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Tarifstreit
Warnstreik vor DRK-Heim in Forst

Am Warnstreik vorm DRK-Pflegeheim "Haus am Rosengarten" beteiligten sich am Dienstag 60 Mitarbeiter. Aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi.
Am Warnstreik vorm DRK-Pflegeheim "Haus am Rosengarten" beteiligten sich am Dienstag 60 Mitarbeiter. Aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. FOTO: Katrin Kunipatz / LR
Forst. Angestellte in Pflegeeinrichtungen in Forst und Döbern fordern Tarifverträge und mehr Lohn. Von Katrin Kunipatz

Vor dem DRK-Pflegeheim „Haus am Rosengarten“ versammelten sich am Dienstagmittag rund 60 Frauen und Männer. Alle sind Mitarbeiter beim DRK Kreisverband Forst Spree-Neiße, der mit 170 Beschäftigten zu einem der großen Arbeitgeber in der Stadt zählt. Sie tragen gelbe Westen mit der Aufschrift Verdi. Die Gewerkschaft hat zum zweistündigen Warnstreik aufgerufen. Ein Transparent macht klar, worum es geht: „Aus Liebe zum Menschen? Gerechte Löhne für alle.“

Ralf Franke, Verhandlungsführer bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erläutert die Fakten: „Wir wollen, dass der DRK Kreisverband Forst einen Tarifvertrag abschließt, wie er bereits seit Mai 2016 beim DRK Kreisverband Cottbus gilt.“ Für die Beschäftigten soll dieser Tarifabschluss spürbare Einkommenserhöhungen, Weihnachtsgeld, mehr Urlaubstage und einheitliche und transparente Regelungen für alle Mitarbeiter bringen.

Mit diesem Transparent bringen die Beschäftigten des DRK Kreisverbandes Forst ihre Forderung auf den Punkt.
Mit diesem Transparent bringen die Beschäftigten des DRK Kreisverbandes Forst ihre Forderung auf den Punkt. FOTO: Katrin Kunipatz / LR

Während die Tarifverhandlungen mit dem DRK in Cottbus binnen zwei Monaten zum Ergebnis führten, hat Ralf Franke beim DRK in Forst das Gefühl, man wolle nicht verhandeln. Bereits im Juni habe Verdi den DRK Kreisverband Forst zu Verhandlungen aufgefordert und Anfang Juli konkrete Forderungen vorgelegt. Der DRK-Vorstand teilte mit, man wolle im August entscheiden, ob überhaupt Tarifverhandlungen geführt werden. Beim ersten Verhandlungstermin Ende September habe das DRK den Vorschlag der Gewerkschaft zurückgewiesen, ohne einen Gegenvorschlag zu machen, so Franke. Verdi forderte diesen bis Mitte Oktober ein. Daraufhin kündigte der DRK Kreisverband Forst Spree-Neiße an, Ende November ein Angebot zu unterbreiten. Auch Robert Otto, stellvertretender Betriebsrat und Mitglied der Verhandlungskommission, ist verärgert über diese Verzögerungstaktik. „Wir wollen gerechte Löhne für unsere Arbeit“, sagt er.

Köchin Michaela Latze berichtet, dass sie seit 26 Jahren im Pflegeheim kocht. Das Team habe früher für 50 Leute gekocht. „Heute sind es 130 Leute im Heim und noch einmal rund 170 Portionen für Essen auf Rädern“, so die Köchin. Eine Lohnerhöhung habe sie in dieser Zeit nicht bekommen, stattdessen sei immer mehr Arbeit dazu gekommen.

Eine ältere Dame schiebt sich zwischen den Streikenden hindurch. Sie heißt Martha Handreck und wohnt seit drei Jahren im Heim am Rosengarten. „Der Streik ist richtig. Sie hätten es schon viel eher machen soll“, sagt die 93-Jährige. Auch andere Heimbewohner seien auf der Seite der Streikenden berichtet Martha Handreck. Unterstützung bekommen die Streikenden von Ulrich Freese. Ralf Franke verliest seine Mitteilung. Darin fordert Freese vom DRK, „für anständige Arbeit vernünftig zu zahlen“. Linken-Stadtverordneter Ingo Paeschke ist persönlich erschienen. Mit dem Verweis auf den Gehaltsunterschied zwischen Forst und Cottbus erklärt er, dass man solche Differenzen nicht zulassen könne.

Nach zwei Stunden ziehen die Küchen- und Pflegekräfte ihre Westen wieder aus. Im Heim war die Betreuung während des Streiks über einen Notdienst abgesichert. Andere Arbeiten – beispielsweise ein vereinfachtes Mittagessen – hätten die Mitarbeiter zuvor erledigt, erklärt Robert Otto. Nun hofft der Betriebsrat wie alle anderen Beschäftigten, dass dieses erste Signal beim DRK Forst ankommt und bis zum 30. November ein Angebot vorgelegt wird. Ansonsten seien weitere Warnstreiks möglich, kündigt Ralf Franke an.

Die Geschäftsführung des DRK Kreisverbandes Forst war gegenüber der RUNDSCHAU nicht bereit Fragen zum Streik oder den Tarifgesprächen zu beantworten.