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| 01:10 Uhr

„Warum denn keinen Brühl-Park?“

Mit dem fortschreitenden Stadtumbau entstehen in Forst immer neue Freiflächen. Durch den Abriss von Plattenbauten und leerstehenden, baufälligen Häusern bilden sich in der Rosenstadt immer größere Bereiche, die gestaltetet werden müssen. Forst werde eine zunehmend grünere Stadt, versichert Baudezernent Jürgen Goldschmidt (FDP). Das Vorgehen folge einem Gesamtplan, jedoch habe dieser einen prozesshaften Charakter. Neue Überlegungen würden ständig einfließen. Eine davon ist, bei der Freiflächengestaltung auf Forster Persönlichkeiten zurückzugreifen. Einen Brühl-Park könne er sich vorstellen, sagt Jürgen Goldschmidt. Dabei denke er bei Parks nicht nur an Bänke und Bäume. Von Bernd-Volker Brahms

Gut 500 Wohnungen werden in diesem Jahr in Forst „vom Markt genommen“ , wie es im Verwaltungsdeutsch so schön heißt. Bis zum Jahre 2010 werden in der Rosenstadt etwa 1300 Wohnungen weniger vorhanden sein, als mit Beginn des Stadtumbauprogramms vor drei Jahren. Gleichzeitig werden die „unfreiwilligen Freiflächen“ immer mehr, wie Baudezernent Jürgen Goldschmidt sagt.
„Wir werden uns nicht auf alle Freiflächen stürzen können“ , sagt der Baufachmann. In der Stadtverwaltung hat sich aufgrund der Komplexität des Problems eine Koordinierungsgruppe gebildet. Neben Baufachleuten ist auch die Wirtschaftsförderung und das Hauptamt beteiligt. Es werden Ideen entwickelt, wie die Umgestaltungsprozesse in der Stadt zusammengeführt werden können. Die neuste Überlegung geht dahin, historische Forster Persönlichkeiten wie den Grafen Brühl oder den Fabrikanten Groeschke als Sinnstifter mit einzubeziehen. „Den Forstern ist durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg viel genommen worden“ , sagt Jürgen Goldschmidt. Es sei wichtig, Identitätsstiftung zu betreiben. Der Graf Brühl und die Textilindustrie gehörten nun einmal zu den markanten Größen der Stadthistorie, dies sollte auch im Stadtbild ersichtlich sein. „Warum keinen Brühl-Park?“ , fragt Jürgen Goldschmidt. Wo ein solcher günstigstenfalls sein könnte, läßt der Baudezernent vorerst offen.
Auf jeden Fall sei mit dem alten Friedhof - dem Stadtpark Mitte - eine erste grüne Oase geschaffen worden, die einen Anschluss an das Sanierungsgebiet Nord bekommen soll. „Früher haben die Leute den Park ja bestenfalls als Abkürzung genutzt“ , sagt Goldschmidt. Mit Brühl als Marke könne die Stadt auch für Touristen werben und entsprechende Souvenirs herstellen und möglicherweise kulinarische Angebote machen. „Produkte der Region sollen ganz bewußt mit einbezogen werden“ , so Goldschmidt.

Stadtpark wird angeschlossen
Ob ein künftiger „Brühl-Park“ möglicherweise auch unmittelbar im Stadtkern um die Nikolaikirche entstehen könnte, sagt der Baudezernent nicht. Sinn könnte dies machen, wenn man bedenkt, dass der Graf in der Kirche begraben liegt. „Unsere Überlegungen für diesen Bereich sind bislang noch nicht öffentlich, weil sie auch noch mit den Wohnungsgesellschaften abgestimmt werden müssen“ , sagt Jürgen Goldschmidt. Die Stadtverordneten sollen in Kürze informiert werden. Der Bereich werde ab Anfang nächsten Jahres ein Arbeitsschwerpunkt werden. Wie die RUNDSCHAU unlängst berichtete, plant die Forster Wohnungsgenossenschaft (FWO) eine Reduzierung der Geschosse ihrer Häuser am Markt. Mehrere Plattenbauten sind dort schon komplett weggerissen worden. Große Freiflächen haben sich gebildet. Nach dem geschlossenen Konzept der Stadtverwaltung werde die Stadtkirche wieder eine größere Zentrumsbedeutung erlangen, sagt Jürgen Goldschmidt etwas nebulös.
Als einen wesentlichen Faktor der Freiflächengestaltung sieht der Baudezernent auch weiterhin das Projekt eines Rad- und Fußweges entlang des Mühlgrabens. Bereits etwa 1997 sei die Idee dafür aufgekommen, die etwa zehn Kilometer lange Strecke vom Süden der Stadt am Rosengarten bis in den Norden an den gut frequentierten Neiße-Radweg anzuschließen. Bis 2010 soll ein fast komplett durchgängiger Weg entstehen. An der touristisch nutzbaren Strecke sollen diverse Freiflächen angedockt werden, wie Goldschmidt sagt. Beispielsweise ein Fläche in der Straße Am Haag sowie eine in der Bauendphase befindliche Fläche an der Heinrich-Werner-Straße. Es sei auch durchaus im Interesse der Stadt, wenn an der Strecke befindliche Gebäude wie das Heizwerk für kulturelle Zwecke reaktiviert würden. „Wir setzten da auch auf privates Engagement“ , sagt der Baudezernent. Auch die Fabrikanlage C.H. Pürschel in unmittelbarer Nähe passe in dieses Konzept. Das Gebäude wurde immer wieder als mögliches Objekt für eine Zusammenlegung von Textilmuseum, Stadtarchiv und Bibliothek ins Spiel gebracht.
Am Mühlgraben hat die Stadt es mit etwa hundert Grundstückseigentümern zu tun, denen kleinere Flächen für den geplanten Rad- und Fußweg abgekauft werden müssen. „Die meisten sind kooperativ“ , sagt Jürgen Goldschmidt.

Auch Neißebrücke noch Thema
Als weiteres Gebiet für Freiflächen sieht der Baudezernnent das Areal zwischen dem Gutenbergplatz und dem alten Stadtpark. „Hier ist einiges in Bewegung gekommen“ , so Goldschmidt. Zum einen soll die Cattien-Villa durch Privatinvestoren in Schuss gebracht werden. Außerdem habe sich ein Eigentümer für das ehemalige Schützenhaus gefunden, der dieses abreißen möchte.
Die Nähe zu den Stümpfen der Langen Brücke in der Neiße mache den Bereich für Künstler interessant. „Hier soll ein Aktionsraum entsehen“ , sagt Jürgen Goldschmidt. 2006 ist Forst Bestandteil des Programm Kulturland Brandenburg. Perspektivisch kann sich der Baufachmann sogar einen Übergang über den Fluß nach Polen vorstellen. In dieser Hinsicht hätte allerdings noch das neu zu bauende Neißewehr Vorang. Bei diesem Bauvorhaben werde noch geprüft, inwiefern ein Übergang nach Polen möglich ist.