fehle. Steffi Ludwig und Katrin Kunipatz

Das Thema Kinderarzt in Forst ist ein schwieriges - das war es bis November 2014, als nach langer Zeit ganz ohne Kinderarzt in Forst endlich eine in der Lausitz Klinik eingemietete Kinderarztpraxis öffnete, und ist es wieder seit kurz vor Weihnachten, als bekannt wurde, dass diese Praxis seit Jahresbeginn 2017 nicht mehr durchgehend geöffnet ist. Denn die zwei Mediziner, die sich eine Stelle geteilt hatten - darunter die Elternzeitvertretung einer Kinderärztin -, hatten sich gegen eine Weiterbeschäftigung in der Praxis entschieden. Betreiber der Praxis war die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), die Ärzte waren zur Hälfte am CTK beschäftigt.

Seit Bekanntwerden des Praxisendes wird mit Hochdruck an Übergangslösungen gefeilt. Lausitz Klinik, CTK und KVBB sind beteiligt. Ab 1. April werde ein neuer Kinderarzt in Forst in Vollzeit beginnen, der über die CTK-Poliklinik beschäftigt sein soll, hatte CTK-Pressesprecherin Susann Winter am 22. Dezember verkündet.

Doch auch das scheint nicht so einfach zu sein, wie die gestrige Pressemitteilung des CTK zeigt. Noch fehle die Zustimmung des Zulassungsausschusses, in dem Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen sitzen.

Rein nach Zahlen überversorgt

Denn es gibt ein rechnerisches Problem, nach dem es keinen freien Kassenarzt-Sitz für Kinderärzte in Forst gibt, schreibt das CTK: Nach der Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, die den Bedarf an Haus- und Fachärzten regelt, ist der Landkreis Spree-Neiße mit Kinderärzten überversorgt. Laut Zahlenwerk würden die fünf Kinderärzte in Spremberg, Guben, Döbern und Peitz ausreichen, um die rund 15 500 Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren im Landkreis (Stand Dezember 2014) zu versorgen, bestätigt Christian Wehry, Sprecher der KVBB, und räumt ein: "Das hat natürlich mit der erlebten Versorgungsrealität wenig zu tun." Schlüssel seien 3990 Kinder pro Arzt. Mit sechs Vollzeitstellen (inklusive der Forster Stelle) bestehe ein Versorgungsgrad von 154 Prozent. Schon ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent gebe es keine freie Zulassungsmöglichkeit, jeder weitere Arzt brauche eine Sonderbedarfszulassung.

Für die bisherige KVBB-Praxis in Forst habe es keine Sonderbedarfszulassung gebraucht: Da es eine Eigeneinrichtung ist, habe ein Vorstandsbeschluss gereicht, so Wehry. Nun müsse der Zulassungsausschuss, der nächstes Mal am 18. Januar tagt, über die neue Stelle in Forst entscheiden. Bereits morgen gebe es jedoch ein Telefongespräch zwischen CTK-Geschäftsführer Dr. Götz Brodermann und Dr. Peter Noack, dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der KV. Der Pressesprecher: "Uns ist sehr daran gelegen, dass die kinderärztliche Versorgung in Forst bleibt."

Zudem verweist er darauf, dass diese Bedarfsplanungsrichtlinie nicht von der KV stamme, sondern vom Gemeinsamen Bundesausschuss: Dieser ist das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, Mitglieder sind unter anderem Ärzte, Krankenkassen oder Mitglieder der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. "Die Richtlinie ist geltendes Recht, allerdings schon Anfang der 90er-Jahre entstanden und in einigen Punkten nicht mehr zeitgemäß", so Wehry.

Warum das CTK den Antrag für die Sonderbedarfszulassung erst am 22. Dezember 2016 gestellt hat, begründet Sprecherin Susann Winter damit, dass der neue Kinderarzt den Arbeitsvertrag auch erst kurz vor Weihnachten unterschrieben habe und erst dann der Antrag gestellt wurde.

Ausweich in die Umgebung

Eltern mit kranken Kindern weichen derweil zu anderen Kinderärzten aus: Beispielsweise die Döberner Kinderärztin Dr. Andrea Hennig wird seit Jahren von vielen Forster Familien besucht. Das Wartezimmer sei immer voll, bestätigt Schwester Kathrin. Neue Babys würden aufgenommen und ältere Kinder unter Vorbehalt, bis in Forst wieder eine kinderärztliche Betreuung möglich sei, sagte sie gestern.

Zum Thema:
Am 18., 23. und 25. Januar sowie am 1. Februar wird ein Facharzt aus Potsdam in der Kinderarztpraxis der Lausitz Klinik sein. Dieses Angebot gelte vor allem für kleinere Kinder mit Vorsorgeuntersuchungen. Ab 8. Februar wird ein Kinderarzt aus der Bergmann-Klinik-Gruppe die Stelle in Vollzeit besetzen, bis ab 1. April - vorbehaltlich der Zulassung - der Kinderarzt über die CTK-Poliklinik beginnt. Eine Erstversorgung ist immer in der Notaufnahme der Lausitz Klinik möglich.