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| 02:36 Uhr

"Warum müssen wir immer kämpfen?"

Die Schülerbeförderung zur Mosaikgrundschule Döbern beschäftigt kommende Woche auch die Kreispolitik.
Die Schülerbeförderung zur Mosaikgrundschule Döbern beschäftigt kommende Woche auch die Kreispolitik. FOTO: Martina Arlt/mat1
Seitdem der Preschener Familienvater René Prüfer Vorsitzender der Schulkonferenz der Grundschule Döbern ist, macht der Grundschulbetrieb Schlagzeilen. Ob Klassenstärke, Schulbus oder Pausenzeiten – Prüfer kämpft für die Rechte der Schüler und sieht nun den Landrat hinter sich. Die RUNDSCHAU sprach mit ihm darüber.

Herr Prüfer, Sie schlagen sich seit 2014 immer wieder in die Bresche für die Grundschüler in Döbern und sind dabei auch nicht zimperlich mit Vorwürfen Richtung Schulamt, egal ob es um Inklusion oder den Schülerverkehr geht. Kann es Ihnen denn niemand Recht machen?
Es geht doch nicht um mich, sondern um Kinder, die ganz einfache Dinge wie ausreichende Pausenzeiten nicht zugestanden bekommen. Und wenn ich dann auf einstimmigen Beschluss der Schulkonferenz beim Landkreis beantrage, dass die Busse 15 Minuten eher ankommen in Döbern, dann bin ich der Böse. Das kann es ja wohl nicht sein. Ich frage mich ernsthaft, warum wir immer kämpfen müssen für die Rechte der Kinder. Aus meiner Sicht, haben Stadt, Amt und Landkreis eine Bringepflicht gegenüber den Schulkindern, momentan betteln wir.

Worum genau?
Um einen um 15 Minuten vorgezogenen Unterrichtsbeginn und damit längere Pausenzeiten in der einzigen Grundschule des Amtes Döbern-Land.

Wieso ist das erst jetzt akut?
Akut war es eigentlich schon immer. Laut Schulgesetz dürfen Grundschulkinder nicht mehr als sieben Stunden Unterrichtszeit pro Tag haben. In Döbern sind es schon seit Jahren immer im Wechsel mal sechs, mal acht Stunden. Dafür muss jedes Jahr eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden beim Fachbereich Schule und Kultur des Landkreises Spree-Neiße.

Warum dieser Rhythmus?
Weil nach der offiziell siebenten Stunden die Busse von Döbern aus nicht in alle Richtungen fahren. Wenn alle Strecken stündlich bedient werden würden, gäbe es alle Probleme nicht mehr, weder für die Grundschüler noch für die Oberschüler und die Gymnasiasten, die nach Hause wollen und in bestimmte Richtungen in Döbern eine Stunde auf den Anschlussbus warten müssen.

Was hat das mit den längeren Pausenzeiten zu tun?
Wenn die Busse 15 Minuten eher ankommen in Döbern, haben wir die Chance, die Pausenzeiten gesetzeskonform einzuhalten. Grundschulkindern stehen 30 Minuten Mittagspause und 20 Minuten Frühstückspause zu, ohne Hofpause. Wir haben derzeit zehn Minuten Frühstückspause und 25 Minuten Mittagspause, allerdings mehr Essenteilnehmer. Deshalb wird es eng. Seitdem es Wahlessen gibt, nehmen 160 Kinder am Mittagessen teil, vorher waren es 70. Der kleine Pausenraum reicht nicht aus, um alle gleichzeitig aufzunehmen, das heißt sie müssen in zwei Durchgängen essen. Dafür sind 25 Minuten zu knapp.

Das heißt, der Unterrichtstag würde nicht eher enden und der passende Anschlussbus vielleicht noch erreicht werden?

Eher Schluss machen, darum geht es nicht. Es geht darum, dass wir mehr Pausenzeit bekommen. Die Busfahrzeiten sind ein anderes Thema, das aus meiner Sicht auch wenig praxistauglich entschieden wird. Es gab mal Zeiten, da saßen die Schulträger mit am Tisch, wenn es um die Fahrpläne ging. Inzwischen legt der Landkreis vom Schreibtisch aus fest, wann Busse ankommen und fahren. Am Ende stehen Schüler, die auf dem platten Land wohnen, im Regen, weil sie in Döbern eine Stunde auf ihren Bus warten müssen, oder sie müssen per Taxi auf Kosten des Landkreises als Träger des ÖPNV nach Hause gefahren werden.

Sie haben das Problem der Pausenzeiten im Kreistag geschildert. Wie schätzen Sie die Aussichten ein für die Döberner Grundschüler?
Wir haben im Kreistag viel Unterstützung erfahren durch Abgeordnete wie Eberhard Müller, Andreas Paul Mekelburg, Klaus-Peter Schulze und Abgeordnete aus dem Raum Peitz. Das hat uns moralisch sehr gut getan, mal nicht als die Dummen hingestellt zu werden, sondern ernst genommen zu werden. Nur der Döberner Bürgermeister und Kreistagsabgeordnete Jörg Rakete hat sich nicht geäußert. Es herrscht allgemein Verwunderung, dass er sich nicht für die Grundschule in seiner Stadt einsetzt. Sehr ernst nimmt Landrat Harald Altekrüger das Problem. Ich hatte am 5. Januar ein sehr konstruktives Gespräch bei ihm, er hat sehr aufmerksam zugehört.

Mit René Prüfer

sprach Beate Möschl