ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:27 Uhr

Spree-Neiße
Warnstreik beim Rettungsdienst

Zum Warnstreik hat Verdi die 130 Mitarbeiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH im Landkreis Spree-Neiße aufgerufen.  Archivfoto: D. Bogott
Zum Warnstreik hat Verdi die 130 Mitarbeiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH im Landkreis Spree-Neiße aufgerufen. Archivfoto: D. Bogott FOTO: Detlef Bogott
Forst. Verdi ruft Falck-Mitarbeiter zum Streik. Forderung nach Tariflöhnen richtet sich an den Kreis. Von Katrin Kunipatz

Zu einem Warnstreik hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag die Mitarbeiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH im Landkreis Spree-Neiße aufgerufen. „Betroffen von dem Streik sind nur die drei Krankentransportwagen“, stellt Verdi-Sprecher Ralf Franke klar. Für alle Rettungswagen und Notarztfahrzeuge sei ein Notdienst organisiert. Der Rettungsdienst wird also auch am Streiktag wie üblich zur Verfügung stehen.

Anlass für die Arbeitsniederlegung sind die seit Mitte Februar laufenden Tarifverhandlungen. Verdi fordert für alle 131 Falck-Beschäftigten im Landkreis höhere Löhne, die an den Tarif des öffentlichen Dienstes angepasst sind, Weihnachtsgeld und eine betriebliche Altersversorgung.

Im Moment gibt es Unterschiede zwischen Mitarbeitern, die bereits 2012 beim Rettungsdienst beschäftigt waren, und denen, die erst im Jahr 2013 oder später dazu gekommen sind. Grund dafür ist die Entscheidung des Landkreises, die Aufgaben des Rettungsdienstes zum 1. Januar 2013 an die Firma Falck zu übertragen. Die deutsche Firma ist Teil des in Dänemark ansässigen Falck-Konzerns.

Weiterhin will Verdi erreichen, dass aufgrund der gestiegenen Belastungen, die Arbeitszeit in den nächsten zwei Jahren von bisher 48 auf 45 Stunden pro Woche reduziert wird. Ziel sei es, so Franke, die Arbeitsbedingungen beim Rettungsdienst im Landkreis Spree-Neiße an die Arbeitsbedingungen beim Rettungsdienst in Cottbus oder den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz anzupassen. Bisher haben Verdi und Falck ein einziges Mal miteinander gesprochen. Ein zweiter Termin wurde abgesagt. Übereinstimmend berichten beide Seiten, dass es zu keiner Einigung gekommen sei. Wie Ralf Franke von Verdi erläutert, habe Falck nur eine prozentuale Lohnerhöhung angeboten, wie sie bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst erzielt würden. Dies sei im Hinblick auf die gestiegenen Belastungen, die sich an den Einsatzzahlen ablesen lassen, nicht genug.

Ingo Lender, Verhandlungsführer bei Falck, spricht von überzogenen Forderungen der Gewerkschaft. Insgesamt würden sich die verschiedenen Punkte – Lohnerhöhungen, Veränderungen bei den Arbeitszeiten sowie höhere Zulagen für Schicht- und Nachtarbeit – auf 32 Prozent summieren. „Gegenüber dem Landkreis können wir aber nur die Lohnerhöhungen im Rahmen der Tarifentwicklung des öffentlichen Dienstes geltend machen“, so Lender. Da Verdi aber auf allen Punkten beharre, sei es gar nicht möglich zu verhandeln. „Der kurzfristig ausgerufene Warnstreik ist absolut unangemessen“, sagt der Falck-Verhandlungsführer.

Er vermutet, dass Verdi eine große öffentliche Aufmerksamkeit erreichen wolle. Denn die Auswirkungen des Warnstreiks werden sich nach Einschätzung von Ingo Lender in Grenzen halten. Effektiv betroffen seien nur die drei Krankentransportwagen. Die sieben Rettungswachen im Landkreis sind am Donnerstag wie üblich besetzt.

Wen Verdi tatsächlich erreichen will, macht der Ort des Warnstreiks deutlich: Die Kundgebung wird vor dem Kreishaus stattfinden. Denn für die Finanzierung des Rettungsdienstes ist der Kreis verantwortlich. Entsprechend einer Gebührenordnung macht Spree-Neiße Kosten bei den Krankenkassen geltend. Von diesen Einnahmen werden Fahrzeuge und Gebäude bezahlt sowie – gemäß den Verträgen mit Falck – das Personal. Damit die Rettungsdienstmitarbeiter in Spree-Neiße wirklich ähnlich wie ihre Kollegen in Südbrandenburg bezahlt würden, müsste also der Landkreis Falck mehr Geld zur Verfügung stellen, argumentiert Franke. Aber als Gewerkschaft könne Verdi nur mit Falck verhandeln. Falck wiederum müsse gegenüber dem Landkreis auf höhere Zuschüsse drängen, so Franke.

Der Landkreis Spree-Neiße hat erst für Donnerstag eine Stellungnahme angekündigt.