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Wegen Sanierung fünf Jahre geschlossen

Das Forster Schützenhaus wird bald abgerissen. Das Haus ist ein Ort, an den viele Einwohner lebhafte Erinnerungen haben. Es hat dort unzählige Zusammenkünfte und Feiern gegeben. Im ersten Teil über die Geschichte des Hauses wurden die Anfänge im 19. Jahrhundert bis nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieben. Es folgt in diesem Beitrag die Nachkriegszeit, in der das Gebäude Kulturhaus hieß. Hans-Joachim Schulz

Die Kulturhaus-Leitung übernahm im September 1954 Erich Fabian. Als weitere Verwalter wirkten Willi Eggemeyer, Frieda Schneider, Paul Wilhelm, Willi Teichert und Frieda Fabian mit. Von 1954 bis 1962 bestätigten sich Werner Wagenknecht und Otto Schuhr als Vorsitzende des Klubrates. Ein großer und ein kleiner Saal, Klubzimmer, Bibliotheksraum und Jugendraum standen für vielseitige Betätigungen in der Freizeit zur Verfügung. Aber nicht nur für die Textilarbeiter waren diese Räumlichkeiten da. Alle Bevölkerungskreise und Organisationen waren im Kulturhaus der Textilarbeiter Gast und zählten zu ihren Besuchern. Vielseitige Vorträge für Brigaden und Lichtbildveranstaltungen bildeten eine sehr beliebte und gern in Anspruch genommene Belebung kultureller Betätigung und erfreuten sich guten Zuspruches.
Der Garten des Schützenhauses wurde als Gartenlokalbetrieb umgestaltet, mit neu gestrichenen Gartenstühlen und -tischen verschönert und lud zur Rast ein. Alleredings wurde das über 100 Jahre alte Haus mittlerweile immer brüchiger. Deshalb musste 1971 baupolizeilich das Gebäude mit dem großen Saal gesperrt werden.
In den Jahren 1971 bis 1978 erfolgten im Auftrag der VEB Forster Tuchfabriken im Innen- und Außenbereich umfassende Rekonstruktionen. Das Haus sollte für Veranstaltungen der Kultur- und Sportbereiche, der Jugend- und Brigadearbeit in der Stadt sowie der gastronomischen Betreuung (1956 hatte die HO die Bewirtschaftung des Gaststättenteiles übernommen) wieder in Schuss gebracht werden. Insgesamt wurden vier Millionen D-Mark Ost investiert.
Am 7. Oktober 1978 erfolgte nach fünf Jahren die Übergabe des rekonstruierten Hauses. Damit stand nach längerer Zeit in der Stadt wieder ein größerer Saal für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. In den ersten Jahren nach der Wende verwaltete die Forster Tuchfabriken GmbH bis zur Liquidation derselben das einstige Kulturhaus der Textilarbeiter. 1992 fanden hier noch das 3. Gesamtdeutsche Forster Treffen und der erste Forster Modeball statt. Dann schlossen sich die Türen des Hauses. 1991 weilte der ehemalige Besitzer, die Familie Handreck-Eger aus Bad Eilsen in Forst, um mit dem Rechtsträger Forster Tuchfabriken GmbH wegen einer Rückübertragung zu verhandeln. Die Gespäche blieben erfolglos. Nach dem Winter 1992/93 drehte man die Heizung ab und es kam zu erheblichen Parkettschäden im großen Saal. 1995 eröffnete der gelernte Gastronom Gerd Leske mit seinem Helfer Jens Schulz aus Döbern die „Bierklause im Schützenhaus“ mit Mittagstisch im Angebot. Aber auch dieser Versuch des gebürtigen Forsters war nicht von langer Dauer. In den folgenden Jahren war das Gebäude nicht mehr gesichert. Es kam zu Beschädigungen und Vandalismus in allen Räumen. Eingeschlagene Fenster mussten mit Blechplatten versehen werden.
Da Erben ihren Besitz ausschlugen, ging das Haus als so genannte Fiskuserbschaft an das Land Niedersachsen. Im vergangenen Jahr erwarb ein Cottbuser Investor die ehemalige Fabrikantenvilla Cattien in der Jänickestraße sowie das Grundstück mit dem ehemaligen Schützenhaus. Zurzeit wird das Gebäude entkernt. Der Abrissbagger rollte bereits an. Die Freifläche möchte der Investor für Parkplätze nutzen. In der Cattien-Villa plant das Unternehmen ein Café.